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Kr Wie Krefeld
Die Westwall-Wut

Krefeld. Die Debatte in der Bezirksvertretung Mitte über die Durchfahrt auf dem Karlsplatz war von Wut geprägt. Die Fakten waren allesamt umstritten, man konnte sich nicht im Ansatz auf ein Bild der Realität einigen. Die Bilanz eines langen Abends im wie immer elend stickigen Raum C 2 des Rathauses:

Die Gegner der Westwallschließung glauben nicht an die Verkehrszählung der Stadt und beklagen die Belastung durch die Umleitung. Die Stadt sagt: Es ist so wenig Verkehr, dass die Umleitung nicht weiter stört. Was stimmt?

Der Einzelhandelsverband sagt: Die City habe unter der Baustelle gelitten; der "Blutkreislauf" Autoverkehr sei gestört. Dagegen steht eine simple Plausibilitätserwägung: Kann ein Karree-Umweg von 300 Metern diese Folgen haben?

Die Museumsfachleute sagen: Erst der verkehrsberuhigte Platz vor dem Museum vollendet die Sanierung und macht das Ensemble zu einem überregionalen Glanzstück. Die Gegner verneinen glatt die Ästhetik des Platzes. Zudem kann das "Wenig-Verkehr-Argument" der Verwaltung auch als Pro-Durchfahrt-Argument gelesen werden: Wenn so wenige Autos kommen - wieso sollen sie das Gesamtbild von Platz und Museum so stören? Auch dies war spürbar: eine "Wir zeigen es denen da oben"-Stimmung. Der Wunsch, Dezernenten in die Schranken zu weisen, hatte Züge einer Machtprobe ums Prinzip. Debatten über die Sache pflegen darunter zu leiden.

Die Lage ist also verzwickt: Soll man das Veto von 1500 Bürgern ignorieren und riskieren, dass der museale Aufbruch in Freude und Stolz gleich wieder mit dem Makel der Bürgerferne befleckt wird? Oder soll man riskieren, dass ein großer Wurf gleich wieder zwischen Verkehrs-Kleinklein zerrieben wird?

Vielleicht wäre das eine Lösung: ausprobieren. Warum nicht für ein Jahr die Sperrung des Karlsplatzes erproben; schauen, wie der Platz wirkt und ob sich dort das erhoffte urbane Leben entfaltet - auch: ob die Anwohner ihren Frieden mit der Situation machen. Danach kann man sich wieder zusammensetzen und neu entscheiden.

Quelle: RP
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