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Krefeld
Die Zukunft gehört dem "Sonnenhaus", das Energie zum Eigenverbrauch produziert

Krefeld. Kritik an der Energiewende - und Wege, wie es heute schon geht: Themen auf einem Kongress von Sparkasse Krefeld und Stadtwerke Krefeld. Professor Timo Leukefeld war der Hauptredner.

Es war Kritik an der Energiewende, wie man sie so lange nicht mehr gehört hat: Der Atomausstieg - im Prinzip richtig, aber planlos, "das wird teuer." Die Fixierung aufs Stromsparen - falsch, weil unwirtschaftlich und technisch schwierig; Wärme speichern ist einfacher und effektiver, zumal deutsche Haushalte fast die Hälfte ihrer Energie fürs Heizen ausgeben. Die Erneuerbare-Energie-Politik: Falsch, weil darauf ausgerichtet, viel Strom ins Netz einzuspeisen, statt Energieautarkie im Haus zu fördern.

Der das sagt, ist kein Müsli-Typ in dicken Wollsocken, sondern eloquenter Wissenschaftler, Unternehmer und Berater der Bundesregierung: Professor Timo Leukefeld. Er war Hauptredner bei einem Kongress der Sparkasse in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken (SWK), auf dem vor 130 Unternehmern, Handwerkern und Investoren über Möglichkeiten berichtet wurde, Immobilien energetisch zu ertüchtigen oder Häuser so zu bauen, dass sie kaum Energie verbrauchen.

Ingenieur Jörg Linnig berichtet über Beispiele aus der Praxis: Demnach ist es möglich, Häuser zu bauen, die pro Quadratmeter im Jahr nur 70 Cent Energiekosten haben. SWK-Expertin Judith Nüßler rechnete vor, dass höhere Investitionskosten aufs Ganze - bezogen auf den "Lebenszyklus" eines Gebäudes - günstiger sein können als der Griff zu billigerer, weniger effektiver Technik. "Fördermittel" war das Thema von Ralf Thissen, Experte bei der Sparkasse. Die Programme sind schwer übersehbar, Beratung ist unabdingbar. Der Architekt und Denkmalschützer Klaus Reymann berichtete über die Grenzen energetischer Ertüchtigung - wenn nämlich Denkmalschutz und Technik aufeinanderprallen. Dennoch betonte er, es gebe viele Möglichkeiten, zum Beispiel über die Dämmung von Dächern oder die behutsame Erneuerung von Fenstern denkmalwerte Gebäude energetisch zu ertüchtigen. Für Reymann auch eine Strategie, die Gebäude zu retten - "schützen durch nützen", wie er es nannte.

Leukefeld hielt schließlich einen fulminanten Vortrag, in dem er mit der Energiewende harsch ins Gericht ging: Sie sei faktisch gescheitert, sagte er; Deutschland habe 200 Milliarden Euro investiert, "und der CO2-Ausstoß ist gestiegen". Er erinnerte an den Kampf der EU gegen die Glühbirne - obwohl Licht nur zwei Prozent des Stromverbrauchs ausmache. Zentrale Probleme - woher bekommen wir Energie, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht bläst - seien ungelöst. Sarkastisch sagte er: "Wir haben nach 20 Jahren Forschung herausgefunden, dass nachts nicht die Sonne scheint." Er plädierte für den Einsatz von Wärmespeichern - die Technik sei relativ billig und unkompliziert. Schon für 1000 Euro gebe es Speicher, die man in den Keller eines Einfamilienhauses einbauen könne. Große runde Tanks sind demnach auch ästhetisch befriedigend in Gebäude zu integrieren und so effizient, dass man Energie an Nachbarhäuser abgeben könne. Keine Zukunftsmusik - alles schon erprobt; er selbst lebt in einem solchen Gebäude. Das Konzept des "Sonnenhauses" sei ausgereift: Kernpunkte sind ein steiles Dach für Solarzellen und der Wärmespeicher. Leukefeld betonte auch, es dürfe nicht darum gehen, möglichst viel erneuerbaren Strom ins Netz zu speisen (was teuer für die Verbraucher ist), sondern darum, Strom und Wärme im eigenen Haus zu nutzen. Dann, so Leukefelds Credo, könne der Mensch gut gelaunt weiterleben, wie er ist: leicht verschwenderisch, auch bei Energie.

(vo)
 
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