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Krefeld
Dies ist ein gelbes Bild

Krefeld: Dies ist ein gelbes Bild
Was auf den ersten Blick monochrom dunkel wirk, offenbart mit der Zeit viele Nuancen der zahllosen farbigen Lasurschichten. Der Grund dieses Bildes ist gelb. FOTO: ped
Krefeld. Alles ist anders als es scheint im Kunstverein: Lydia Mammes und Günther Zins zeigen Malerei und Skulpturen, die mit Wahrnehmung und Perspektive spielen. Von Petra Diederichs

Zunächst ist es eine dunkle Fläche, etwa anderthalb Quadratmeter groß. Nach einigen Momenten bricht die Düsternis auf, hellere und dunklere Areale werden erahnbar. Ein Hauch von Meeresgrün taucht aus der Tiefe auf. Und nach etwa 30 Sekunden leuchtet es zwischen zahllosen Blau-Grün-Nuancen tatsächlich einmal gelblich. Das Bild trägt ebenso wie die anderen im Krefelder Kunstverein keinen Titel. Die Künstlerin Lydia Mammes nennt es "das gelbe Bild", wenn sie davon spricht. Den irritierten Blick des Betrachters registriert sie und erklärt: "Ja, die Bilder brauchen Zeit."

Für den flüchtigen Rundblick eignet sich die Ausstellung nicht, die am morgigen Freitag um 19 Uhr im Buschhüterhaus, Westwall 124, eröffnet wird. Hier ist Geduld und Bewegung gefragt, um die Arbeiten zweier Künstler zu ergründen: Lydia Mammes, die ihr Atelier in der ehemaligen Weinbrennerei Uerdingen hat, und Günther Zins aus Kleve stellen erstmals gemeinsam aus. Doch die Gemälde und Skulpturen wirken wie eingeschworene Dialogpartner. Sie spielen mit der Wahrnehmung, wechseln ihr Gesicht mit jeder Bewegung des Betrachters.

Lydia Mammes und Günther Zins stellen erstmals gemeinsam aus. Die Bilder und Skulpturen verbinden sich zu einem Seh-Erlebnis. FOTO: T.Lammertz

Lydia Mammes (Jahrgang 1963) hat an der Fachhochschule Köln Freie Kunst und Malerei studiert. Die Auseinandersetzung mit offenen und geschlossenen Räumen zieht sich als roter Faden durch ihr Werk. Sieben Großformate und zwei Drucke zeigt sie beim Kunstverein. Als bewegte Malerei bezeichnet sie ihre Bilder. In zahllosen feinen Lasurschichten trägt sie mit der Walze verschiedene Farben auf: Gelb, Blau, Rot, Grün. "Am Ende ergeben sie eine Farbe", sagt Mammes. Doch weil sie mit Nässe und Trockenheit arbeitet, manchmal Farbe wieder abträgt, ergeben sich changierende Effekte, deren Grenzen aber niemals erkennbar sind. "Volume" nennt sie ihre Bilder, was für Volumen steht, aber auch für Lautstärke. "Meine Bilder sind fertig, wenn sie summen", sagt sie. Und wer lange genug davor steht und erlebt, wie Lichteinfall und die eigene Bewegung die Farbwahrnehmung beeinflussen, spürt diese leichte Vibration. So gelingt es der Künstlerin, dass das eigentlich kühle Blau eines Bildes durch eine dunkel schimmernde Mitte wärmer wirkt, als ein sattes grünes Bild, dessen Zentrum in kaltem Platinton irisiert. Bis zum 18. Februar ist Lydia Mammes auch in der Ausstellung "Die Große" im Museum Kunstpalast in Düsseldorf vertreten.

Die schlichte Sachlichkeit von Stahlstäben und Seilen setzt Günther Zins in seinen Arbeiten ein. Bevorzugte Motive in dieser Schau sind Würfel und Quader, die weder das eine noch das andere sind. Zins ist ein Illusionist der Räumlichkeit. Seine Stahlkonstruktionen scheinen im Raum und an der Wand zu schweben, im Boden zu versinken oder Mauern zu durchdringen. Sie gaukeln eine Raumdimension vor, die es nicht gibt. Die linearen Eisengebilde werfen Schatten und lassen so weitere Bilder entstehen. Mit jedem Schritt, mit dem man sich ihnen nähert, verändern sie ihre Gestalt.

Zins, 1951 im hessischen Butzbach geboren, hat in Köln und Berlin Malerei studiert. 2004 und 2007 war er Atelierstipendiat der Cité international des Art in Paris. Bekannt ist sein schwebender Würfel auf dem Gelände von Moyland. Zins setzt die Idee der konstruktiven Plastik aus den 1920er Jahren fort, seine reduzierten Installationen wirken wie Raumzeichnungen - reduziert und zugleich vielschichtig.

Eröffnung am Freitag, 16. Februar, um 19 Uhr, im Krefelder Kunstverein, Westwall 124. Zu sehen bis April.

Quelle: RP
 
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