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Krefeld
Diesel-Fahrverbote: Krefelder Handwerker protestieren

Krefeld. Die Kreishandwerkerschaft und die Industrie- und Handelskammer erklärten gestern ihre Vorbehalte gegen Fahrverbote. Von Norbert Stirken

Krefeld nimmt unter den 70 deutschen Großstädten eine positive Sonderrolle ein: Die Anstrengungen zur Verbesserung der Luftqualität haben gegriffen. Das ist amtlich (wir berichteten). Fahrverbote wegen erhöhter Stickoxidwerte sind für die Seidenstadt nicht zwingend notwendig. Gleichwohl wären auch Krefelder betroffen, wenn es in den Nachbarstädten zu einem Fahrverbot für Dieselfahrzeuge käme, die nicht der modernen Norm Euro 6 entsprechen.

Gestern meldetet sich die Handwerkskammer Niederrhein mit Sitz am Westwall in Krefeld zu Wort. "Das Warten und die Unsicherheit auch bei den Handwerksbetrieben gehen noch einige Tage weiter", sagt Paul Neukirchen, nachdem das Bundesverwaltungsgericht seine Entscheidung zu möglichen Diesel-Fahrverboten auf nächsten Dienstag vertagt hat. Sollten Fahrverbote tatsächlich kommen, befürchtet der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Niederrhein massive negative Folgen für die mehr als 12.000 Handwerksunternehmen in der Region. "Dann wären Existenzen bedroht", erklärt er.

Viele Handwerksunternehmen hätten heutzutage Kunden in einem Radius von rund 50 Kilometern um den Firmensitz, erläutert Neukirchen: "Sie sind nicht nur in Krefeld, Neuss oder im Kreis Viersen unterwegs, sondern auch in Düsseldorf und Köln." Gesundheitsschutz sei sehr wichtig, betont er. Aber wahr sei auch: "Wenn man will, dass die Menschen auch in Zukunft eine Handwerkerleistung nutzen können, dass Häuser gebaut und Sachen repariert werden, dann muss es möglich sein, dass Handwerker in die Städte kommen. Wir müssen die Kunden mit Dienstleistungen und Waren beliefern können."

Das passiere bislang vor allem mit Dieseltransportern, weil es dazu bis vor kurzem kaum eine Alternative gab. Noch immer sei das Angebot von elektrisch betriebenen Nutzfahrzeugen sehr überschaubar.

Den so genannten ökologischen Fußabdruck, den die Herstellung eines E-Fahrzeugs hinterlässt, ist allerdings für die Umwelt nachteiliger als für Autos mit Verbrennungsmotoren. Und auch der Strom aus der Steckdose ist nicht per se sauberer. Kritiker weisen vor allem auf die Braunkohlekraftwerke in Ost und West hin.

Die Haltung der Industrie- und Handelskammer zur Thematik ist eindeutig. Vor möglichen Fahrverboten für Diesel-Fahrzeuge sollten zunächst alle anderen Mittel ausgeschöpft werden. So lautet die zentrale Botschaft eines "Positionspapiers zu einer Verschärfung der Luftreinhaltepläne in Neuss und Mönchengladbach", das die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein vorgestern in ihrer Sitzung verabschiedet hat. "Naheliegend sind die Nachrüstung älterer Diesel-Fahrzeuge, Verbesserung und Modernisierung des ÖPNV, der Verkehrslenkung sowie des Rad- und Fußverkehrs", heißt es in dem Papier. "Darüber hinaus bieten Digitalisierung und Elektromobilität Chancen, Verkehrsflüsse effizient und umweltschonend zu steuern." Die Bündelung von Maßnahmen wie ein besseres Parkraummanagement, intelligente Leitsysteme oder die Einrichtung von Lieferzonen hätten größeres Potenzial, den Schadstoffausstoß zu reduzieren als das Verbot von Diesel-Fahrzeugen. "Die Gesundheit der Bürger gilt es zu schützen", betonte IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz. "In Neuss und Mönchengladbach sind die Grenzwertüberschreitungen moderat." Dass es funktioniert, die Werte zu verbessern, hat die Stadt Krefeld bewiesen.

Quelle: RP
 
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