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Krefeld
Dietmar Siegert - 25 Jahre Kinderschützer

Krefeld: Dietmar Siegert - 25 Jahre Kinderschützer
Diplom-Sozialpädagoge Dietmar Siegert in einem der Spielzimmer der Beratungsstelle "Wendepunkt" in den Räumen des Kinderschutzbunds an der Dreikönigenstraße. FOTO: Lothar Strücken
Krefeld. Was mit Dietmar Siegert als erster und zunächst einziger Fachkraft begonnen hatte, ist heute der zweitgrößte Ortsverband des Kinderschutzbunds in Deutschland mit 115 hauptamtlichen und rund 100 ehrenamtlichen Mitarbeitern. Von Jochen Lenzen

Im neuen Jahr feiert der Kinderschutzbund (KSB) das 25-jährige Bestehen seiner Beratungsstelle, die bei ihrer Gründung noch "Anlaufstelle bei Misshandlung, sexuellem Missbrauch und Vernachlässigung von Kindern" hieß. "Vor 15 Jahren haben wir uns den Namen ,Wendepunkt' gegeben, um damit aufzuzeigen, was wir bewirken können", sagt Diplom-Sozialpädagoge Dietmar Siegert (59), der nun ebenfalls auf 25-jährige Tätigkeit als Geschäftsführer des KSB zurückblicken kann.

24 Jahre lang hatten sich ausschließlich Ehrenamtler den Aufgaben des 1967 gegründeten Krefelder KSB gestellt. Als dann klar wurde, dass Laien mit den Themen rund um Gewalt gegen Kinder überfordert waren, legte das Land ein Förderprogramm für solche Beratungsstellen auf, so dass der ehrenamtliche Vorstand um den damaligen Vorsitzenden und großen Förderer des KSB, Olaf Heimendahl, 1991 mit Siegert den ersten Hauptamtler einstellen konnte. Die Beratungsstelle war damals noch in einem ehemaligen Geschäftslokal an der Ecke Dionysius- und Prinz-Ferdinand-Straße untergebracht.

In den folgenden Jahren stellte sich heraus, dass die Räume und die Lage der Beratungsstelle, die schnell auf große Nachfrage stieß, ungünstig waren. So zog der KSB 1994 mit Siegert und zwei Kolleginnen auf Halbtagsstellen ins Haus seines Dachverbands "Der Paritätische" an der Mühlenstraße um.

"Seit 1996 bieten wir auch sozialpädagogische Familienhilfe durch so genannte Begleitete Umgangskontakte bei schwierigen Trennungsfällen von Eltern an. Das heißt, dass bei uns Kinder im Beisein einer Fachkraft ihre Väter treffen können", erklärt Siegert. Diese Umgangskontakte sind eine Krisenberatung, keine therapeutische Langzeitberatung. "Es geht darum, gerade wenn Gewalt im Spiel ist oder war, schnelle Lösungen zu finden und Kinder zu Psychotherapeuten zu vermitteln. Dabei wenden sich entweder Erzieher oder Lehrer bei Verdachtsmomenten von Gewalt gegen Kindern an uns, oder es kommen die Eltern selbst, die Probleme mit ihren Kindern haben und auch schon mal die Nerven verloren und Gewalt angewendet haben."

Dietmar Siegert und die zweite hauptamtliche Fachkraft, die Sozialpädagogin Jessica Richardt, bearbeiten 250 bis 300 Fälle pro Jahr. Dabei kooperieren sie eng mit dem Psychologischen Dienst der Stadt sowie mit der evangelischen und der katholischen Beratungsstelle. Hinzu kommt die Zusammenarbeit mit etlichen Institutionen wie mit der Trauma-Ambulanz des Alexianer-Krankenhauses, dem Gesundheitsamt, der Kinderklinik im Helios und den ansässigen Kinderheimen. Und weil es auch um Aufdeckungsarbeit geht, arbeitet der "Wendepunkt" auch mit der Polizei zusammen. Außerdem ist die Beratungsstelle in verschiedenen Gremien der Stadt und anderer Institutionen vertreten. "Intensive Vernetzung ist unerlässlich. Wir verstehen uns nämlich auch als Lotse durch das Kinder- und Jugendhilfesystem in Krefeld", sagt der Sozialpädagoge.

Heute trägt der KSB, seit 2003 an der Dreikönigenstraße ansässig, neben der Beratungsstelle "Wendepunkt" auch zwei Kindertagesstätten ("Pfiffikus" am Wilmendyk und "Dreikäsehoch" am Kanesdyk) und den Offenen Ganztag an fünf Grundschulen. Außerdem betreibt er eine Tagesgruppe für verhaltensauffällige Jungen am Viktoriaplatz. "Es erfüllt mich, nicht nur administrativ als KSB-Geschäftsführer, sondern als Sozialpädagoge auch an der Basis tätig zu sein", sagt Siegert. Auch wenn das eine 50- bis 60-Stunden-Woche bedeutet und für Freizeitaktivitäten wie Lesen, Fitness-Sport und Radtouren mit seiner Frau Antje nur wenig Zeit bleibt.

Quelle: RP
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