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Krefeld
Dinner for one Gegen den Strich gebürstet

Krefeld: Dinner for one     Gegen den Strich gebürstet
Hätten Sie die beiden erkannt? Michael Grosse in den Kleidern von Miss Sophie; Anuschka Gutowski als Butler mit clownesken Zügen und melancholischen Tönen. FOTO: THL
Krefeld. Theaterintendant Michael Grosse als Miss Sophie war der große Überraschungscoup des Theaters hintenlinks in der Silvesternacht. Jetzt ist das etwas andere "Dinner for one" eingebettet ins Thema "Clowns" - mit feinen melancholischen Tönen, Von Gert Holtmeyer

Man kann nicht sagen, dass Anuschka Gutowski in der Rolle des Clowns aus dem Rahmen gefallen wäre. Jedenfalls nicht im übertragenen Sinn. Wohl begann sie ihre "Clowns-Fantasie" so ruhig im Bilderrahmen eines viktorianischen Wohnzimmers, dass man das Gemälde für echt halten konnte. Und dann stieg sie zu Klängen von Chaplin-Melodien aus dem Rahmen auf die Bühne und sang englischsprachige Swing-Lieder, die im engeren oder weiteren Sinn dem Thema Clown gewidmet waren.

Im schnuckeligen "Theater hintenlinks" zeichnete sie mit wechselnden Kostümen sehr verschiedene Clown-Facetten. Mit stets neuen Requisiten aus ihrem Handkoffer gab sie den Vamp der 1920er Jahre ebenso wie den alternden Clown, der schon deutlich vom körperlichen Verfall gezeichnet ist. Aber auch pubertärere Züge kamen mit amerikanischem Akzent zum Tragen. Deutlich klang stets durch, dass hinter der lustigen Maske eines Clowns in der Regel eine tiefe Melancholie steckt. So war es nur konsequent, dass der Clown nach einem Selbstmord (Pistolenschuss hinter dem Vorhang) mit Engelsflügeln wiederkam. Zuverlässig von Ruslan Maximovski am Klavier begleitet (genauer: am E-Piano mit Klavier- und Cembalo-Registern), wechselten in bunter Folge vitale, heitere und melancholische Lieder wie Gershwins "I got Rhythm" oder "A Sentimental Journey" einander ab. Die Konzeption stammte von Peter Gutowski, der auch die Neufassung des beliebten Silvester-Klassikers "Dinner for one" in Szene gesetzt hatte. Dabei fand er geschickt eine gelungene Mischung zwischen Wiedererkennen und Änderung. Seine Inszenierung (auf Englisch) steigerte einerseits die komischen und die skurrilen Effekte, sie brachte aber auch die ernsten und traurigen Aspekte deutlich zum Ausdruck.

Die Komik wurde durch Travestie noch weiter gesteigert. Anuschka Gutowski spielte den Clown, Michael Grosse, Generalintendant des Theaters Krefeld/Mönchengladbach, die Miss Sophie. Die war großartig kostümiert; die massige alte Dame und der zierliche Butler gaben ein herrliches Paar ab.

Das Tigerfell diente diesmal nicht als Stolperfalle. Dafür wurde ein skurriles Element ins Spiel gebracht: Der Tiger hatte bereits bis auf die Gräten und Knochen das meiste von dem verzehrt, was schließlich noch aufgetischt werden konnte. Stärker als in Freddie Frintons bekannter Fassung wurden auch die ernsten Seiten dargestellt. Nicht nur in den Songs von Lady Sophie und Butler James wurden Traurigkeit, Einsamkeit und Verzweiflung wahrnehmbar. Unterhalb des feinen Geschirrs zeigte die Parade leerer Flaschen am Boden, dass hier nicht nur zum Jahreswechsel versucht wurde, die Probleme im Alkohol zu ertränken.

Verdienter Beifall für die Inszenierung und die Mitwirkenden.

Nächste Vorstellungen: Karnevalssonntag, 7. Februar, 16. und 17. März, 19.30 Uhr, Theater hintenlinks, Ritterstraße 187, Kartentel. 02151 602188.

Quelle: RP
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