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Krefeld
Dionysiuskirche vollendet - mit der Spitze begann der Neustart in der City

Krefeld: Dionysiuskirche vollendet - mit der Spitze begann der Neustart in der City
FOTO: Nein
Krefeld. Nach einem Jahrzehnt der Sanierung ist die City-Kirche nun vollendet - heute zeigt sich, dass mit der Sanierung der bei einem Sturm zerstörten Turmspitze auch ein Neustart in der Innenstadt verbunden war. Von Jens Voss

Es ist ein Fest für die Gemeinde wie für die ganze Stadt: Am Sonntag wird mit einer Festmesse in der Dionysiuskirche die Vollendung der Arbeit im Innenraum der Kirche begangen. Eigentlich aber ist es der feierliche Schlusspunkt für ein Jahrzehnt Sanierung eines Gebäudes, das nach dem Zweiten Weltkrieg zum Wahrzeichen der Stadt wurde, weil sich das Bild des aus einem Trümmerfeld hervorragenden Gotteshauses ins kollektive Gedächtnis gegraben hat. Zugleich entpuppt sich die Sanierung der Turmhaube, die im Oktober 2009 begann, aus heutiger Sicht als Start für eine viel umfassendere städtebauliche Offensive: Die Volksbank setzte mit ihrem Neubau Akzente; das Hortenhaus mutierte zum Ostwall-Carree; die Ostwall-Haltestelle wird saniert; der Ostwall gewinnt insgesamt mit der Umgestaltung der Steinert-Häuser und der Passage der Wohnstätte ein neues Gesicht.

Zur Erinnerung: In der Nacht zu Sonntag, dem 1. Februar 2004, und im März desselben Jahres beschädigten Stürme die Turmhaube der Dionysiuskirche - sie musste für rund 100.000 D-Mark gesichert werden. Ob sie je wiederaufgebaut werden würde, war damals durchaus unsicher, auch wenn sich zügig der Verein "Krefelder Wahrzeichen Turm der Dionysiuskirche" gründete - übrigens nach einem Aufruf des scheidenden Oberbürgermeisters Gregor Kathstede, der damals im Juli 2004 noch ehrenamtlicher Bürgermeister war.

Der Schreiner Thomas Faber (l.) und der Schmied Hans Simons bringen eine Christus-Figur auf einem Kreuz an. Das Kruzifix hing bisher in einer Seitenkapelle. Die Figur wurde aufgearbeitet und wird - an einer für die spirituelle Programmatik der Kirche zentralen Stelle zwischen Altarinsel und Tabernakel hängend - seinen Platz einnehmen. Das Kreuz zeigt Schmerz und Trost Christi: Die ans Kreuz geschlagenen Hände formen den Segensgruß. FOTO: L. Strücken

Der Verein sammelte fortan Geld, doch erst mit einer Spende über 500 000 Euro der Sparkassenstiftung konnte die Sanierung und Restaurierung der Turmspitze angegangen werden - Start war im November 2009. Im August 2011 wurden die Arbeiten vollendet, als die letzten Reste des Gerüstes vom Turm verschwanden. Die Sanierung der Kirche ist eine Leistung fürs Geschichtsbuch, die mit den Namen Gregor Kathstede und Franz-Joseph Greve verbunden bleiben wird - er gehörte im "Wahrzeichen"-Verein zu den unermüdlichen Trommlern für das Projekt. Kathstede war es, der die Groß-Spende der Sparkassenstiftung eingefädelt hat und dafür politisch von der SPD als Trickser und Täuscher kritisiert wurde, weil er zunächst nur von einem "Spender" gesprochen hatte.

Die Sanierung des Turms wiederum erwies sich als Beginn für weitere Arbeiten an der Kirche - äußerlich wie innerlich: Für 450 000 Euro wurden die Fassaden saniert. Im Krieg war die Kirche stark in Mitleidenschaft gezogen und 1954 wiederhergestellt worden. Seitdem war dort nichts mehr an den Fassaden gemacht worden.

Der zentrale Eingriff in den Kirchenraum war der am meisten debattierte: Hinter dem Tabernakel öffnen sich Fenster; sie waren von außen sichtbar und wurden nun nach innen durchgebrochen. Der ganze Raum um das Allerheiligste ist jetzt hell und transparent; zugleich ist das Ensemble geschmackvoll und stilsicher in das Ganze des Raumes eingefügt. FOTO: Nein

Der letzte Schritt war die Umgestaltung des Innenraums: Stärkste Eingriffe in die Struktur des Gebäudes waren die Verkleinerung der Altarinsel und die Schaffung von fünf Fenstern an der Rückwand hinter dem Baldachin - damit ist das spirituelle Herzstück des Kirchenraums künftig licht und transparent.

Die Fensteröffnungen waren im Prinzip im Gebäude angelegt und von außen sichtbar. "Sie hatten wohl mit dem Eingang zum Totenkeller zu tun und dienten vermutlich der Belüftung", erläutert City-Seelsorger Ulrich Hagens auf Anfrage.

Auch dies ist neu: die "Apostelbank" vor dem Baldachin. Die Zwölfzahl der Lehnen erinnert an die Apostel. Entworfen wurde die Bank von Architekt Elmar Sommer und dem Schreiner Thomas Faber; beide haben mit dem Mobiliar auch einen Raum für kleinere Andachten geschaffen. Auf dem FOTO: die Kirchenrestauratorin Fabienne von der Hocht.
Quelle: RP
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