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Krefeld
Doc Otto: 30 Jahre Philippinen-Hilfe

Krefeld: Doc Otto: 30 Jahre Philippinen-Hilfe
"Doc Ottos" 96. Geburtstag am 10. August fällt mit dem 30-Jahre-Jubiläum seines Engagements für die Ärmsten der Armen auf den Philippinen zusammen. In den Jahren seiner Tätigkeit haben Slum-Bewohner ihre Dankbarkeit in vielfacher Weise ausgedrückt. Zum Beispiel mit diesem kleinen Geschenk, einem gebastelten Haus. FOTO: Christina Paulitschek
Krefeld. Dr. Otto Paulitschek (95), ehemaliger Leiter der chirurgischen Abteilung im Krankenhaus "Maria-Hilf", blickt auf 26 medizinische Einsätze in philippinischen Slums zurück - zusammengerechnet dreieinhalb Jahre Hilfe vor Ort.

Bockum (RP) Rastlosigkeit statt Ruhestand: Kaum ein Tag vergeht, an dem Dr. Otto Paulitscheks Gedanken nicht um Belange seiner "Krefelder Hilfe für Tondo" kreisen. Noch im 30. Jahr seit Gründung formuliert der 95-Jährige Spendenbriefe, schreibt Mails, telefoniert mit Spendern, hält Vorträge - und steht im engen Austausch mit der administrativen Dachorganisation seines Vereins, der Bonner Hilfsorganisation "German Doctors", die bis 2013 "Ärzte für die Dritte Welt" hieß.

30 Jahre Entwicklungshilfe - das sind auch 30 Jahre Entwicklung der Bedingungen, unter denen Paulitschek auf den Philippinen Hilfe leistete - an der Seite seiner Kollegen vom Ärztekomitee. "In den Pionierjahren befand sich unsere Unterkunft nur 250 Meter vom rauchenden Müllberg 'Smokey Mountain' entfernt", erzählt Paulitschek über die Anfangszeit in den berüchtigten Elendsquartieren von Tondo, einem Distrikt der philippinischen Hauptstadt Manila. "Leitungswasser musste zunächst 20 Minuten abgekocht werden, ehe wir es verwenden konnten. Coca-Cola gab es überall, aber kein Wasser aus der Flasche." Der tägliche Einsatz in den Slums beruhte auf abenteuerlicher Selbstorganisation, erinnert er sich. "Wir arbeiteten anfangs noch ohne Erlaubnis der philippinischen Behörden. Da sich die einheimischen Taxifahrer nicht in unsere Gegend trauten, mussten wir neu angereiste Kollegen selbst vom Flughafen abholen." Die Philippinen galten Mitte der 1980er Jahre als korruptestes Land im asiatischen Raum.

In den vergangenen 30 Jahren gelang es Paulitschek, 21 Container mit Hilfsgütern ohne Schmiergeld und ohne Zoll in die Philippinen einzuführen: Klinikmobiliar (60 Betten und Nachtschränke), vier vollständige Röntgen-Einrichtungen, fünf Dentisten-Einrichtungen, fünf große Schreinereimaschinen, zwei Tonnen Milchpulver, 64 Zentner Fresubin-Pulver (konzentrierte Nahrung), über 50 Hörgeräte (meist in Krefeld nach Audiogrammen eingestellt, vorwiegend für die Aussätzigen) 144 Nähmaschinen, 400 Säcke mit gebrauchter Kleidung (wegen des Importverbots von Textilien wurde Kleidung unter anderem als Polster-Material deklariert), elf kleine Küchenspülen und mehrere tausend handgestrickte Decken der "Leprahilfe Schiefbahn".

Mit Geldern der "Krefelder Hilfe" wurden in den vergangenen 30 Jahren neun Neubauten von Sozialzentren errichtet, zwei alte kernsaniert. Davon im Lepra-Dorf Tala ein zweistöckiges Gemeindehaus und ein Nähzentrum mit 20 Arbeitsplätzen (an beiden Gebäuden war auch das deutsche Entwicklungsministerium beteiligt). Des Weiteren unter anderem eine Isolierstation für 16 tuberkulös infizierte Lepra-Kranke, die nach drei Jahren auf 30 Betten zur Intensivstation erweitert wurde, sowie eine Station, "Krefelder Ward" genannt, für 26 Langzeit-Leprakranke. Um die Jahrtausendwende herum konnte die "Krefelder Hilfe" knapp über 2000 Behandlungsplätze für mittellose Tuberkulose-Patienten anbieten: Eingeteilt in zwölf Gruppen, ärztlich versorgt von 16 bis 18 ehrenamtlichen philippinischen Kollegen.

Im Laufe der vergangenen drei Jahrzehnte verbrachte Paulitschek zusammengerechnet dreieinhalb Jahre in den Elendsgebieten der Philippinen - in der Hauptstadt Manila, aber auch auf abgelegenen Inseln. Beim Blick zurück erfüllt ihn mit Stolz, ein sich selbst abgerungenes Versprechen stets gehalten zu haben: "Keines der 52 Flugtickets für meine Einsätze in Südostasien habe ich mit Spendengeldern finanziert." Die Spenderliste trägt heute bei einem Stamm von 150 insgesamt 300 Adressen. Ein aktuelles Projekt ist die "1-Becher-Milch-Aktion" für rund 1300 Kinder im Notstandsgebiet Bagong Silang. Fünfmal wöchentlich wird vor dem Unterricht Milch ausgegeben - ein Anreiz für Familien, die Kinder zur Schule gehen zu lassen.

Paulitschek nimmt das Jubiläum zum Anlass, Dank auszudrücken: "Ein 'Vergelt's Gott' allen Unterstützern, darunter den vielen Ehrenamtlichen, allen Spendern und nicht zuletzt meiner Frau Elisabeth, die das teilweise abenteuerliche Unternehmen mit Bangen begleitet hat." Und keine Bilanz für den 95-Jährigen, ohne in die Zukunft zu schauen: "Ich bitte Sie um weitere Unterstützung bei unserer 'Hilfe, die bleibt'."

Quelle: RP
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