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Krefeld
Documenta-Star zeigt seine Objekte

Krefeld: Documenta-Star zeigt seine Objekte
Ganz unabhängig von seinem ursprünglichen Inhalt kann ein Buch bei Gojowczyk auch einfach zu einem ästhetischen Objekt werden, so wie dieses Nest. FOTO: Thomas lammertz
Krefeld. Der Künstler Hubertus Gojowczyk, der in den Jahren 1972 und 1977 mit Arbeiten in der weltweit bedeutendsten Ausstellung für zeitgenössische Kunst in Kassel vertreten war, zeigt eine Auswahl seiner Objekte im Stadtarchiv. Von Mojo Mendiola

Hubertus Gojowczyk kennt viele Arten, Büchern seine Hochachtung oder auch seine ironische Distanz zu erweisen. Einige davon kann man im Foyer des Stadtarchivs kennenlernen. Der Krefelder Künstler, ein Schüler von Joseph Beuys, noch mehr aber von Diter Rot, zeigte 2001 schon einmal Arbeiten in dieser Einrichtung und überließ ihr damals drei Objekte als Dauerleihgaben für den Benutzersaal. Diese übereignet Gojowczyk nun dem Stadtarchiv als Geschenk und stellt aus diesem Anlass erneut im Anbau des Stadthauses aus.

Ein Band mit dem Titel "Schillers Werke" wartet dort als geborstene Versteinerung auf den Betrachter, ein anderes lässt seinen Titel und Autor nicht mehr erkennen, zieht aber durch die kräftige Rotfärbung dem Blick auf sich und heißt nun "Scharlachbuch". Ein drittes steht aufrecht und "trägt" ein paar Kinderschuhe. Dass der Künstler es "Julius-Buch" genannt hat, lässt viele, auch ursprünglich gar nicht geplante Assoziationen zu. Und Knigges Originaltext "Über den Umgang mit Menschen" wurde von Gojowczyk in ein Glas eingeweckt, damit die eigentlich aufklärerisch gemeinte Schrift nicht verloren geht zwischen den vielen vordergründigen Benimmratgeberbüchern, die sich eher aufgrund eines Missverständnisses auf Knigge beziehen und das öffentliche Bild von ihm verzerrt haben. Ein Exemplar des "Bundesversorgungsgesetzes" dagegen hat er auf einem Teller mit Messer und Gabel angeschnitten und vielsagenderweise mit einem Kanten trocken Brot dazu serviert. Wie viel Ehrfurcht er einem Buch entgegenbringt, hängt von dem Buch selbst ab. "Meine Arbeit muss immer eine höhere Qualität erreichen als das Buch, das ich verarbeitet habe", lautet ein Credo des Künstlers. Eine ganze Reihe Bände aus dem 91 vollendete Romane (plus 46 unvollendete) umfassenden Lebenswerk "Die Menschliche Komödie" von Honoré de Balzac, die bei Gojowczyk scheinbar von einer Vogelfeder als Buchstütze gehalten wird, ist deshalb so konstruiert, damit man jedes der Bücher unbeschädigt dem Objekt entnehmen und es ganz normal lesen kann.

Die Reihe der Balzac-Romane wird durch innere Stützen gehalten, die die Bücher aber nicht beschädigen oder im Objekt fixieren. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)

Auf zwei Werkgruppen weisen die Gastgeber Olaf Richter und Christoph Moß besonders gern hin. Es handelt sich um Serien von Tontäfelchen, jeweils als Negativ-Kopien vom selben Muttertäfelchen gefertigt und deshalb von abnehmender Originaltreue. Mit solchen Phänomenen, die letztlich Verluste von Informationen sind, sehen auch sie sich in ihrer Arbeit als Archivare und Historiker konfrontiert, und die Probleme verschwinden mit der Digitalisierung der Archive keineswegs.

Quelle: RP
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