| 00.00 Uhr

Krefeld
Donksiedlung: Streit um mehr Bebauung

Krefeld: Donksiedlung: Streit um mehr Bebauung
Kleine Häuser auf großen Grundstücken: Die Oppumer Donksiedlung, hier der Buschdonk, wurde in den dreißiger Jahren für Selbstversorger konzipiert; auf den bis zu 1600 Quadratmeter großen Grundstücken wurde Gemüse angebaut und Kleinvieh gehalten. Heute erscheint manchen Siedlern die Fläche zu groß, sie würden gern teilen und verkaufen. FOTO: Lammertz
Krefeld. Während der Siedlerverein gegen Grundstücksteilungen und Hinterbebauung votiert, glaubt der ehemalige Ratsherr Hans Becker, dass viele Siedler sich gern kleiner setzen und Teile ihrer Grundstücke verkaufen würden. Von Carola Puvogel

In der Oppumer Donksiedlung regt sich Widerstand gegen die Darstellung des Siedlervereins, dass eine Verdichtung des Wohngebiets durch Teilung und Hinterbebauung der Grundstücke von einer Mehrheit der Siedler nicht gewünscht sei. "Momentan gibt es eine Zwei-Klassen-Gesellschaft", sagt Hans Becker, ehemaliger SPD-Bezirksvertreter und Ratsherr. "Die Siedler, die Eckgrundstücke besitzen, können teilen und versuchen, Gewinne zu erzielen, wer kein Eckgrundstück hat, dem bleibt das wegen eines fehlenden Bebauungsplans verwehrt." Becker fordert die Aufstellung eines solchen B-Plans für das Gebiet, um eine Nachverdichtung für alle Grundstücksbesitzer möglich zu machen. Die Ängste vor einer Hinterbebauung hält Becker für übertrieben. "Mit dem B-Plan wird ja auch festgelegt, wie groß und wie hoch gebaut werden kann, dafür ist der B-Plan nämlich da." Und: "Es wird ja keiner gezwungen, zu bauen." Außerdem werde die Öffentlichkeit beteiligt, Bedenken könnten im Rahmen der Offenlage vorgetragen werden.

Tatsächlich hatte der Siedlerverein in einem Schreiben an die Fraktionen einen solchen Bebauungsplan gefordert. Becker unterstützte den Vorstand beim Formulieren. In der Sitzung der Bezirksvertretung hatte Susanne Heinrich, Vorsitzende des Vereins, jedoch zurückgerudert. Ihr sei kein Siedler bekannt, der eine mittige Bebauung wolle, sagte Heinrich dem Gremium. Die Verwendung des Begriffs Bebauungsplan sei ein aus Unkenntnis entstandenes Missverständnis gewesen. Tatsächlich sei es, wie berichtet, allein um die Gestaltung von Neubauten gegangen, die nicht zum Charakter der Donksiedlung passten.

Auch Hans Becker, der selber übrigens nicht in dem betroffenen Gebiet wohnt, sind einige kürzlich entstandene Neubauten ein Dorn im Auge. "Wo früher ein kleines Siedlungshäuschen von 60, 70 Quadratmetern auf 1300 Quadratmetern war, stehen heute fünf Häuser. Das entspricht nicht der Idee einer Kleinsiedlung und passt auch nicht." Eine gemäßigte Nachverdichtung hält er jedoch für sinnvoll. "Viele Siedler sind in die Jahre gekommen, ihnen ist die Arbeit mit den großen Grundstücken zu viel", sagt er. Zumal die Grundstücke schon lange nicht mehr so genutzt würden wie ursprünglich gedacht. Die Donksiedlung war in den 30er Jahren für einkommensschwache Familien errichtet worden, die sich mit dem Anbau von Gemüse und Kleintierhaltung auf den 1100 bis 1800 Quadratmeter großen Grundstücken selbst versorgen sollten. Becker sagt, ihm seien viele Siedler bekannt, die gern einen Teil ihres Grundstücks verkaufen würden, um sich mit dem Gewinn "noch ein paar schöne Jahre zu machen". Ohne Bebauungsplan sei das jedoch nicht möglich.

"Ich wünsche mir eine vernünftige Aufklärung und Information der Siedler, und zwar aller", sagt Becker. Nur ein Teil der Bewohner seien Mitglied im Siedlerverein, Becker schätzt die Zahl auf ein Drittel, bei der Hauptversammlung seien nicht mehr als 30 Personen gewesen. "Die Siedler sind nie befragt worden, was sie wollen. Ich könnte mir vorstellen, dass zwei Drittel für Hinterbebauung wären. Viele trauen sich aber einfach nicht, was zu sagen."

Auch die Stadt könne, so Becker, einen "guten Batzen" Geld einnehmen. Denn bei Teilung eines Grundstückes, erklärt der ehemalige Ratsherr, würde sie aufgrund einer spezifischen Vertragsgestaltung, die bei der Verwandlung von Erbpacht-Grundstücken in Eigentum angewendet worden sei, einen Teil des Verkaufserlöses erhalten. "Es partizipieren also beide, Eigentümer und Stadt. Ich frage mich, warum nur ein Teil der Siedler Veräußerungsgewinne erzielen können sollen, nicht aber die anderen, die auch verkaufen wollen."

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Krefeld: Donksiedlung: Streit um mehr Bebauung


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.