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Krefeld
Donksiedlung: "Tante Emma" ist ein Onkel

Krefeld: Donksiedlung: "Tante Emma" ist ein Onkel
Johannes Schroers mit frisch belegten Brötchen neben dem alten Kassentisch, der sozusagen schon Jahresringe angesetzt hat. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Seit fast 70 Jahren ist der Tante-Emma-Laden an der Fungendonk Einkaufszentrum und Nachrichtenbörse der Oppumer Donksiedlung. Von Jochen Lenzen

"Und dann gib mir bitte noch zwei Scheiben Käse und drei Scheiben Salami", bittet die Kundin Johannes Schroers. Sie duzt den 65-jährigen Inhaber des Tante-Emma-Ladens an der Ecke Fungen- und Langen Donk. Und er duzt seine Kundin, so wie sich hier alle aus der Donksiedlung duzen. "Anonymität gibt es hier nicht", sagt Schroers, und die Kundin nickt: "Den kennen die meisten Siedler ja schon seit Kindesbeinen." Auch Pfarrer Hans Russmann erledigt hier seine kleinen Einkäufe: "Wenn ich etwas wissen will, komme ich hier in die Kommunikationszentrale der Siedlung."

Seit 41 Jahren verkauft Johannes Schroers in seinem Laden alles, was für den Haushalt gebraucht wird. "Das Geschäft lebt vor allem von der Aufschnitttheke, vom frischen Brot und Kuchen von der Bäckerei Wellmann an der Schwertstraße und von unserem saisonalen Angebot an Obst und Gemüse aus der Region", sagt der Inhaber.

Auf dem Grundstück hatte schon vor dem Krieg ein Büdchen gestanden, das Johannes Schroers' Eltern Karl und Anne Ende der 40er Jahre abreißen ließen, um ein Haus mit etwa 45 Quadratmeter Ladenfläche zu bauen. Anfang der 60er Jahre ließen sie das Gebäude erweitern. Seitdem steht für das breite Angebot eine Ladenfläche von rund 100 Quadratmeter zur Verfügung.

Die Kunden kommen nicht nur aus der von etwa 1500 Bürgern bewohnten Donk-, sondern auch aus der Heinrich-Klausmann-Siedlung und sogar aus Fischeln. "Im Sommer sind auch die Kleingärtner aus den beiden angrenzenden Anlagen sehr gute Kunden", berichtet der Kaufmann, als er von einem jungen Mann angesprochen wird. "Sag bloß! Ja, natürlich: Jona!" ruft Schroers aus. "Wir sehen uns heute nach vielen Jahren zum ersten Mal wieder" , erklärt der 27-Jährige. Und Schroers erinnert sich, dass Jona schon als kleiner Junge ein wenig im Laden geholfen hat und mit ein paar Groschen entlohnt wurde, die er sofort in Süßigkeiten umsetzte.

Ja, es geht außerordentlich familiär und freundschaftlich im Tante-Emma-Laden zu. Das gilt besonders für den Samstagmorgen, wenn die Männer in die Nachrichtenbörse kommen, um fürs Frühstück einzukaufen. "Bis 11 Uhr sind die Kunden zu 70 Prozent Männer. Während sie an der Aufschnitttheke oder auf die zweite Lieferung frischer Brötchen warten, unterhalten sie sich über alles und jeden", erzählt Schroers. Da kann es auch um Zapf- und Kühlanlagen, um Theken und Biergarnituren gehen, denn Schroers verleiht derartige Utensilien als zweites Standbein des Geschäfts. Und dazu kann man bei seiner Frau Gundi Büfetts und Fingerfood aus ihrem professionellen Party-Service bestellen.

Die nächste Party steigt übrigens am 12. und 13. August beim Siedlerfest rund um den Donktreff, Fungendonk 12. Am Samstag werden vor dem abendlichen offenen Donktreff ab 16 Uhr die schönsten Straßen bewertet. Am Sonntag gibt es nach dem 12-Uhr-Frühschoppen eine Fahrradrallye durch die Donks, Ponyreiten, Kaffeetafel und Bingospiel um schöne Preise. Und um 18 Uhr werden die bestgeschmückten Straßen prämiert.

Quelle: RP
 
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