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Krefeld
Drei Anklagen wegen Brand in Haus Verberg

Krefeld 2014: Feuer im "Haus Verberg"
Krefeld 2014: Feuer im "Haus Verberg" FOTO: Lothar Strücken
Krefeld. Vor dem Landgericht wird unter anderem ein ehemaliger Mitarbeiter im Bauamt der Stadt wegen Bestechlichkeit angeklagt. Bei der Brandstiftung ging es wohl darum, einen Mobilfunkmast zu vernichten. Von Jens Voss

Die Staatsanwaltschaft hat im Zusammenhang mit dem Brand in der ehemaligen Gaststätte Haus Verberg Anklage gegen drei Männer erhoben: Ihnen wird Brandstiftung, Anstiftung zur Brandstiftung sowie Bestechung und Bestechlichkeit vorgeworfen. Die Ermittler gehen davon aus, dass das Gebäude angezündet wurde, um einen lästigen Pachtvertrag mit einem Mobilfunk-Anbieter auszuhebeln. Der Pachtvertrag war das zentrale Hindernis für eine lukrative Neubebauung des Grundstücks an der Moerser Landstraße. Zu den Angeklagten gehört auch ein ehemaliger Mitarbeiter im Bauamt der Stadt. Er soll einen nicht unbeträchtlichen Geldbetrag in fünfstelliger Höhe angenommen haben, erklärte gestern ein Sprecher des Landgerichts auf Anfrage unserer Redaktion.

Zum Fall: Die Gaststätte Haus Verberg ist im November 2014 bei einem Dachstuhlbrand praktisch zerstört worden. Schon bald munkelte man von Brandstiftung. Die Chronologie der Ereignisse legte den Verdacht nahe.

Nach dem Feuer begannen zügig Bauarbeiten; das Foto entstand im April 2015, als die Ruine von Haus Verberg vollständig abgerissen war. FOTO: Lammertz

Auf dem Grundstück sollte ein Mehrfamilienhaus mit fünf Mietwohnungen sowie im hinteren Bereich an der Leydelstraße zwei Doppelhaushälften entstehen. Die Baugenehmigungen für die geplante Wohnbebauung waren im Juli und im August 2014 erteilt worden; die Abrissgenehmigung für das Gebäude folgte im September 2014. Das einzige, was der Investition im Wege stand, war ein langfristiger Pachtvertrag mit einem Mobilfunkanbieter auf dem Dach der leerstehenden Gaststätte. Wundersamerweise löste dann der Dachstuhlbrand vom November 2014 das Problem. Mit der Zerstörung des Hauses hatte sich der Vertrag erledigt; der Weg für die Neubauten war frei.

In Verdacht geriet unter anderem ein städtischer Mitarbeiter im Bauamt. Im April 2015 kam es dann zu Razzien: Staatsanwaltschaft und Polizei durchsuchten Büroräume des Fachbereichs Bauordnung an der Parkstraße in Uerdingen, zwei Privatwohnungen und einen Geschäftssitz. Damals verlautete aus Ermittlerkreisen, dass der Verwaltungsmann für kurze Zeit Eigentümer des Grundstücks gewesen sei. Der unter Verdacht stehende Mann wurde seinerzeit vom Dienst freigestellt. Die Ermittlungen waren offenbar ergiebig: Im Mai 2015 ist der mutmaßliche Brandstifter in U-Haft gekommen; er soll aus einer Nachbarstadt stammen. Er wurde 14 Tage später wieder entlassen, weil keine Verdunkelungsgefahr mehr bestand - für die Ermittler hatte sich das Bild also abgerundet.

Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft gestern auf Anfrage erläuterte, wird dem ehemaligen Bauamtsmitarbeiter vorgeworfen, dass er gegen Geld Diensthandlungen vorgenommen habe, die im weitesten Sinne mit dem Neubauprojekt zu tun hatten und die er so nicht hätte vornehmen dürfen. Die Baugenehmigung sei von ihm aber nicht erteilt worden. Den beiden anderen Angeschuldigten wird Brandstiftung und Anstiftung zu Brandstiftung vorgeworfen. Ein Termin für den Prozess steht noch nicht fest, erläuterte der Sprecher des Landgerichts. Verhandelt wird auf jeden Fall am Landgericht. "Brandstiftung gilt als Verbrechen und schwerwiegende Straftat. Zudem sind 31 Zeugen benannt", hieß es; der Prozess wird also umfänglich - lauter Gründe, warum der Fall quasi zu groß ist für einen Prozess vor dem Amtsgericht.

Einfache Brandstiftung liegt dann vor, wenn nur Sachschaden entsteht. Hätten auch Menschen zu Schaden kommen können, handelt es sich um schwere und besonders schwere Brandstiftung. Die Strafen liegen zwischen einem und zehn Jahren. Bestechlichkeit wird mit sechs Monaten bis fünf Jahren be-straft oder in minder schweren Fällen mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren belegt.

Quelle: RP
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