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Krefeld
Drei Meisterjazzer im Glasfoyer

Krefeld: Drei Meisterjazzer im Glasfoyer
David Helbock (Piano), Raphael Preuschl (Bass und Bass-Ukulele) und Reinhold Schmölzer (Schlagzeug) spielten zum Jazzherbst im Glasfoyer des Stadttheaters. FOTO: ST
Krefeld. Die Themen, die den Improvisationen zugrunde lagen, stammen zum größten Teil aus der Feder David Helbocks, des Chefs. Seine alten Titel wie "Yellow meets Red" erschienen ebenso im Programm wie neue ("Emily's Truth"). Von Gert Holtmeyer

Eigenartig klang das Klavier im Stadttheater zu Beginn des Jazzkonzerts. Zum dritten Krefelder Jazzherbst war David Helbock mit seinem Trio ins Glasfoyer gekommen. Ganz offensichtlich genügen den drei Meisterjazzern die Klänge nicht, die auf ihren Instrumenten üblicherweise erzeugt werden.

Bei seinem leisen Vorspiel hatte Helbock ein Tuch auf die Saiten des Pianos gelegt. Das entfernte er zwar bald. Aber immer wieder veränderte er den Klang. Mal griff er mit der Hand in die Saiten, mal erzeugte er mit einem Hämmerchen Klänge, die sich nach Wind oder auch nach Seufzern anhörten.

Piano-Maniac oder Workaholic - egal, wie man David Helbock nennen mag: Der Mann ist produktiv. Mit sechs Jahren begann er Klavier zu spielen, besuchte mit zwölf das Jazz-Seminar in Dornbirn, machte sein Diplom im klassischen Konzertpianistenfach und wurde dann von dem New Yorker Pianisten Peter Madsen mit allem geimpft, was es an Musikstilen, Kunst und Philosophie gab. Daraus schuf David Helbock sein eigenes Universum, und 2013 hatte er bereits mehr als zehn Alben mit verschiedenen Besetzungen eingespielt. Längst ist Helbock auf internationalem Parkett angekommen, und sein aktuelles Trio erhielt vom Bund Österreich die Auszeichnung des "Outstanding Artist Awards".

Zusammen mit Raphael Preuschel, der unkonventionell-humorvoll die Bassukulele zupft, und dem dynamischen, beinahe eruptiven Spiel des Schlagzeugers Reinhold Schmölzer begibt sich Helbock nun auf Spurensuche in der Mystik, lotet verschiedene Kulturen und deren Geschichten aus, mal lyrisch-sensibel, mal mit energisch-kräftigen Beats. "Einfach unbeschreiblich" findet Jazzthing. Auch Reinhold Schmölzer ist stets auf der Suche nach dem unkonventionellen Klang. Die Trommeln werden nicht nur auf den Fellen zum Klingen gebracht, auch die Ränder werden ins Spiel einbezogen. Dazu setzt der Schlagzeuger lauter kleine Gegenstände ein, mit denen er ungewohnte Geräusche erzeugt.

Der dritte Mann steht üblicherweise am Kontrabass. Im Prinzip gilt das auch hier. Aber Raphael Preuschl, der Verantwortliche für die Tiefe, hat nicht ganz so viel zu schleppen. Er begnügt sich mit einer Bass-Ukulele, die mit erheblich weniger Gewicht und Raumvolumen auskommt als ein dicker Bass. Und da ohnehin Verstärker eingesetzt werden, ist auch die Lautstärke kein Problem.

Alle drei Mitglieder des Trios sind Meister ihres Instruments. Der Pianist und der Schlagzeuger verstehen sich nicht nur auf die Suche nach den verborgenen Klängen. Souverän greift Helbock in die Tasten, ob es nun um schnelle Läufe oder Akkorde geht. Schlagzeuger Schmölzer kann gleichzeitig mit jeder Hand einen anderen Rhythmus schlagen - natürlich so, dass beide genau zusammen passen. Die Themen, die den Improvisationen zugrunde liegen, stammen zum größten Teil aus der Feder Helbocks, des Chefs. Seine alten Titel wie "Yellow meets Red" erscheinen ebenso im Programm wie neue ("Emily's Truth"). Auch kreative Geister haben Vorbilder und kulturelle Wurzeln. Ein Stück (A M) ist ausdrücklich dem Altmeister Thelonious Monk gewidmet.

Die Freunde der Besetzung Jazz-Trio kamen auf ihre Kosten und dürfen sich bereits auf das Abschlusskonzert des Jazzherbstes freuen.

Am Sonntag, 3. Dezember, kommt das Dieter Ilg Trio in den Rittersaal Burg Linn.

Quelle: RP
 
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