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Krefeld
Ehemaliger Lehrer spielt zum 30. Mal den Heiligen Martin

Krefeld: Ehemaliger Lehrer spielt zum 30. Mal den Heiligen Martin
FOTO: Severens
Krefeld. Karl-Willi Severens wird morgen als St. Martin durch Forstwald reiten. Der Zug beginnt um 17 Uhr. Von Julia Schleier

Er hat sich zur Aufgabe gemacht, den Martinsbrauch am Niederrhein zu erhalten: Karl-Willi Severens ist in diesem Jahr zum 30. Mal St. Martin in Forstwald. Der Zug zieht morgen ab 17 Uhr von der Forstwaldschule aus.

Die Idee, dass Severens selber einmal den Helden auf dem Pferd verkörpern könnte, kam von seiner Frau. Sie führte früher bei den Martinszügen das Pferd des ehemaligen Forstwalder St. Martins, der in den Achtzigern aufgehört hat. "Wirklich reiten konnte ich nicht, ich habe aber mal ein paar Reitstunden genommen und wusste, wie man ein Pferd bewegt", sagt Severens.

Der pensionierte Lehrer Karl-Willi Severens verwandelt sich seit 30 Jahren in den heiligen Mann, der seinen Mantel mit dem Bettler teilt. FOTO: T. Lammertz

In Forstwald wohnt der pensionierte Sport- und Englischlehrer mittlerweile seit 35 Jahren. "Mir gefällt die Atmosphäre hier sehr gut und sie passt wunderbar zu der Stimmung von St. Martin", findet er. In seiner Freizeit betreibt der ehemalige St.Töniser noch immer viel Sport, war sogar drei Jahre lang Vorsitzender des Turnvereins. Außerdem ist Severens Mitglied der "Krähen", einer Kabarettgruppe, die ihre Einnahmen wohltätigen Zwecken zukommen lässt. Für seine fröhliche Art wurde er 2010 vom Verkehrsverein als "Humorvollster Bürokrat" ausgezeichnet.

Am Forstwalder St. Martinszug, der laut Severens einer der Schönsten in der Umgebung ist, nehmen jährlich knapp dreitausend Leute teil, darunter vier Schulklassen und zwei Musikkapellen. Bevor es zur Mantelteilung auf den Schulhof geht, ziehen alle Mitlaufenden direkt am St. Martin vorbei, um ihm zu winken oder die Hand zu geben.

FOTO: Lammertz Thomas

Dass viele Kinder dann auch mal das Pferd streicheln möchten, sei wohl kein Problem. "Die Begleiter vom Reitstall Schmitz, der seit 30 Jahren die Forstwalder St. Martins-Pferde stellt, achten darauf, dass das Pferd ruhig bleibt", erklärt Severens. An die bekannte Darbietung auf dem Schulhof, schließe dann ein weiterer, besonders schöner Teil des St. Martins-Abends an. Dann verteilt Severens nämlich die Tüten an alle Erstklässler, die ihn jedes Jahr mit Martinsliedern begrüßen. Um an den eigentlichen Sinn des Brauches zu erinnern, gibt jedes Kind ein Teil aus seiner Tüte ab. Was so zusammen kommt, wird an Kinder weitergegeben, denen es nicht so gut geht.

Bei den 29 Zügen, in denen Severens nun schon den St. Martin verkörpert hat, ist wenig schiefgegangen. "Einmal hat es leider so stark geregnet, dass der Zugweg verkürzt werden musste", erzählt Severens, "und vor zwei Jahren hatte der kurzfristig abgeänderte Zugweg dafür gesorgt, dass viele entgegenkommende Autos das Pferd nervös gemacht haben. Da musste ich den Mantel letztendlich im Stehen teilen." Mittlerweile darf aber der übliche Zugweg genutzt werden.

Die Rolle des St. Martins zu spielen bereitet Severens bis heute große Freude, weshalb er auch gerne weiterhin daran festhält. "30 wäre bestimmt eine schöne Zahl um aufzuhören. Solange ich aber noch keinen Nachfolger habe, der wirklich darauf brennt, meinen Posten zu übernehmen, bleibe ich gerne dabei", sagt Severens, und fügt hinzu, dass er sich seinen Sohn gut als zukünftigen St. Martin vorstellen könnte. Im Moment studiert dieser noch, würde vom Alter her allerdings besser in die Rolle passen als sein Vater: St. Martin war laut Severens erst 18 Jahre alt, als sich die berühmte Szene in Ungarn abspielte.

Auch abgesehen von der Besetzung des St. Martins, ist die Zukunft des Martinsbrauches für Severens eine wichtige Sache. Er will nicht nur die Tradition erhalten, sondern auch an ihre Ursprünge erinnern und den Kindern wieder mehr plattdeutsche Martinslieder beibringen.

Quelle: RP
 
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