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Krefeld
Ein Besuch bei den Tieren im Wintercircus

Krefeld: Ein Besuch bei den Tieren im Wintercircus
Neugierig blicken die Zebras auf, wenn Besucher an ihr Gehege kommen.. Sie können auch frei in ein Außengehege laufen. FOTO: Lothar Strücken
Krefeld. Nach den zahlreichen Protesten gegen die Wildtierhaltung in Zirkussen erzählen die Künstler, wie ihr Zirkusalltag mit den Tieren aussieht. Ein Besuch beim Wintercircus Probst - außerhalb der Vorstellungszeiten. Von Marie Huppert

Der erste Eindruck auf dem Sprödentalplatz: Alles wirkt gepflegt. In einem großzügigen Außengehege laufen die Kamele frei herum. Im abgetrennten Bereich der Zebras, der mit frischem Stroh ausgelegt ist, wecken die Besucher Interesse: Neugierig kommen die Tiere heran. Verängstigt oder verhaltensauffällig wirken sie nicht. "Uns ist die artgerechte Unterbringung unserer Tiere sehr wichtig", sagt Brigitte Probst.

Ihr Mann, Zirkusdirektor Reinhard Probst, ergänzt: "Deswegen haben wir keine Elefanten oder Giraffen - die würden wir uns nie anschaffen." Heute sei es sehr schwierig, als Zirkus mit Tieren aufzutreten. "Viele Menschen haben Vorurteile", sagt Brigitte Probst, "aber bei uns gibt es weder kleine Käfige noch Peitschenschläge". Um diese abzubauen öffnet Familie Probst jeden Morgen die Tore für Besucher, die sich kostenfrei hinter den Kulissen die Stallungen und Tiere anschauen können. Die Haltung der Tiere unterliege außerdem einer sehr strengen Kontrolle. An jedem Standort werde der Circus von Amtsveterinären inspiziert: "Wir sind die am häufigsten kontrollierte Tierhaltung überhaupt", sagt Probst, "und bei uns gab es nie Beanstandungen." Auf der Homepage könnten Interessierte die Beurteilungen solcher Prüfungen einsehen: "Wir möchten den Leuten zeigen, wie es unseren Tieren wirklich geht", so Probst.

Kleine Gitterboxen sind hier nicht zu sehen. Für die Großkatzen ist ein 400 Quadratmeter großer Bereich abgetrennt - mit schweren Gittern gesichert. Die fünfköpfige Zebrafamilie hat neben einem geräumigen Innenbereich auch ein Außengehege. Ihre Nachbarn, neun Kamele, sind auf zwei Bereiche aufgeteilt, jeder mit freizugänglicher Außenanlage. Sie bekommen Gesellschaft von zwei ungarischen Steppen- und zwei Watussirindern, beides Handaufzuchten Reinhard Probsts. Der gesamte Innenbereich des Stalls ist großzügig mit Stroh ausgelegt. "Wir gehen auf die Bedürfnisse der Tiere ein und natürlich müssen sie bei Krankheit überhaupt nicht arbeiten", erklärt Probst. Dann würde sofort ein Spezialist gerufen oder die nächste Tierklinik angesteuert. Geübt werde nur, wenn es etwas Neues zu lernen gebe, ansonsten reichten zwei Vorstellungen täglich als Training aus. Außerdem habe jedes Tier die Hälfte der Woche frei. Stephanie Probst, die Pferdefachfrau der Familie, ergänzt: "Unsere Nummern bauen auf den Tieren und ihrem individuellen Können auf. Wir schauen uns an, wer was am besten kann, und fördern es."

Auf diese Weise arbeitet auch Tom Dieck Junior mit seiner Raubkatzengruppe: fünf Tiger, zwei Liger (Kreuzung zwischen Tiger und Löwe) und zwei Löwen. Ihm ist gegenseitiger Respekt und Vertrauen wichtig, sagt er: "Ich kann nur mit den Tieren arbeiten, wenn sie auch dazu bereit sind. Deshalb nehmen die Löwen im Moment auch nicht an der Show teil. Sie sind in ihrer ersten Brunft und damit vollkommen beschäftigt."

Nach der letzten Vorstellung am Sonntag bricht der Circus seine Zelte ab und zieht in sein Winterquartier nach Essen.

Quelle: RP
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