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Krefeld
Ein Besuch im Sudhaus

Krefeld. 20 RP-Leser konnten sich bei einer Führung informieren, wie das Königshofer Bier gebraut wird. Von Otmar Sprothen

Kurz vor 17 Uhr hatten sich alle 20 Leser versammelt, die bei einer Verlosung der Rheinischen Post eine Führung durch die Königshof-Brauerei gewonnen hatten. Gut zwei Stunden intensiver Betriebsführung lagen vor der Gewinnergruppe - und das war etwas ganz Besonderes: "Brauereibesichtigungen bieten wir nicht mehr an", erklärte Prokurist Frank Tichelkamp. "Seit fünf Jahren sind wir ein zertifizierter Betrieb. Um das zu bleiben, achten wir peinlichst auf Hygiene." In der Tat wirkt das Sudhaus, das "Wohnzimmer" der Brauerei mit seinen kupfernen Braukesseln, als ob man vom Boden essen könnte.

Ein Sudhaus ist der "Backofen" der Brauerei, in dem die Zutaten Gerste aus Frankreich und Malz aus Deutschland mit dem weiblichen Hopfen gemischt werden. Ihre Brauhefe zieht die Brauerei in eigener Verantwortung, denn für die meisten Brauhefen besteht Patentschutz. Für einen Hektoliter Bier werden drei Hekto Wasser benötigt. Das harte Krefelder Wasser wird mit weichem Wasser nach Bedarf gemischt. Durch Verrühren lösen sich die Sinkstoffe von der Flüssigkeit. Es entsteht das Jungbier, in dem sich bereits etwas Kohlensäure bildet. "Früher hing der Geschmack von der Tagesform des Braumeisters ab", informierte Tichelkamp, "Heute steuern Rechner diesen Vorgang, denn der Kunde erwartet einen gleichbleibenden Geschmack."

Im Sommer arbeitet die Brauerei sechs Tage in der Woche 24 Stunden durch. Das bedeutet, dass nach jedem 20-minütigen Brauvorgang die Kessel gereinigt werden. Danach könnte eine neue Biersorte gebraut werden. Die eigenen Marken der Königshofer-Brauerei machen nur 20 bis 25 Prozent des Umsatzes aus. Eine wirkliche Premium-Marke fehlt, dafür läuft das Geschäft mit Handelsmarken rund.

Als sich Mitarbeiter der früheren Rhenania-Brauerei mit der Rückendeckung eines Krefelder Investors 2003 selbstständig machten, war die erste Großinvestition ein Gärturm, der gut erhalten von einer Berliner Brauerei erworben werden konnte. Diese Investition zog mehrere Großkunden an, die nach einem Produzenten für ihr Flaschenbier suchten, der sofort liefern konnte. Gerade hatte der damalige Umweltminister Jürgen Trittin das Dosenpfand eingeführt und für Turbulenzen auf dem Getränkemarkt gesorgt. "Wir haben damals Glück gehabt", sagte Tichelkamp. "Wir waren ungebunden und hatten Ideen, die unseren Kunden passten. Außerdem empfanden viele Krefelder Sehnsucht nach einem regionalen Bier. Unser Markt liegt im Umkreis von 25 Kilometern um den Kirchturm von St. Dionysius." Ein weiteres Standbein der Königshofer besteht im "Einsammeln von Markenbieren, die keine Eigenmarken sind, aber in Krefeld hergestellt werden", sagte der Brauerei-Chef. "Das sichert unsere Arbeitsplätze." So sind die Königshofer der weltgrößte Abfüllort für Kölsch.

Im Austausch mit den Flaschen anderer Brauereien, von denen immer mehr eigene Flaschenformen benutzen, hält die Königshofer einen Leergutbestand von 30 Prozent über der eigentlich benötigten Menge. Dafür erhält sie ihre eigenen Long-Neck-Flaschen von anderen Brauereien wieder zurück.

Nach der Führung bedankte sich Marina Hollstein: "Ich wollte einmal selbst sehen, wie Bier gebraut wird. Jetzt sehe ich das schäumende Getränk mit anderen Augen." Sie bedauert, dass es in Krefeld immer weniger Kneipen gebe und die traditionelle Atmosphäre rund um das Bier immer weniger erlebbar sei.

Quelle: RP
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