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Krefeld
Ein Bulle kommt unter den Hammer

Krefeld: Ein Bulle kommt unter den Hammer
Auktionator Paul Nosbich (kleines Bild oben) hebt den Hammer. Die Auktionsbesucher in der Niederrheinhalle können jetzt noch ihre Gebote für den prächtigen Bullen abgeben. Schnellt der Hammer nach unten, ist der Verkauf besiegelt. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. 159 Tiere konnten jetzt bei der Zuchtvieh-Auktion der Rinder-Union-West in der Niederrheinhalle ersteigert werden. Von Bianca Treffer

Dario hat alle Hände voll zu tun, und das liegt an dem gerade einmal zwei Monate alten Kalb, das der 13-Jährige am Führstrick in die Niederrheinhalle führt. Der Youngster mit der Katalognummer 181 ist voller Lebensfreude und buckelt ein wenig herum. "Ein schönes Kalb, geboren am 17. Mai", preist Auktionator Paul Nosbich das Tier an und gibt direkt das Mindestangebot bekannt, das bei 100 Euro liegt. Es dauert nur kurze Zeit, und der Hammer des Auktionators schnellt nach unten. Für 200 Euro hat das Kälbchen von Wilhelm Beenen aus Rees den Besitzer gewechselt.

Beenen nickt zufrieden. Der Preis sei in Ordnung, bemerkt der Landwirt, für den eine kurze Pause angesagt ist. Seine drei weiteren Rinder, die er zur Zuchtvieh-Auktion der Rinder-Union-West (RUW) mitgebracht hat, sind nämlich erst nach den Bullen dran. Auf der mit Sägemehl eingestreuten Fläche der Aktionshalle sind jetzt Tiere mit wesentlich mehr Gewicht. Die durchschnittlich etwas über ein Jahr alten Bullen sind an der Reihe. Auf den Tribünen der Halle ist es voller geworden. Frauen und Männer mit den Ausstellungskatalogen in der Hand haben Platz genommen, begutachten die Tiere und informieren sich im Katalog über Abstammung und Leistung. Dabei sind es nicht nur Landwirte aus der Region, sondern auch Großeinkäufer aus England, Polen, Italien und den Beneluxländern, die für Großkunden einkaufen und Auktionen mit 30 oder mehr Tieren verlassen. "Deutschland ist die Exportnation Nummer eins. Deutschlandweit werden jährlich rund 80.000 Tiere exportiert. Wir haben hier eine solide Zuchtarbeit mit einer super Qualität", sagt Werner Ziegler, Regionalleiter der RUW, der auch mit zur Versteigerungsleitung gehört und neben dem Auktionator auf der erhöhten Tribüne steht.

Nosbich hat die Bieter allesamt im Blick. Ein kurzes Heben des Auktionskataloges am Anfang einer Tiervorstellung bekundet das Interesse eines Bieters. Danach bleibt der Katalog unten. Mal ist es ein kurzes Handzeichen, das signalisiert, man bleibt im Rennen, aber oftmals ist es einfach nur der Augenkontakt zum Mann mit dem Hammer. Bieter nicken Nosbich nahezu unmerklich zu oder schütteln den Kopf, wenn sie aussteigen. Bei der Katalognummer 13, einem Bullen aus Korschenbroich von Stefan Kreutzer, brandet erster Applaus auf. Innerhalb weniger Sekunden ist der Bulle für 2000 Euro verkauft worden. Bevor es über die Gasse wieder in den Stall geht, schreitet Robert Strumpen, Mitarbeiter der Zuchtkommission, mit der Ohrmarkenzange zur Tat. Zur Zucht zugelassene und verkaufte Bullen bekommen eine entsprechende Ohrmarke. Ein Vorgang, den Strumpen blitzschnell durchführt.

"Ich bin eigentlich ganz zufrieden. Unser einer Bulle hat einen guten Preis erzielt, der andere hätte bei der guten Abstammung eigentlich besser wegkommen müssen, aber der Markt ist momentan nicht der beste", bemerkt Kevin Anhamm aus Kamp-Lintfort, der gerade die Nummer acht aus der Halle führt. An der gegenüberliegenden Gasse, die in die Halle führt, knubbelt es sich. Ein bestgepflegter Bulle steht hinter dem anderen. Während einige ruhig warten, zappeln andere an Halfter und Nasenring unruhig hin und her. "Wir haben heute vier Rinder zum Verkauf dabei. Aktuell denke ich, dass vieles unter Preis verkauft wird, weil der Markt den wahren Wert nicht hergibt. Die Milchpreise haben ein niedriges Niveau, entsprechend sinkt der Rinderpreis", bemerkt Petra Windhausen aus Nettetal, die unter den Zuschauern sitzt und die inzwischen vorgestellten Kühe, Färsen und Rinder aufmerksam beobachtet.

Freilaufend bewegt sich gerade die Nummer 33 durch die Halle, wobei Nadine Reintjes einen großen Zettel mit der Aufschrift "43 MKG" in die Höhe hält. 43 Liter Milch gibt die vorgestellte Färse dementsprechend pro Tag. Bei 1200 Euro erfolgt der Hammerschlag. Besitzer Rainer Thoenes aus Kalkar ist nicht ganz zufrieden. Die Färse sei mehr Wert, aber der aktuelle Markt gebe es nicht her, lautet sein Kommentar. Präsentation folgt auf Präsentation. Preise klettern - oder eben auch nicht. "1000 Euro. Wer hält die 1000 Euro?", ist die Stimme von Nosbich zu hören. Kein Zeichen auf Käuferseite ist zu sehen, was bedeutet, dass das Tier in die zweite Runde gehen wird. Aber es gibt auch Landwirte, die bei den genannten Summen den Kopf schütteln, für den angebotenen Preis nicht verkaufen und ihr Tier lieber wieder mit nach Hause nehmen. Nichtsdestotrotz geht die Verkaufsquote der Auktionen der RUW durchschnittlich nahe an die 100 Prozent. In Krefeld wird fast immer alles verkauft.

Quelle: RP
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