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Krefeld
Ein Fenster zum Meditieren

Krefeld. Knapp 22 000 Buchstaben zieren das neue Fenster im Gebets- und Meditationsraum des Katholischen Hochschulzentrums Lakum. Sakrale und philosophische Texte sollen die Betrachter zum Innehalten und Nachdenken anregen. Von Mojo Mendiola

Vor einem Jahr war der Fensterentwurf von Laura Kraemer und Leonhard Gehrke für den Gebets- und Meditationsraum des Katholischen Hochschulzentrums Lakum an der Ispelsstraße als Sieger aus einem Gestaltungswettbewerb hervorgegangen, den Matthias Hakes, Pastoralreferent und Leiter des Lakum, ausgeschrieben hatte. Die beiden Studierenden des Fachbereichs Design sowie ihre Dozenten Professor Gerhard Hahn und Christine Schwecke konnten nun das fertig ausgeführte und eingebaute Fenster seiner Bestimmung übergeben. Auch Hartmut Franken und sein Mitarbeiter Roman Kunaszko, die das Opus in den Werkstätten Glas Deco Franken realisiert hatten, ließen es sich nicht nehmen, die kleine Feierstunde mitzuerleben.

Von Klarinettenmusik eingestimmt, zog Johannes Schnettler, Vertreter des bischöflichen Generalvikariats, welches die Mittel für das Fenster bereitgestellt hatte, eine Parallele zur 600 Jahre alten Chorhalle des Aachener Doms. Auch das neue Lakum-Fenster setze ein wichtiges Zeichen in Zeiten sich leerender Kirchen, dies um so mehr, als es sich als Ergebnis eines dialogischen Schaffensprozesses manifestiere und darin seine schönste Qualität habe.

Die Inspiration für das Motiv einer Sandwüste stammt aus dem Wort des Propheten Hosea: "...ich will sie führen in die Wüste und freundlich reden zu ihren Herzen." Dabei bedeutet das Hebräische "midbar" interessanterweise sowohl "Wüste" als auch "es spricht" und eröffnet dem innehaltenden menschlichen Geist - so Matthias Hakes - Weite, Zentrierung und Transzendenz.

Mit modernster Sandstrahltechnik auf die zwei Ebenen der Doppelverglasung gebracht, stellt es sich als ein Spiel der Interferenzen von weißen Linien und Flächen dar, sechsfach abgestuft in der Lichtdurchlässigkeit und mithin hochdifferenziert ausgestaltet. Hinzu tritt der wie ein Hintergrund über eine der Scheiben fließende Text, zusammengesetzt aus Zitaten sakraler, philosophischer, aber auch alltäglicher Natur mit 21 912 Buchstaben samt ungezählter i-Punkte.

Mit dem Satz: "Der Abschluss der Herstellung ist nun zugleich der Beginn seiner Nutzung" schloss Professor Gerhard Hahn seine handwerklich-technischen Erläuterungen des Projekts, und dann empfing man in dem neu hergerichteten "Raum der Stille" gemeinsam den offiziellen bischöflichen Segen.

Quelle: RP
 
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