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Krefeld
Ein ganz besonderes Sportfest

Krefeld: Ein ganz besonderes Sportfest
Ein "Volltreffer"-Lauf: Kinder und Betreuer sollen ihre Rennstrecke in genau 100 Sekunden bewältigen. FOTO: Thomas lammertz
Krefeld. Bei der Montessori-Grundschule nehmen wie selbstverständlich auch Kinder im Rollstuhl teil - neben Kindern ohne Handicap. Das Ganze ist vor allem eins: ein fröhliches Sportfest mit fröhlichen Kindern. Von Sophie Strohmeyer, Joanne Wolverson und Ronja Plottnik

Es ist ein anrührendes Bild, und es erzählt auf eigene Weise, wie leicht, wie einfach, wie schön Inklusion sein kann: 460 strahlende Kinder fassen sich an den Händen, einige davon im Rollstuhl, und bilden einen riesigen Kreis auf dem Sportplatz der Montessori-Grundschule. Im Hintergrund dröhnt das Lied "Tage wie diese" aus dem Lautsprecher; ganz außen rahmen Eltern und Lehrer die Kinder auf dem Platz ein. Die kleinen Sportler lassen eine letzte La-Ola-Welle los, bevor alle in langer Schlange die Arena verlassen - dazu schmettert "Queen" den Hit "We are the Champions". Alle gehen als Sieger nach Hause - diese letzten Minuten des Sportfestes sind voller Gänsehautmomente.

Eigentlich ein normales Sportfest - nur eben, dass einige der kleinen Sportler gehandicapt sind und zum Beispiel im Rollstuhl sitzen. Die Normalität, mit der sie Sport treiben, macht dieses Sportfest an der Schule dann doch zu etwas ganz Besonderem: Man sieht, wie Mädchen und Jungen mit einem schwierigen Körper einfach Kinder unter Kindern sind, Spaß haben und gewinnen wollen.

Die Schule hat 450 Schüler; etwa 40 Kinder sind körperlich gehandicapt; ein Dutzend davon sitzt im Rollstuhl, berichtet Joachim Cuypers, der Leiter der Grundschule. "Unsere Schule hat einen Förderschwerpunkt für körperliche und motorische Entwicklung", sagte er. Die körperlichen Einschränkungen der Kinder gehen meist auf Schädigungen vor oder während der Geburt zurück, zuweilen auch auf Unfälle, die zu einer Querschnittslähmung geführt haben. Manche Kinder haben mit Muskelschwund zu leben - eine Erkrankung der Muskeln, die die Kinder irgendwann in den Rollstuhl zwingt. Früher, sagt er, habe es viele Fälle von Spastiken gegeben (etwa eine Folge von Sauerstoffmangel während der Geburt), heute seien die körperlichen Einschränkungen ungleich vielfältiger. Die Schule hat zur Betreuung solcher Kinder vier feste Förderschullehrer und junge Leute, die ein Freiwilliges Soziales Jahr ableisten oder vom Bundesfreiwilligendienst kommen (FSJler oder Bufdis genannt).

Gestern hat von neun bis zwölf Uhr jeder Schüler sein Bestes beim Sportfest gegeben. Highlight des Tages war ohne Zweifel die Radfahr-Rollstuhlübung der körperlich behinderten Kinder, Teil des sogenannten "Volltrefferprogramms" als Alternative zur Leichtathletik. "Dabei geht es nicht um Schnelligkeit, sondern eher um die Taktik", erklärt Schulleiter Cuypers. Ziel sei es, eine bestimmte Strecke innerhalb einer vorgegebenen Zeit zu bewältigen. Weitere Übungen erläutert Lehrerin Bettina Krabbel: " Da geht es einmal um Zielwurf mit verschiedenen Materialien, Weitwurf und Geschicklichkeitsübungen mit dem Rollstuhl oder Dreirad, wie zum Beispiel Slalomfahren."

Die Schüler nehmen die Herausforderungen an - und ernst. Der kleine Kabilash zum Beispiel hat einen Lauf gewonnen. "Nö, ich habe gar nicht geübt", sagt er und freut sich. Er sitzt im Rollstuhl und wird begleitet von Jonas, einem FSJler der Schule. Die Beiden haben gemeinsam genau die Zeitvorgabe von 100 Sekunden für die Wettkampfrunde erfüllt und somit den ersten Platz belegt. Die Kinder bewegen ihren Rolli die meiste Zeit über selbst, manchmal hilft der Begleiter. Auch Kelly und Nils, ebenfalls unterstützt von einer FSJlerin und einer Studentin für Sozialpädagogik, leuchten vor Begeisterung über ihren Erfolg beim Sportfest.

"Den ganzen Vormittag bieten wir den Kindern vier Differenzierungen", so Cuypers, "dabei unterscheiden wir zwischen dem Spieleprogramm für die Erstklässler, Leichtathletik, dem Volltrefferprogramm und dem separaten Sportprogramm für unsere körperbehinderten Kinder." Der Sport steht dabei im Vordergrund: Die Kinder strengen sich an, streben nach guten Leistungen, fiebern im Wettkampf, und auch die Erwachsenen treten in einer Staffel gegeneinander an: Eltern Lehrer und FSJler. Einer der Läufer: Joachim Cuypers.

Sport ist Sport, der Beste siegt: Gewonnen haben die FSJler.

Quelle: RP
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