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Krefeld
Ein halbes Jahrhundert beim selben Arbeitgeber

Krefeld: Ein halbes Jahrhundert beim selben Arbeitgeber
Wolfgang Jäger hat seit seiner Lehre mit 14 Jahren bis zu seiner Pensionierung mit 65 immer für die Firma Krebbers gearbeitet. Die aktuellen Chefs Jan und Lutz (rechts) Krebbers kennt er seit Jahrzehnten. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Von der Lehre bis zur Rente ist Wolfgang Jäger dem Fenster- und Fassadenbetrieb Krebbers treu geblieben. 51 Jahre gehörte er zum Team. Von Bianca Treffer

Der Dießemer Bruch 80 übt auf Wolfgang Jäger immer noch eine besondere Anziehungskraft aus. Hinter dem Tor mit der großen Aufschrift "Krebbers" sieht man den 65-Jährigen mit schöner Regelmäßigkeit verschwinden. Sei es einfach mal zu einem Besuch, um mit den ehemaligen Kollegen zu fachsimpeln, mal eine fachliche Frage zu beantworten oder sich einen Spezialauftrag mit Tüftelfaktor anzusehen.

"Wenn man 51 Jahre in ein und demselben Betrieb gearbeitet hat, dann kann man irgendwie nicht einfach in Rente gehen", meint Jäger lächelnd. Und eigentlich hatte er das auch gar nicht vor. Ruhestand mit 65 Jahren war zwar in diesem Jahr geplant, aber er wollte im Rahmen einer geringfügigen Beschäftigung sein Arbeitsleben beim Fenster- und Fassadenbetrieb Krebbers so langsam ausklingen lassen, um sein großes Fachwissen an die jüngeren Kollegen weitergeben zu können. Allerdings machte ihm seine Gesundheit einen Strich durch die Rechnung. Anfang des Jahres erlitt er einen Herzinfarkt. Für den Krefelder ein Zeichen, sich dann doch im Sommer endgültig in den Ruhestand zu verabschieden.

Nichtsdestotrotz lässt ihn seine ehemalige Wirkungsstätte nicht los. "Ich war mit Leib und Seele Tischler. Ich bin immer mit Freude zur Arbeit gegangen. Klar gab es auch mal Reibereien, aber die gibt es überall. Ich hatte in all den Jahren nie vor, die Stelle zu wechseln. Ich habe mich hier immer wohlgefühlt", sagt der 65-Jährige. Auch auf Arbeitgeberseite war man froh ihn im Team zu haben. Viel Lob gibt es von den derzeitigen Firmenchefs Jan und Lutz Krebbers. Die beiden Brüder konnten sich auf Jäger immer verlassen. "Er hat immer mitgedacht, manches technische Problem gelöst und geguckt, was machbar war", berichtet Jan Krebbers, während sein sieben Jahre jüngerer Bruder Lutz anfügt, dass Jäger ihn quasi gewickelt habe.

Er war nämlich gerade geboren, als Jäger die Lehre im Unternehmen seines Großvaters begann. Der heutige Ruheständler hat so manchen Streich der Brüder miterlebt, die quasi im Unternehmen mit groß wurden. Drei Generationen hat der Krefelder im Unternehmen kennengelernt, wobei Theodor Krebbers senior den damals 14-jährigen Jungen als Schreiner-Lehrling, wie der Beruf einst hieß, einstellte. "Ich war damals im Waisenheim und ich kann mich erinnern, dass ich viele Faltblätter zu Berufen bekommen hatte. Ich habe sie alle fleißig studiert. Vor dem Hintergrund, dass mein Vater auch Schreiner gewesen war, wollte ich diesen Beruf ebenfalls ergreifen", erzählt Jäger.

Krebbers senior gab ihm diese Chance und holte ihn in sein Unternehmen. Lebte Jäger die ersten Lehrlingsmonate noch im Traarer Waisenhaus, so ging es danach ins Kolpinghaus. Dort musste er sein Lehrgeld abgeben und bekam ein Taschengeld zugeteilt. Die erste eigene Wohnung und die Verwaltung seiner wöchentlichen Lohntüte in Eigenregie folgten mit 21 Jahren. Wenn Jäger an die Anfänge zurückdenkt, dann muss er schmunzeln. Das frühe Aufstehen war nicht so sein Fall. Das Unternehmen führte daher ein Buch ein, in dem seine Ankunftszeiten festgehalten wurden. Eine Stechuhr gab es nicht. Ein Haarnetz gehörte indes zu seiner Standardausrüstung in der Firma. Jäger trug nämlich lange Haare. Seine erste Hobelarbeit hat er heute noch vor Augen. Aus einem Stamm musste er per Hand exakt nach Maßvorgaben Flächen und Winkel aushobeln.

Schon früh zeigte Jäger sein Geschick mit den Werkzeugen, wobei es in den Anfängen nahezu reine Handarbeit war. Als die modernen Maschinen nach und nach Einzug hielten, passte er sich an und demonstrierte, dass er ein Allrounder im Tischlerberuf ist. Und das ist bis heute so geblieben. Er hat seinen Traumberuf in einem Familienunternehmen gefunden, das vom Großvater auf den Sohn und dann wiederum auf die beiden Enkelsöhne ging.

Langeweile als Rentner kennt Jäger nicht. Seine sieben Enkel im Alter von zwei bis 17 Jahren halten ihn auf Trab. Zudem ist er ein begeisterter Radfahrer, schwimmt gerne und beschäftigt sich mit Computerprogrammen. Eines liebt er an seinem Rentendasein besonders und das ist das Ausschlafen, denn früh aufstehen fiel ihm in den 51 Arbeitsjahren bei Krebbers stets schwer.

Quelle: RP
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