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Krefeld
Ein Haus für Eltern schwerkranker Kinder

Krefeld. Direkt neben der Helios Klinik hat jetzt die "Villa Sonnenschein" eröffnet - ein Zuhause auf Zeit für Familien kranker Kinder. Von Otmar Sprothen und Carola Puvogel

Wegen der Appetitlosigkeit ihres Sohnes machten sich die Eltern zunächst nicht so viele Sorgen. Über kurz oder lang würde sich das natürliche Hungergefühl eines kleinen Jungen schon wieder einstellen. Als das Kind aber immer lethargischer wurde und sichtbar abmagerte, wurde ein Arztbesuch unumgänglich. Dessen Leukämie-Diagnose veränderte von einem auf den anderen Tag alles. Für Eltern und Verwandte, die Freunde, am meisten aber für die ältere Schwester. Unzählige Tage und Nächte verbrachten die Eltern am Klinikbett ihres kranken Kindes, um ihm während der Chemotherapie beizustehen. Ein Kraftakt für die ganze Familie, und eine Geschichte ohne Happy End: Nach Jahren des Hoffens und Bangens verliert der Sohn den Kampf mit dem Krebs.

Mit der neu eröffneten "Villa Sonnenschein" gibt es für Familien von schwer erkrankten, meist krebskranken Kindern jetzt zumindest einen kleinen Lichtblick und Rückzugsort vom Klinikalltag. Denn in den hübsch eingerichteten Zimmern des direkt neben der Kinderklinik gelegenen Hauses können sie vorübergehend wohnen, um den kleinen Patienten in der Intensivphase der Behandlung nahe zu sein: ein Zuhause auf Zeit. Drei Elternzimmer sind eingerichtet, fünf weitere sollen im kommenden Jahr dazukommen, sobald die obere Etage frei wird. Eine Gemeinschaftsküche, ein lichtdurchfluteter Aufenthaltsraum im Wintergarten und moderne Bäder stehen den Gästen zur Verfügung. In der laufenden Probephase ist eine Familie dort untergekommen. Verhandlungen mit den Krankenkassen zur Übernahme von Übernachtungskosten laufen, der Förderverein will eine Bezuschussung erreichen. Der Eigenanteil pro Familie wird voraussichtlich fünf Euro pro Nacht betragen. "Die Krankheit eines Kindes belastet die ganze Familie. Dazu kommen manchmal auch lange Anfahrtswege, die zu Trennungen von den Geschwister-Kindern führen würden. Wenn Eltern oder die ganze Familie während des Klinikaufenthaltes in der Nähe wohnen können, erleichtert das die ganze Situation sehr", erklärt Jens Schmitz, betroffener Vater und Vorsitzender des Fördervereins zugunsten krebskranker Kinder Krefeld, der das Haus Ende 2014 gekauft hatte. Der 200 Mitglieder starke Förderverein berät und unterstützt Eltern krebskranker Kinder.

Das Klinikum hat einen Teil des Hauses für die Schwangerenberatung im Rahmen seiner Elternschule angemietet. "Das hilft uns, die Betriebskosten niedrig zu halten", erklärt Kassenmanager Karsten Körner, Ehrenamtler wie alle anderen, die sich im Förderverein engagieren.

"Heute haben Kinder eine Heilungschance von 80 Prozent, wenn sie die ersten fünf Jahre der Krankheit überstehen", berichtet Professor Tim Niehues, Helios-Chefarzt für Kinder- und Jugendmedizin. Die Behandlung mit dem Pharmaka-Mix habe jedoch erhebliche Nebenwirkungen. "Bei der Behandlung eines krebskranken Kindes muss man sich ganz intensiv den Eltern zuwenden", sagt Sigrid Völpel, die zweite Vorsitzende desFördervereins . Die Ärztin blickt auf eine jahrzehntelange Erfahrung in der Kinderonkologie zurück. Wichtig sei, dass gerade nachts Eltern in Rufweite sind. Zwischen den Stationsbetten Liegen aufzustellen, sei aus vielerlei Gründen keine gute Lösung. "Ein Kind akzeptiert die Behandlung eher, wenn die Eltern mithelfen. In ihrer Begleitung ist es für das Pflegepersonal leichter, auch für das Kind unangenehme Maßnahmen durchzuführen", erklärt die Ärztin. Dies erfordere aber, dass Eltern ruhig und ausgeglichen seien und, genau wie die kleinen Patienten, nachts genügend Schlaf bekommen. "Es ist sehr hilfreich, wenn der begleitende Elternteil sich zurückziehen kann, aber stets leicht erreichbar ist."

Am Samstag, 15. August, 10 bis 12 Uhr, wird das Elternhaus mit einem Festakt feierlich eingeweiht. Zu Gast sind dann auch Oberbürgermeister Gregor Kathstede und Schwimmstar Anne Poleska, seit zehn Jahren Botschafterin des Vereins.

Quelle: RP
 
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