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Krefeld
Ein Meister erweckt die Klais-Orgel

Krefeld: Ein Meister erweckt die Klais-Orgel
Mikhail Pavaly eröffnete den Orgelzyklus mit bekannten Werken von Bach und Reger - und hier unbekannten russischen Komponisten. FOTO: Lothar Strücken
Krefeld. Das erste Konzert nach der Renovierung der Dionysiuskirche gestaltete Mikhail Pavaly. Mit Musik von Bach und Reger begeisterte er das Publikum. Zeitgenössische russische Musik gab Rätsel auf. Von Heide Oehmen

Die 40-registrige Klais-Orgel hat die umfangreichen Renovierungsarbeiten in der Dionysiuskirche unbeschadet überstanden, und nun kann man kirchenmusikalisch wieder in die Vollen gehen. Mit spürbarer Erleichterung und unüberhörbarer Vorfreude verkündete Regionalkantor Andreas Cavelius den in stattlicher Zahl zum ersten Konzert des "Internationalen Orgelzyklus" erschienenen Besuchern diese frohen Nachrichten. "Wir bekommen inzwischen Anfragen aus der ganzen Welt und planen schon bis zum Jahr 2017", sagte er voller Stolz.

Aus dem fernen Sotchi war Mikhail Pavaly angereist und hatte neben Werken von Johann Sebastian Bach und Max Reger auch zwei Kompositionen seiner Landsleute mitgebracht. Aus der Feder russischer Tonsetzer vergangener Jahrhunderte sind so gut wie keine Kompositionen für Orgel bekannt. Das liegt vor allem daran, dass in orthodoxen Kirchen nur a cappella gesungen werden darf. Ein Orgelmusikschaffen begann in Russland erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als Orgeln für Konzertsäle zunehmend geschätzt wurden. Deutsche, beziehungsweise österreichische Firmen wie Walcker, Sauer (Frankfurt), Mönch oder Rieger sind inzwischen stark vertreten.

Der aus Estland stammende Mikhail Pavaly hat nicht nur in seiner Heimat, sondern auch in Deutschland studiert. Das war seinem glasklaren und dennoch nicht anämischen Bach-Spiel in jeder Phase anzumerken. Ob in der Fantasie über "Komm, Heiliger Geist, Herre Gott" BWV 651 (mit untadelig herausgearbeitetem Cantus firmus im Pedal), im feingliedrig dargebotenen "Nun komm', der Heiden Heiland" BWV 659 (beides aus den "Achtzehn Leipziger Chorälen") oder bei Präludium und Fuge c-Moll BWV 546 -immer war dem Gast, der über eine erstklassige Technik verfügt, die Durchsichtigkeit höchstes Gebot.

Bei der knappen Introduktion, die Max Regers Passacaglia einleitet, spürte man die Freude des Interpreten am mächtigen Orgeltutti, das er auch an anderen Stellen des kurzweiligen Programms genussvoll auskostete. Zu Beginn der Passacaglia (bei dieser kontrapunktischen Kompositionsform wird ein immer wiederkehrendes Thema variiert) wirkten allerdings die gewählten Register recht verschwommen.

Mit "Post scriptum" von Vadim Maljuchenko präsentierte Mikhail Pavaly ein anmutiges, spätromantisch gefärbtes Stück russischer Orgelliteratur, das phasenweise ein wenig an Tschaikowskys Oper "Eugen Onegin" erinnert.

1920 entstand die Orgelsonate von Khristofor Kushnarev (1890-1960), ein gemäßigt modernes Tongemälde, das beim ersten Hören doch einige Rätsel aufgab. Auch hier durfte der Gast mit vollem Orgelklang enden und sich über den reichen Beifall seines Auditoriums freuen.

Beim nächsten Konzert - am 23. August um 16.30 Uhr - spielt der Kanadier Philip Crozier.

Quelle: RP
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