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Krefeld
Ein Meisterschüler in Sachen Chopin

Krefeld. Der 19-jährige Adam Mikolai Gozdziewski spielte im Mönkemeyer-Saal der Musikschule. Das Publikum war begeistert. Von Mojo Mendiola

Der mit 19 Jahren jüngste Künstler der laufenden Kawai-Spielzeit trat am vergangenen Freitag im Mönkemeyer-Saal der Musikschule vor sein Publikum. Adam Mikolai Gozdziewski stammt aus Polen und wurde bereits zu bedeutenden internationalen Festivals der Klaviermusik eingeladen.

Sein Start mit Mozarts Rondo in a-Moll K511 war zwar nicht gänzlich ohne Reiz, geriet jedoch ein bisschen matt, so als sei es eigentlich nur als Verlegenheitslösung ins Repertoire gerutscht. Und da hielt das Publikum auch noch die Hände still.

Doch bei seinem Landsmann Frédérik Chopin war Gozdziewski von der ersten Note an so sehr zu Hause, dass jeglicher Zweifel am Gelingen des Abends im Nu verflog. Mit der Klaviersonate Nr. 2 in b-Moll op. 35 bescherte der junge Pianist seinen Zuhörern einen Genuss besonderer Güte.

Das "grave" im ersten Satz nahm er wörtlich, und doch klang es nicht bleiern, und das weite Spektrum an Tempi und Stimmungen, das folgte, gestaltete er Takt für Takt mit bemerkenswert differenzierter Anschlagskultur. Er konnte kraftvoll hinlangen und ebenso so gut zärtlich träumen, die Trauer im Lento so ergreifend spielen, als höre man diese Notenfolge zum allerersten Mal, und alsbald die Hörer wieder erheben. Stets überwog dabei der emotionale Gehalt die zweifellos brillante Fingertechnik.

Nach der Pause ging es dann mit Beethovens Klaviersonate Nr. 12 in As-Dur op 26 weiter, und auch hier nutzte er die zahlreichen Vorlagen des Komponisten für feinsinniges Modulieren. Und auch hier gelang ihm mit dem funébre ein Meisterstückchen intensiven Gefühlsausdrucks, ohne dabei auch nur annähernd in die Gefahr kitschigen Abgleitens zu geraten.

Aber erneut war es Chopin, mit dem er seinem Vortrag ein Glanzlicht aufsetzte. Er selbst verlor sich völlig im Andante spianato des op 22, wurde eins mit der Komposition, die Gemüter seiner Zuhörer aber ließ er schweben wie auf großen Schwingen. Und im zweiten Part dieses Stücks, der Grande Polonaise brillante, zündete er ein Feuerwerk der Virtuosität mit atemberaubenden Abwärtsläufen, die er in den Bässen aufschäumen ließ, um danach ganz besinnlich ein Geschichtchen zu erzählen, bevor er das Stück wieder tanzen ließ.

Das Publikum war aus dem Häuschen, und dreimal noch setzte sich der 19-jährige Gozdziewski schließlich an den Flügel für Zugaben, die an Klasse nicht nachließen.

Quelle: RP
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