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Kr Wie Krefeld
Ein Museum braucht Krefeld noch

Krefeld. Krefeld hat eigentlich für eine Stadt dieser Größe und dieses bescheidenen Wohlstands zu viele renommierte Museen. Eigentlich müsste man darüber nachdenken, mindestens die Krefelder Kunstmuseen dem Land oder einer Stiftung mit Landesmitteln zu überantworten.

Haus Lange / Haus Esters sind modernes Architekturerbe und gehören der ganzen Welt. Das Kaiser-Wilhelm-Museum hatte in den vergangenen Jahrzehnten das Problem, nicht angemessen bespielt zu werden: Kaum Ankaufsetat. Kaum Mittel für Ausstellungen. Lange Zeit: Kaum Mittel zum Erhalt der Bausubstanz. Dass es für die Sammlung nicht mal ein klimatisiertes Archiv gibt, ist eigentlich unverantwortlich.

Es gibt noch ein weiteres Museumsprojekt, das dringend umgesetzt zu werden verdient: ein Haus für die Sammlung des Entomologischen Vereins Krefeld. Ja, das übersteigt die Möglichkeiten der Stadt, und ja, das ist auch keine kommunale Aufgabe. Dieser Verein ist ein internationaler Gelehrtenclub, er arbeitet wissenschaftlich und hat mit seiner letzten Veröffentlichung international für Aufsehen gesorgt. Die Sammlung ist fantastisch, die Bibliothek ein bibliophiler und wissenschaftlicher Schatz.

Die Akteure sind froh und dankbar, einen Standort an der Marktstraße zu haben, und verlieren kein Wort des Unmuts darüber. Doch das Gebäude ist eigentlich ein Provisorium. Wer Einblicke in die Sammlung bekommt, der weiß, dass mit ihr mühelos Ausstellungen auszurichten wären - zumal das Thema Insekten auch jenseits von Katastrophenmeldungen über Massenschwund fasziniert.

Der Rahmen, in dem dieser kulturelle Schatz ruht, ist eigentlich beschämend. Das ist, wohl gemerkt, kein Vorwurf gegen die Stadt. Es ist eher ein Appell an das Land, an den Bund, an alle Ministerien, die mit Natur, Wissenschaft, Bildung oder Kultur zu tun haben, an Stiftungen oder an wissenschaftlich interessierte Millionäre, sich dieser Sammlung anzunehmen und für sie einen würdigen Rahmen zu schaffen. Hier könnten sich Krefelder Landes- und Bundespolitiker unschätzbare Verdienste erwerben.

Die leidige Debatte anlässlich der Veröffentlichungen zum Thema Insektensterben, ob die Entomologen nun "Hobbyforscher" oder "echte" Forscher sind, zeigt: Die Sammlung und der Verein werden in der Öffentlichkeit leider unterschätzt. Vielleicht hat mancher beim Stichwort Insekten Spitzwegs Schmetterlingsjäger im Sinn. Ist verkehrt. Es geht um ein Erbe, das wie Haus Lange/ Haus Esters dem ganzen Land gehört.

Also: Wer einen Millionär kennt, möge sich melden. Nötig wäre es.

Jens Voss

Quelle: RP
 
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