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Krefeld
Ein Nashorn reist nach Frankreich

Krefeld: Ein Nashorn reist nach Frankreich
Auf dem Foto sind drei Nashörner - zwei im Gehege, eins in der schwebenden Kiste. Der Transportcontainer ist gut 1,5 Tonnen schwer. FOTO: Thomas lammertz
Krefeld. In drei Jahren ist die Nashornkuh Nabila fast erwachsen geworden. Nun zieht sie mit ihrem neuen französischen Freund zusammen. Von Othmar Sprothen

Auf seinen seitlich ausgefahrenen Stützen aufgebockt, wartet der schwere Kran der SWK in dem engen Bereich zwischen der Hyazinth-Ara-Voliére und der neuen Nashorn-Anlage des Krefelder Zoos auf den Lkw, den er gleich mit dem in lichtem Grün lackierten Container beladen muss. Nabila, die knapp dreijährige Nashornkuh, wird darin an diesem frühen Montagmorgen die Reise nach Südwestfrankreich antreten, wo im Zoo am Bassin d'Arcachon ihr Bräutigam bereits wartet. In der Transportkiste ist es ruhig, von Reisefieber keine Spur. "Nabila ist eine ganz Liebe, sie ist sehr ausgeglichen", lobt Sigrid Strauß, die mit anderen Ehrenamtlern den Zoo bei seinen vielfältigen Tätigkeiten unterstützt.

Petra Schwinn, Sprecherin des Zoos, ergänzt: "Spitzmaulnashörner wie Nabila sehen sehr schlecht, besitzen aber einen ausgeprägten Gehörsinn. Wenn sie etwas nicht einordnen können, kann es zu unerwarteten Angstreaktionen kommen." An der Haltung der Ohren hätte man erkennen können, dass das 1,1 Tonnen schwere Tier angespannt gewesen sei, aber nicht panisch. Auch die Stimmung der Pfleger ist gelöst, die Nabila das Futter bereits über zwei Wochen in der Transportkiste gereicht haben, damit sie sich mit der Dunkelheit und Enge während der 16-stündigen Fahrt nach Aquitanien anfreunden konnte. "Unsere Pfleger können mit dem Abschiednehmen umgehen", erklärt Schwinn, "dies erleben sie ja immer wieder."

Dominique van Wijk leitet den Transport. Sein niederländischer Arbeitgeber ist auf solche Transporte spezialisiert. Van Wijk und sein Kollege wechseln sich als Fahrer ab, um durch die vorgeschriebenen Pausenzeiten keine für das Nashorn nachteiligen Verzögerungen auftreten zu lassen. Routiniert schwenkt der Kran den 4,90 Meter langen und 2,50 Meter breiten Transportcontainer auf die Ladefläche des LKW, wo er sofort arretiert wird. Das Rolldach und die Seitenwände schließen sich, Pfleger verstauen Nabilas Reiseproviant, einen Ballen Gras, Äpfel und Toastbrot. Dann endet Nabilas Zeit in Deutschland, um einem langen Leben in Frankreich Platz zu machen. Nashörner erreichen im Zoo eine Lebenszeit von über 40 Jahren.

Wegen ihrer in Asien und Arabien sehr begehrten Hörner gehören Nashörner zu den Tierarten, die stark gewildert werden. Gerade ist das letzte freilebende Exemplar des Nördlichen Breitmaulnashorns verendet. Da noch eingefrorenes genetisches Material vorhanden ist, hoffen Experten auf moderne Reproduktionstechniken, mit denen in der Zukunft eine lebensfähige Population erzeugt werden könnte. Das Spitzmaulnashorn, das in europäischen Tiergärten mit insgesamt 81 Exemplaren vertreten ist, versuchen die europäischen Zoos durch eine Backup-Züchtung zu sichern, deren Nachkommen ausgewildert werden können.

Nabilas Fahrt nach Frankreich ist Teil dieses Programms, das vom britischen Chester Zoo koordiniert wird. Insgesamt dauerten die Vorbereitungen ein Jahr, bis die Tiere ausgesucht waren, die zueinander passten, und vor allem der Papierkrieg erledigt war, wie Zoochef Wolfgang Dreßen lächelnd anmerkte. Da der französische Zoo erst mit der Zucht der grauen Riesen beginnt und noch viele Fragen hatte, fuhr Zooärztin Stefanie Markowski nach Arcachon, um den französischen Partnern die Kriterien zu vermitteln, wonach man ein harmonisierendes Nashorn-Pärchen beurteilt, und woran man erkennen kann, dass die Tiere paarungsbereit sind. Der Krefelder Zoo ist der einzige in NRW, der auf die Züchtung von Nashörnern spezialisiert ist.

Quelle: RP
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