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Krefeld
Ein neuer Wald für Fischeln

Krefeld: Ein neuer Wald für Fischeln
Freiwillige haben beim Pflanzen des Waldes mit angepackt - die Jüngsten werden seine volle Pracht erleben. FOTO: Thomas lammertz
Krefeld. Sie sollen dem Klimawandel trotzen: 1000 Stieleichen, 200 Feldahorne und 1000 Sträucher wurden nach biologischen Gesichtspunkten komponiert. Von Jens Voss

Einen neuen Wald zu pflanzen hat etwas Erhabenes - allein deshalb, weil es 50 Jahre dauert, bis der Wald, wie Fachleute es nennen, zur "höchsten ökologischen Wertigkeit" herangewachsen ist. In Fischeln ist nun ein Wald gepflanzt worden - und die Freiwilligen, die dort den Spaten geschwungen haben, haben die Grundlage für einen Generationenvertrag geschlossen: Denn erst die nächste Generation wird den neuen Wald in voller Schönheit sehen. Falls - so muss man einschränkend sagen - der Klimawandel den Planern nicht einen ungeahnten Strich durch die Rechnung macht. Diese Überlegung spielte bei der Auswahl der Pflanzen durchaus eine Rolle, erläuterte Bodo Meyer vom Grünflächenamt im Gespräch mit unserer Redaktion: "Wir haben Wuchsrassen des niederrheinischen Tieflands gewählt und gehen davon aus, dass unsere Bäume den Klimawandel ertragen werden", sagt Meyer. Ausgewählt wurden rund 1000 Stieleichen, 200 Feldahorne und 1000 Sträucher. Was genau an Klimawandel auf die Pflanzen zukommt und welche Folgen es für sie hat, ist noch nicht präzise absehbar. Da schauen auch Fachleute von heute mit etwas bangen Blicken in die Zukunft.

Zunächst ist der neue Wald auf einer rund 8000 Quadratmeter großen Wiesenfläche am Strümper Weg fachmännisch geplant. "Wir wollen den Wald stufig aufbauen", sagt Meyer. Die 1000 Stieleichen bilden quasi das Rückgrat; sie sind relativ eng gesetzt, damit sie astfrei hochwachsen. Gesäumt sind sie von 200 Feldahornen und 1000 Sträuchern. "Der Feldahorn wächst nicht so hoch wie die Stieleiche und bildet zusammen mit den Sträuchern einen Waldsaum", erläutert Meyer. So soll ein "Überlappungsbiotop" hin zur offenen Landschaft entstehen. "Diese Übergänge von Wald zum Feld sind sehr artenreich", betont Meyer. Der Streifen aus Sträuchern bietet besonders Vögeln guten Schutz und Lebensraum.

Der Feldahorn, erwähnt Meyer, ist auch der Baum des Jahres 2015. Dieser Baum ist ein Überlebenskünstler. Er macht in Deutschland gerade Karriere als Stadt- und Straßenbaum, schreiben Biologen. "Er bleibt mit 15 bis 20 Meter Höhe relativ klein, eignet sich daher auch für enge Straßen und Gärten, ist salz-, immissions- und ozontolerant. Er verträgt Bodenverdichtung, Hitze und intensive Sonnenstrahlung und ist trockenheitstolerant", heißt es etwa. Neben Trockenheit macht ihm auch Feuchtigkeit oder gar Überflutung wenig; das wiederum macht ihn zu einer idealen Pflanze für das von Natur aus eher feuchte Bruch. Die Ahorn-Früchte dienen Vögeln als Nahrung; er gilt auch als guter Lebensraum für Insekten und Pilze. Seine Heimat ist Mittel- und Südeuropa, in Deutschland wurde er durch Anpflanzungen heimisch. 50 Jahre müssen die Fischelner Spaziergänger nicht warten, bis der neue Wald waldähnlich aussieht. "In sechs bis sieben Jahren ist der Wald als Struktur sichtbar", sagt Meyer. Das erste Mal durchforstet wird das Waldstück in 15 Jahren: Dann werden einige Bäume weggenommen, um sogenannten Z-Bäumen mehr Luft und Licht zu geben; wobei Z für Zukunft steht. Der Kampf ums Dasein hat also mit dem Moment der Pflanzung begonnen.

Quelle: RP
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