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Krefeld
"Ein neues Herz für Krefeld schaffen"

Krefeld: "Ein neues Herz für Krefeld schaffen"
Wageners Entwurf: Er schlägt eine Kombination aus Hotel und Kongresszentrum vor; damit - so das Kalkül - wird die Auslastung deutlich besser als mit einer reinen Veranstaltungshalle. Er will 48 Millionen investieren. 27 Millionen entfallen auf den Kongressteil. FOTO: Wagener
Krefeld. Die Pläne des Krefelder Unternehmers Gerald Wagener wurden beim RP-Forum in der VHS lebhaft und kontrovers diskutiert. Von Carola Puvogel

Krefelds Herz schlägt nicht mehr: Mit dieser These zur Situation rund um das Seidenweberhaus hat Unternehmer Gerald Wagener gestern Abend seinen Vorschlag für einen Neuanfang am Theaterplatz der Öffentlichkeit vorgestellt. Rund 100 Bürger im überfüllten Muche-Saal der VHS verfolgten die Präsentation zum geplanten Kongresszentrum mit angeschlossenem Hotel, in das Wagener rund 48 Millionen Euro investieren will. Wagener machte deutlich, dass er als Unternehmer Geld verdienen will - "ich will am Ende mit mehr Euro in der Tasche nach Hause gehen, als ich gekommen bin" -, nahm für sich aber auch in Anspruch, dass er als Krefelder auch Krefeld voranbringen und ein neues Herz für die City schaffen will. Wageners Plan wurde lebhaft diskutiert, und zum Teil prallten die gegensätzlichen Meinungen von Befürwortern und Gegnern des Seidenweberhauses aufeinander.

Am Ende blieben Fragen offen, die zu klären fast eine Art Hausaufgaben für die Politik ist: Planungsdezernent Martin Linne hatte im Vorfeld der Veranstaltung öffentlich gesagt, man müsse das Projekt Neubau europaweit ausschreiben. Wagner und seine Fachleute beharren darauf: Nein; die Stadt könne auch direkt mit einem Investor ins Geschäft kommen, wenn keine öffentlichen Mittel verwendet werden; europaweite Ausschreibungen würden Investoren abschrecken. Sodann: Die Stadt geht von Abrisskosten von vier Millionen Euro aus. Wagner befürchtet: Es wurde Asbest verbaut; der Abriss würde damit erheblich teuer.

Thomas Speck, CEO des weltweit agierenden Unternehmens ArenaCom, verantwortlich für Stadion-Neubauten von Kasachstan bis Kenia, stellte die Entwürfe für den möglichen Neubau vor. Der Frankfurter bezeichnete das Seidenweberhaus als "Katastrophe" und schätzte die Zeit, die das Haus noch genutzt werden könne, auf zwei Jahre. Der neue, etwa dreieckförmige Bau, der sich wahlweise zum Theaterplatz oder zur St.-Anton-Straße mit einer geschwungenen, einem Webstuhl nachempfundenen Fassade, öffnen würde, könne "ein neues Wahrzeichen" für die Stadt werden, eine Stärkung der Marke Seidenweberhaus. "Der Theaterplatz soll so gestaltet werden, dass man wieder mit Lust und Laune hingeht und sich dabei auch sicher fühlt", erläuterte er.

Der Muche-Saal in der VHS war restlos überfüllt - teils standen die Zuschauer bis ins Foyer. Die Referenten waren (v.l.) Thomas Speck als Kenner vom Bau und dem Betrieb von Veranstaltungshallen, Gerald Wagener als Unternehmer und treibende Kraft sowie die Bauleiterin Katharina Kulla. Die Moderation lag beim Krefelder RP-Redaktionsleiter Jens Voß. FOTO: L.S.

Kongresszentrum mit modernster Technik, Einzelhandelsflächen, ein modernisiertes Parkhaus mit 300 Plätzen sowie ein Vier-Sterne-plus-Hotel mit 140 Betten sollen in dem mächtigen, fünfgeschossigen Komplex entstehen. Dieser würde deutlich höher sein als das Stadttheater oder die Mediothek, sagte Speck auf Nachfrage aus dem Publikum. Geplant seien ein "kurzer, prägnanter" Durchgang durch das Gebäude in Richtung des dahinter liegenden Platzes und auch ein Dachgarten mit Außengastronomie. Die Stadt habe bereits signalisiert, Flächen für ein Bürgerbüro anmieten zu wollen. Für die - von der Stadt favorisierte - Variante, dass die Rückseiten des Gebäudes im rechten Winkel zum Ostwall und zur St.-Anton-Straße ausgerichtet sind, würde die Zufahrt zum Parkhaus sowie der Zulieferverkehr vom Ostwall her erfolgen. Das Hotel soll im vierten Stockwerk Platz finden.

Wagener berichtete, er stünde mit drei renommierten Hotelbetreibern in Verhandlung, zwei davon hätten bereits einen so genannten LoI -Letter of Intend - unterzeichnet, also eine Absichtserklärung, in dem der Wille zum Abschluss eines entsprechenden Vertrags dokumentiert wird. Für Wagener deutliches Zeichen, dass ein solches Hotel in Krefeld gebraucht werde.

Wagener bekräftigte seine Überzeugung, dass faktisch jedes Jahr zweieinhalb bis drei Millionen Euro in das Seidenweberhaus fließen. Er berief sich auf Bilanzzahlen der Stadt, war damit im Saal aber umstritten. Wer nun recht hat, ist die zentrale Frage in der Beurteilung von Wageners Plänen. Die Architektin Katharina Kulla, die die Bauleitung für das Projekt übernehmen würde, erläuterte, warum private Investoren verlässlicher im Plan bauen können als die öffentliche Hand: "Wir können uns die Handwerker und Unternehmen, mit denen wir zusammenarbeiten, aussuchen und das Preis-Leistung-Verhältnis bewerten." Die Vergabeverfahren der Kommune seien deutlich länger, umständlicher und anfälliger für Fehlentscheidungen. Sie rechnet mit einer reinen Bauzeit von zweieinhalb Jahren. In der Diskussion wurde deutlich, dass es auch eine starke Fraktion der Befürworter des Seidenweberhauses in seiner gegenwärtigen Gestalt gibt. Ein Mann beklagte, dass das Seidenweberhaus nur schlechtgeredet und zwischen den Zeilen so getan werde, als sei der Abriss beschlossene Sache. Einem anderen kam die städtebauliche Thematik viel zu kurz. Die Befürchtung: Der hohe, wuchtige Neubau könnte die Umgebung dominieren, sich nicht ins Ganze fügen und Theater und Mediothek erdrücken. Er fragte sich auch, ob man die Drogenszene wirklich von dem Platz verdrängt bekommt. Ein Dritter stellte glatt in Abrede, dass Wageners Zahlen Hand und Fuß haben - "alles Augenwischerei", lautete ein Urteil. Unterm Strich wurde deutlich, dass es auch viel Wertschätzung für das Gebäude als einem Stück Krefeld gibt. Die Befürworter der Pläne sahen es als "Glücksfall" für Krefeld an, dass ein privater Investor die Initiative ergreift. Tenor: Ohne einen solchen Vorstoß gehen wieder Jahre ins Land, bis Entscheidungen fallen und sich etwas bewegt am Theaterplatz. Befürchtet wurde auch von einigen, dass die Kosten wie so oft bei öffentlichen Bauprojekten, aus dem Ruder laufen. Die Tatsache, dass ein Unternehmer ins Risiko geht, wurde demnach von vielen auch als klares Indiz gewertet, dass Wageners Pläne eben doch Hand und Fuß haben und realistisch sind.

Quelle: RP
 
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