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Krefeld
Ein neues Logo als Belohnung

Krefeld. Die CDU will das KR-Logo abschaffen. Der Vorschlag ist überfällig. Die Wort-Bild-Marke besitzt den Charme eines DIN-genormten Autokennzeichens, hat die lautmalerische Wirkung einer im Halse feststeckenden Fischgräte und beleidigt die Augen mit einer Farbe, die nach 20-jähriger Verspätung bei einer himmelblauen 70er-Jahre-Pril-Blume gepflückt zu sein scheint.

Bei der Geburt des Stadt-Logos im Jahr 1996 war es schon kein großer Wurf, und leider ist es auch mit der Zeit nicht fortentwickelt worden. Dieses Logo, das in Design-Lehrbüchern gute Dienste als schlechtes Beispiel leisten könnte, ist einer "Stadt wie Samt und Seide" nicht angemessen.

Zumal ausgerechnet dieser Stadt-Slogan, der Emotionen wecken soll, in dem Logo in einer der nüchternsten Schriftarten gesetzt wurde, die Typodesigner seit Erfindung der Höhlenzeichnungen gestaltet haben. Der WDR setzt die Schriftart Meta für seine Nachrichten ein. Da gehört sie hin.

Der Krefelder Kulturbereich boykottiert das städtische Logo seit Jahren, aus ästhetischen Gründen. Ob Stadttheater oder Museen – bei ihren Publikationen verzichten die Kulturschaffenden im Regelfall auf das himmelblaue "KR". Wenn aber ein für die Außenwirkung der Stadt so wichtiger Bereich auf die Dachmarke verzichtet, sollte diese Marke dann nicht überdacht werden?

Grundsätzlich ja. Aber bei ihrem Vorstoß hat die CDU-Fraktion wenig Fingerspitzengefühl bewiesen. Die Stadt drückt ein 60-Millionen-Loch. In wenigen Wochen werden die Politiker Gebührensteigerungen und Sparmaßnahmen für die Bürger beschließen. Da ist die Einführung eines neuen kostenträchtigen Logos ein schlechtes Signal. Besser: sich jetzt das neue Logo sparen. Und dann, wenn die Stadt nachweislich gespart hat, mit dem neuen Logo belohnen.

In der Zwischenzeit könnte der Vorschlag fortentwickelt werden, ob wirklich die Hochschule Niederrhein die neue Marke entwickeln soll. Davon ist abzuraten. Nicht, weil die FH nicht gute Arbeit leisten könnte. Sondern weil erfahrungsgemäß der Prophet im eigenen Land nichts wert ist.

Quelle: RP
 
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