| 00.00 Uhr

Krefeld
Ein Reitstiefel mit Swarovski-Steinen

Krefeld: Ein Reitstiefel mit Swarovski-Steinen
Kleine Kunstwerke: Diese Schuhe sind handgemacht. Senior-Chef Goswin Kempkens verkauft Reitstiefel und anderes Schuhwerk an der Lutherischen Kirchstraße. FOTO: Lammertz, Thomas (lamm)
Krefeld. Seit 50 Jahren ist die Schuhmacherfamilie Kempkens bei Chio Aachen dabei - als einziges Fachgeschäft dieser Art. Von Bärbel Kleinelsen

Wer bei Kempkens kauft, der fragt nicht nach Preisen. Für die in Handarbeit gefertigte Ware sind sie bereit, auch höhere Preise zu bezahlen. Menschen, die die Handwerks-Arbeit zu schätzen wissen, sind Reiter mit Leidenschaft, oft Profi-Sportler, auf jeden Fall aber Leute, die nicht auf den Cent achten müssen. Ihr Hobby ist ihre Leidenschaft, und da darf ein auf Maß gefertigter Stiefel auch mal 1200 Euro kosten - ohne Extras.

Reitstiefel in allen Formen, Farben und Materialien stehen in den dunklen Holzregalen des kleinen Ladens an der Lutherischen Kirchstraße, unweit des Rathauses. Fotos, Autogrammkarten und Zeitungsausschnitte schmücken die Wände. Sie zeigen Vater und Sohn Kempkens mit der Elite des Reitsports, mit hochkarätigen Politikern oder orientalischen Prinzessinnen. Was Rang und Namen hat, kauft bei der Pferde begeisterten Familie - und das schon seit Jahrzehnten.

"Wir sind in diesem Jahr zum 50. Mal beim Chio in Aachen dabei gewesen. Das Weltfest des Pferdesports ist eins, wenn nicht das bedeutendste internationale Turnier. Und wir sind der einzige Aussteller dort, der maßgefertigte Stiefel anbietet. Wahrscheinlich sind wir weltweit das einzige Fachgeschäft dieser Art", sagt Goswin Kempkens stolz.

Der Senior unterstützt seinen 37-jährigen Sohn bei der Geschäftsführung, die Peter Kempkens nun in der vierten Generation inne hat. "Mein Großvater, mein Vater, und ich selbst - wir sind alle Schuhmacher. Während mein Großvater ab 1881 die Husaren in der Garnisonsstadt Krefeld mit Reitstiefeln versorgt hat, hat sich mein Vater später auf die berittene Polizei spezialisiert. Ich habe dann mein Sortiment dem immer beliebter werdenden Pferdesport angepasst", erzählt der 74-Jährige. Sohn Peter wiederum hat seinen Schwerpunkt auf die Orthopädie gelegt und darf auch Einlagen herstellen.

"Früher waren Stiefel funktionell, schlicht, meist in braun oder schwarz gehalten, mit dunkelbraunen Stulpen, passend zum roten Rock des Reiters. Heute müssen sie schick und modisch sein. Viele Sportler lieben das Ausgefallene, nicht nur bei den Stiefeln. Auch die Farbigkeit der Reithosen hat zugenommen", berichtet Kempkens. Was früher undenkbar war, ist heute groß in Mode: blitzende Swarovski-Steine an der Außenseite des (Damen)-Stiefels als Hingucker. Und auch die Farben der Sponsoren müssen bei den Profi-Sportlern berücksichtigt werden. Die Krefelder Schuhmacher passen sich den Wünschen ihrer Kunden an und gehen mit der Zeit.

"Es gibt sehr viele Profi-Reiter, die nur bei uns kaufen. Da wir Kunden weltweit haben, ist es wichtig, dass wir bei allen bedeutenden Turnieren vor Ort sind. Es geht nicht nur ums Verkaufen, sondern auch um Reparaturen. Stiefel, wie wir sie anfertigen, können meist problemlos ausgebessert werden und halten Jahre, wenn nicht Jahrzehnte. Wir machen während der Championships Aachen mit unseren 15 Mitarbeitern sogar Nachtschichten, um reparierte Stiefel am nächsten Tag wieder an den Kunden ausliefern zu können", sagt Goswin Kempkens.

Rund eine Woche reine Arbeitszeit steckt in jedem neuen Stiefel. Je nach Sportart ist er geschmeidig wie ein zweiter Strumpf (Springreiter) oder an der Außenseite hart und innen ganz weich (Dressurreiter). Für den Winter sind die Stiefel mit weichem Lammfell gefüttert "Frauen und Reitlehrer haben oft kalte Füße". Passend zu den Schuhen und Stiefeln gibt es im Krefelder Laden Ledergürtel und andere Accessoires.

Wer sich so dem Pferdesport verschrieben hat, der ist auch selbst begeisterter Reiter. Der 74-Jährige lächelt. "Stimmt. Ich selbst habe auch bei Turnieren mitgemacht, mein Sohn ebenfalls. Meine Schwiegertochter hat in Düsseldorf einen Reitstall, den sie von ihren Großeltern übernommen hat. Natürlich sind auch meine beiden Enkel schon angesteckt und haben Ponys, auf denen sie ihre ersten Erfahrungen sammeln."

Worüber sich Sohn und Schwiegertochter kennengelernt haben, liegt da natürlich auf der Hand. "Meine Schwiegertochter hat sich für unsere Reitstiefel interessiert. So hat sie meinen Sohn getroffen, und es gab von Anfang an genug Gesprächsstoff."

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Krefeld: Ein Reitstiefel mit Swarovski-Steinen


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.