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Krefeld
Ein Spaziergang durch Krefeld-Ost

Krefeld: Ein Spaziergang durch Krefeld-Ost
Auf dem Kreisverkehr am Hardenbergplatz: Manfred Grünwald, Vorsitzender des Bürgervereins Krefeld-Ost und des AKB. FOTO: RP-Foto. Lothar Strücken
Krefeld. Die Leute dort sind nicht reich, es gibt teils unwirtliche Straßen - aber das Viertel kommt voran; es gibt auch dort schöne Fassaden, schöne Hinterhöfe - und schöne Projekte. Ein Spaziergang mit dem Bürgervereinsvorsitzenden Manfred Grünwald durch ein Quartier, das einen zweiten Blick lohnt. Von Jens Voss

So etwas passiert nur, wenn man zu Fuß unterwegs ist: In einem Hof an der Hardenbergstraße kommt man ins Gespräch mit Siegfrid Piede, einem Rentner, der dort, wie er lächelnd sagt, sein kleines Paradies zusammengestellt hat: eine Garage voller Spielzeug, teils nagelneu, teils gebraucht, aber gut in Schuss. "Alles vom Sperrmüll gesammelt - es ist schon interessant, was die Leute wegschmeißen", sagte er. Piede erzählt noch, dass er 30 Jahre lang bei Dextro gearbeitet hat und gibt den Spaziergängern gleich noch eine ordentliche Portion des Traubenzuckers mit, mit dessen Hilfe Generationen von Schülern Klassenarbeiten und Klausuren durchgestanden haben. Wir sind unterwegs im Ost-Bezirk mit Manfred Grünwald. Er ist seit November 2014 Vorsitzender des Bürgervereins Krefeld-Ost und seit März neuer Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Krefelder Bürgervereine (AKB), dem 29 Bürgervereine angeschlossen sind. Den Osten kennt Grünwald wie seine Westentasche - er lebt dort seit 1970 mit kurzen Unterbrechungen in einer Wohnung an der Schwertstraße. Welche Themen will er voranbringen, in seinem Bezirk wie überhaupt in der Stadt? "Die Bürger interessiert, wenn es um ihr Quartier geht, in erster Linie Sauberkeit und Sicherheit. Dann kommt erst einmal eine ganze Weile nichts und dann die Nachbarschaft", antwortet er.

Das Viertel zwischen Philadelphiastraße, Bahndamm, Grenzstraße und Uerdinger Straße ist ein in sich sehr uneinheitliches Gebilde. Es gibt schöne Wohnecken wie den Hardenbergplatz, es gibt Straßen wie die Schwertstraße, die fast unwirtlich aussehen, weil kein Baum und kein Strauch das Straßenbild belebt, wo aber normale Leute wohnen; und es gibt schlimme Wohnungsbordelle, die von außen kaum als solche zu erkennen sind.

Die Leute in dem Viertel sind nicht auf Rosen gebettet, nicht reich, aber die meisten sind normale Leute, die wie alle in Ruhe und ansprechend leben und wohnen wollen: Am Haus Seidenstraße 54 ergibt sich ein Gespräch mit Anwohnern - das Mietshaus ist tadellos in Ordnung, und im Hof öffnet sich ein schöner, gepflegter Garten. Die Tiefgarage ist ein Problem, berichten die Anwohner - sie ist offen, und so lungern da manchmal Junkies oder sonstwie Leute herum, die da nicht hingehören. Nicht schön für die Mieter, die eigentlich in einem schönen Haus mit einem schönen Hinterhofgarten wohnen und sich auch um die Erscheinung ihrer Straße kümmern.

Eine Insel der Qualität, die das ganze Quartier stützt, ist nach Grünwalds Überzeugung die Baptistengemeinde, die in einem Komplex an der Seidenstraße residiert - Haus und Hof sind tipptop in Ordnung. "Die Baptisten sind eine Freikirche und keine Sekte", betont Grünwald; die Gemeinde leiste auch wichtige Stadtteilarbeit, biete etwa Nachhilfe für Kinder an. Zudem hat sie das Nachbarhaus erworben - wieder eine Immobile mehr in der Hand eines Besitzers, der sich kümmert. Richtig schön ist die Kita an der Florastraße - was von vorn hochgeschlossen und so gar nicht kitamäßig wirkt, öffnet sich nach hinten in einen großzügigen Hofgarten, der von einer schönen Backsteinmauer beschützt wird. Hier lässt sich's Kind sein. Grünwald ist voller Optimismus, dass sich das Viertel entwickeln wird. Drei große Projekte nennt er: Die Wohnstätte will auf dem 6200 Quadratmeter umfassenden Areal der ehemaligen Papiersackfabrik Behn zwischen Viktoria-, Hardenberg-, Dießemer- und Blücherstraße ein Wohnquartier errichten; der Architektenwettbewerb beginnt im Sommer - "wir bekommen hier hochwertige Architektur", sagt Grünwald.

Komplett umgestaltet und verschönert werden soll das Außengelände des Spielhauses an der Dießemer Straße, kurz SpieDie genannt. Der Jugendtreff soll einen Ballspielplatz bekommen, das Außengelände insgesamt attraktiver und spielfreundlicher gestaltet werden.

Schließlich nennt Grünwald auch private Initiativen: So wollen zwei Unternehmer ein Hinterhofareal an der Seidenstraße entkernen und ebenfalls mit Wohnbebauung aufwerten.

Pfiffige Lösungen - das ist ein gutes Stichwort. Der Ostbezirk ist darauf angewiesen - ebenso wie auf Hausbesitzer, die in Fassaden investieren. Die Straßen müssten dort, wo sie allzu trostlos wirken, aufgewertet werden: bewusst gestaltet, mit Parkbuchten und Grün-Inseln, vielleicht in Teilen gepflastert. "Preisgeben darf man ein solches Viertel nicht", sagt Grünwald, "dazu leben hier zu viele Menschen, denen etwas an ihrem Viertel liegt." Er will künftig mit dem Bürgerverein Krefeld-Ost seinen Teil dazu beitragen, das Viertel voranzubringen.

Quelle: RP
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