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Krefeld
Ein Staatsanwalt schwärmt von der Kunst

Krefeld. Axel Stahl sprach im Museum Haus Esters über seine Lieblingsbilder von Muche, Klinger und Eckmann Von Mojo Mendiola

Den alten Brauch, dass Besucher im Kaiser-Wilhelm-Museum in der Reihe "Krefelder sprechen über ihre Lieblingsbilder" künstlerischen Laien zuhören können, hat man jüngst wieder aufgegriffen, und jetzt folgte Oberstaatsanwalt Axel Stahl der Einladung von Kuratorin Magdalena Holzhey ins Haus Esters zur laufenden Ausstellung mit Werken aus der Grafischen Sammlung der Kunstmuseen.

"Ich frage mich auch in meinem Berufsleben öfter: Was macht das, was ich erlebe, eigentlich mit mir, wie prägt es meinen Blick aufs Leben. Und dieser Fragestellung bin ich auch auf meinem Gang durch die wunderbare Ausstellung ,Show & Tell' gefolgt", verriet Stahl vor seinem Vortrag. Und nicht ohne Humor bewies er, dass Kunst eine ganze Menge mit ihm macht, wenn er sich Zeit für sie nehmen kann.

Der Jurist begann mit der Grafik "Mondschein am See" von Otto Eckmann, einem Jugendstil-Opus, an dem er besonders schätzt, dass es den Betrachter erbauen und erfreuen kann. "Es ist ja nichts Schlimmes, wenn der Künstler einem die Welt ein bisschen schöner macht. Mir tut das gut", bekannte er selbstbewusst, ließ es dabei aber nicht bewenden. Zwei minimalistische Zeichnungen von Georg Muche aus dem Jahr 1945 hatten ihn ebenfalls besonders gefesselt. "In ihnen zeigt sich die Trost- und Hoffnungslosigkeit derer, die das Grauen der Nazi-Herrschaft und des Zweiten Weltkrieges überlebt haben und sich fragen, wie es weitergehen soll." Die Kunst als Reflex auf ihre Zeit und als Anregung für den Betrachter, sich ebenfalls Rechenschaft abzulegen über die Geschehnisse, die seine Epoche prägen - das sind die Aspekte, die ihn für Muches Arbeiten eingenommen haben.

An Max Klinger schließlich hat ihn fasziniert, dass ein Künstler gelegentlich sogar in die Zukunft schauen kann. Die Zeichnung "Eva und die Zukunft" entstand bereits 1880, als die Industrialisierung allgemein noch eher optimistisch gesehen wurde. Klinger aber nimmt die Mechanisierung des Menschen, die Massenproduktion und den Ersten Weltkrieg als dadurch erst mögliche Materialschlacht in seinem Bild visionär vorweg. Die Folgen einer Entwicklung zu erahnen und warnend aufs Bild zu bannen, empfindet Stahl als ganz besonders beeindruckende Möglichkeit der Kunst, Menschen zu erreichen und etwas in ihnen in Gang zu setzen.

Quelle: RP
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