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Krefeld
Ein Unterrichtshelfer auf vier Pfoten

Krefeld: Ein Unterrichtshelfer auf vier Pfoten
Jungen und Mädchen der Klasse 5a des Ricarda-Huch-Gymnasiums freuen sich über den neuen Schulhund Ronja. FOTO: Thomas lammertz
Krefeld. Kaum ist Verena Kroes mit ihrem Hund Ronja aus dem Klassenzimmer auf den Schulflur des Ricarda-Huch-Gymnasiums herausgetreten, entspannen sich die Gesichter vorübereilender Kollegen zu einem herzlichen Lächeln. Von Bianca Treffer

Schritte werden langsamer, und fast ein jeder beugt sich herab und hält kurz inne, um eine Streicheleinheit zu geben. Dafür gibt es einen Blick aus dunklen Kulleraugen, der voller Charme ist. Ronja heißt das kleine Wunder, das nicht nur Lehrer bezirzt, sondern auch die Schüler auf den Fluren begeistert. Wo sie auftaucht, wird es leiser, Gesichter strahlen und man hört es wispern: "Das ist unser Schulhund".

Vor der Klasse 5a stoppt Kroes. Kaum, dass die Deutsch- und Englischlehrerin steht, setzt sich die vier Monate alte Goldendoodle-Hündin neben sie und schaut ihre Besitzerin aufmerksam an. "Wir gehen arbeiten", sagt Kroes, klopf an und betritt die Klasse, in der noch die Gespräche hin und her summen. Das stoppt allerdings abrupt, als Kroes mit der blonden, wuscheligen Hündin an der roten Leine hereinkommt. Kinderaugen mustern Ronja neugierig, die sich daran überhaupt nicht stört. Frauchen hat nämlich sofort ihre Decke samt dem dazugehörigen Kuscheltier ausgepackt. Ronja legt sich hin und ist erst einmal mit dem Plüschtier beschäftigt. Leise Lacher werden laut, denn es ist zu niedlich anzusehen, wie sie mit dem kleinen Stofftier spielt. "Wisst ihr, wie sie heißt?", möchte Kroes von den Fünftklässlern wissen. "Ronja", kommt es gleich in vielfältiger Ausführung zurück.

Kroes nickt und beginnt ein wenig über Ronja zu erzählen, wozu auch die Frage gehört, ob jemand Angst vor Hunden hat. Ein Finger geht nach oben, aber nichtsdestotrotz hat auch der ängstliche Schüler nichts dagegen, wenn Ronja abgeleint wird. Ronja ist der erste Schulhund am Ricarda-Huch-Gymnasium und hat ihre Arbeit für erste Stunden in der Schule aufgenommen. "Ich gehöre zur Schulentwicklungsgruppe. Bei einem der Treffen bemerkte unser stellvertretender Schulleiter, dass er gerne mehr Tiere am Gymnasium hätte. Allerdings dachte er eher an Stabheuschrecken für den Biologieunterricht", erinnert sich Kroes.

Sie, selber Hundebesitzerin und seit Jahren im Tierschutz betreffend Pflegehundstelle im Einsatz, schlug aber ein etwas größeres Tier vor. Die Idee, einen Schulhund anzuschaffen, stieß auf Zustimmung. Kroes arbeitete ein Konzept aus und stellte es vor. "Eigentlich hätte nur die Schulleitung zustimmen müssen. Wir aber haben das Thema in die Lehrerkonferenz und Schulpflegschaftssitzung gebracht. Überall gab es grünes Licht", berichtet Kroes. Sie setzte sich explizit mit dem Thema auseinander, und bei dem Stichwort Allergien bei Kindern kam der Goldendoodle ins Spiel. Die Kombination aus Golden Retriever und Pudel verliert so gut wie keine Haare, soll damit nahezu keine allergischen Reaktionen hervorrufen und hat zudem auch einen sanftmütigen Charakter.

Kroes kontaktierte eine Züchterin im Münsterland, wo am 14. Februar Ronja geboren wurde. Mit zehn Wochen zog Ronja bei ihr ein, wo auch schon die zwölf Jahre alte Mischlingshündin Luna lebt. Nicht nur Ronja muss nun eine Menge lernen. Kroes drückt mit ihr die Schulbank. Die beiden bereiten sich auf die Schulhundeprüfung vor, wobei es einen gemeinsamen praktischen Teil und einen theoretischen Teil für den Hundeführer gibt. Der Halter muss schließlich unter anderem auch erkennen, wann es für den Hund stressig wird, und er eine Ruhepause braucht. Wobei das Ricarda-Huch-Gymnasium eigens für Ronja einen Raum für Auszeiten zur Verfügung gestellt hat.

"Ich nehme Ronja schon als Welpen mit, damit sie alles kennenlernt, aber auch die Kinder die Chance erhalten zu sehen, wie ein Hund heranwächst", sagt Kroes. Zudem möchte sie, auch wenn das nicht notwendig für den Einsatz von Ronja als Schulhund ist, mit ihr die Begleithundeprüfung ablegen. In der 5a kennt die Begeisterung indes keine Grenzen. "Wir schreiben gleich eine Mathearbeit, und an die habe ich, seitdem Ronja hier ist, nicht mehr andauern denken müssen", sagt Josia. Noah findet es im Klassenraum viel ruhiger, seitdem Ronja da ist. Joans und Jule empfinden es beruhigend, den Hund im Zimmer zu haben. Ronja spürt dabei, wer einen Kontakt zu ihr haben möchte. Wo Kinderhände lockend nach unten gehen, trapst sie mit Erlaubnis von Kroes hin.

Der ängstliche Schüler muss sich hingegen keine Sorgen machen. Ronja kommt noch nicht einmal in seine Nähe, und er kann sie in aller Ruhe aus sicherer Entfernung kennenlernen und feststellen, dass man eigentlich keine Angst zu haben braucht.

Quelle: RP
 
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