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Kr wie Krefeld
Ein Wort zu den Stolpersteinen

Das ist der Künstler Gunter Demnig
Das ist der Künstler Gunter Demnig FOTO: Archivfoto: Achim Hüskes
Krefeld. Es war eine Peinlichkeit, die glücklicherweise rasch ausgebügelt wurde: Die Stadt wollte dem Künstler Gunter Demnig eine Gebühr für eine Ausnahmegenehmigung fürs Parken in Rechnung stellen (aus Versehen, wie es hieß), hat das aber abgewendet. Sei's drum - es ist ein Beispiel dafür, wie Stadtverwaltungen dazu neigen, die Fülle der Wirklichkeit auf Gebührenanlässe zu reduzieren. Berufskrankheit, wie wir sie alle auf die eine oder ander Weise haben.

Gravierender als dieser Vorfall sind immer mal wieder laut werdende Stimmen mit abschätzigem Unterton, wonach Demnig mit seinen Stolpersteinen ja vor allem eines tue: Geld verdienen. Ja, er verdient wie jeder Künstler mit seiner Kunst Geld, und das ist nicht anrüchig - ohne Geldverdienen gäbe es keine Kunst. Und Demnig ist als Künstler ernstzunehmen. Seine Stolpersteine sind mittlerweile ein deutsches Gesamtkunstwerk; zahllos sind die vielen Initiativen - oft Schulklassen -, die sich über die Stolpersteine mit dem Holocaust auseinandersetzen und seiner Opfer gedenken. Es gibt ästhetische Bedenken gegen das Konzept: Zu leicht sei es, die Steine zu übersehen, über sie hinwegzugehen - Kritiker sagen: Die Opfer werden damit ein zweites Mal geringgeschätzt.

Doch es gibt auch gute Gründe für dieses Konzept. Möge sich jeder im Stillen erinnern. Wer in Deutschland auf Reisen ist, sieht irgendwo bestimmt einen der Messingsteine; und der Reflex ist immer derselbe: Man kennt den Gesamtzusammenhang, historische Erinnerung blitzt auf, man umgeht den Stein, nimmt sich vielleicht Zeit, den Namen zu lesen - als Geste des Respekts.

Jauch und Raabe putzen Stolpersteine FOTO: dpa, Florian Schuh

Es ist nicht wenig, dass dieses Konzept mittlerweile bundesweit bekannt ist und täglich ungezählte Momente des Erinnerns stiftet. Es ist gut, wenn Demnig weitermachen kann, Geldverdienen inklusive. Denn es ist wichtig, sich an diesen Teil unserer Geschichte. vo

Quelle: RP
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