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Krefeld
Eine (un-)zensierte Ausstellung zu Beuys

Krefeld. Martin Lersch und Theo Windges thematisieren im Stadtarchiv den weltbekannten Aktionskünstler. Von Bärbel Kleinelsen

Meister Beuys, wie ihn seine Jünger nannten, war diskussionsfreudig, unbequem und stellte gerne Autoritäten in Frage. Zu seinem 30. Todestag am 23. Januar 2016 schuf Zeichner Martin Lersch 30 Bilder, die sich mit dem Werk des bedeutenden Aktionskünstlers auseinandersetzen. Es sind keine Beuys-kritischen Bilder, sondern Würdigungen seines außergewöhnlichen Lebens. Joseph Beuys hätte womöglich trefflich mit Lersch über seine Sicht der Dinge diskutieren können. Seine Witwe Eva Beuys jedoch lehnt alle künstlerischen Auseinandersetzungen mit den Werken ihres Mannes kategorisch ab und drohte nach Lerschs offizieller Anfrage mit juristischen Konsequenzen.

"Das ist Zensur. Anders kann man es wohl kaum ausdrücken", sagt Lersch und ist bis heute erschüttert über diesen Umgang der Erben mit dem Nachlass, zumal dieser so gar nicht zur Person Beuys passen will. Und so entschloss sich Lersch, die Zensur kurzerhand zum Thema seiner Ausstellung zu machen. Er verhängte jedes der 30 Bilder mit einem nur wenig kleineren und mit kurzen Informationen bedruckten Blatt. Zu sehen sind die Bilder erst, wenn mutige Besucher den Aufstand proben und die papierenen Vorhänge vorsichtig anheben.

"Es gab viele Museen, die trotzdem eine Ausstellung meiner Bilder aus Angst vor Konsequenzen ablehnten", erzählt Lersch. Krefeld gehört nicht dazu. Olaf Richter, Leiter des Stadtarchives, sah Lerschs ungewöhnliche Präsentation in Mönchengladbach und kam auf die Idee, sie mit den Fotografien von Theo Windges zu kombinieren, der Anfang der 1970er Jahre Beuys bei seinen Besuchen in Krefeld ablichtete. Die Fotos sind kein Problem und wurden von Beuys selbst für gut befunden. "Ich habe ihm einige meiner Bilder bei unserem zweiten Aufeinandertreffen 1974 geschenkt, und er war total begeistert. Als Dank hat er mich in sein Atelier nach Düsseldorf eingeladen. Dort sollte ich mir ein Objekt aussuchen. Aber ich Hornochse bin vor lauter Ehrfurcht nie hingefahren", sagt Windges.

86 Bilder hat Windges 1971, beim denkwürdigen Beuys-Besuch im Kaiser-Wilhelm-Museum, mit seiner Hasselblad geschossen. Für eine Draufsicht durch die Oberlichter des Museums demontierte Windges kurzerhand ein Fensterglas, durch das er die Kamera ins Innere des Raumes hielt und quasi blind abdrückte. "Es war ja damals nicht so wie heute, dass man unzählige Bilder machen konnte. Ich hatte genau zwölf Aufnahmen auf einem Rollfilm. Da musste ich ganz genau überlegen, ob sich das Motiv auch lohnt", erinnert sich Windges.

In der Ausstellung, die ab morgen im Stadtarchiv zu sehen ist, sind Fotos von beiden Beuys-Besuchen in Krefeld zu sehen, also von 1971 und 1974. Auf einem Bild sitzt sogar der junge Martin Lersch im Publikum. "Ich war damals 17 und hatte gerade mit meinem Studium an der Werkkunstschule Krefeld angefangen. Damals hat mich die Person Beuys fasziniert, auch wenn ich noch nicht viel von seinen Theorien verstanden habe. Das kam erst später, als ich mich mit seinen Schriften auseinandergesetzt habe." Aktuell setzt sich Lersch zwar wieder mit einer Beuys-Schrift auseinander - das Antwort-Schreiben von Eva Beuys ist ebenfalls ausgestellt - doch darauf kann er in Zukunft wohl getrost verzichten.

Quelle: RP
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