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Krefeld
Eine wahre Klangpracht - der "Messiah" im Seidenweberhaus

Krefeld. Selten erlebten die Zuhörer die gut sechzig Damen und Herren so präsent, ausgeglichen, koloraturfreudig und mit homogener, gut durchhörbarer Klangpracht wie beim "Messiah", dem berühmtesten Oratorium Georg Friederich Händels. Auch das ungewohnte originale Altenglisch schien den von Chordirektorin Maria Benyumova bestens vorbereiteten Vokalisten keinerlei Schwierigkeiten zu bereiten. Ein Ohrenschmaus! Von Heide Oehmen

Damit sollen die Leistungen der übrigen Mitwirkenden jedoch nicht geschmälert werden. Generalmusikdirektor(GMD) Mihkel Kütson, für den dieser Messias eine Premiere war, hatte die recht große Streicherbesetzung der Niederrheinischen Sinfoniker auf vibratoarmes, leichtfüßiges, sorgfältig artikuliertes Musizieren verpflichtet. Zwei Oboen, ein Fagott, zwei Trompeten und Pauken integrierten sich bestens. Ausgezeichnet - abwechselnd am Cembalo und einer kleinen Chororgel mit echten Pfeifen - Michael Preiser.

Abwechslungsreiche Klangeffekte erreichte der mit Emphase leitende GMD, der durchweg frische, doch nie überzogene Tempi wählte, indem er die Streicherbesetzung immer wieder einmal reduzierte - vor allem bei der Begleitung der Solisten.

Hier begeisterte Sophie Witte, deren leuchtender, dynamisch flexibler und koloraturfreudiger Sopran für "Erwacht, frohlocket" ebenso geeignet war wie für die glaubensstarken Aussagen in "Ich weiß, dass mein Erlöser lebet".

Für die Isländerin Agnes Thorsteins, erst jüngst ins Opernstudio aufgenommen, war der Messias die erste große Aufgabe, die sie mit aussagekräftigem Mezzo souverän meisterte.

Andrew Nolen wirkte sicher, aber nicht so recht koloraturgewandt in seinen Bassarien, wobei "The trumpet shall sound" besonders gefiel - nicht zuletzt wegen des brillanten Sekundierens von Jonathan de Weerd auf der Hoch-B-Trompete. Für den leider erkrankten Michael Siemon sang Markus Brutscher. Der bekannte Tenor mit der voluminösen Stimme setzte diese gern mit voller Kraft ein - auch wenn es - wie beispielsweise in der lyrischen Arie "Doch Du ließest seine Seele nicht in der Hölle" - eher unangemessen war.

Am Schluss des eindrucksvollen Konzertes wurden alle Mitwirkenden vom begeisterten Publikum mit Beifall überschüttet.

Quelle: RP
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