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Krefeld
Einzige China-Schule der Stadt boomt

Krefeld. Die Region pflegt immer mehr Wirtschaftsbeziehungen mit China. Das wirkt sich auch auf die chinesische Sprachschule "Mingde" aus. Genau 83 Kinder und Jugendliche chinesischer Eltern starten dort jetzt in ein neues Schuljahr. Von Christian Kandzorra und Norbert Stirken

Die Beziehungen Chinas zur niederrheinischen Stadt Krefeld sind schon etwa Besonderes: Das weiß inzwischen auch eine internationale Polit- und Wirtschaftselite. Bei G20-Gipfel in Hangzhou erwähnte Chinas Staatsoberhaupt Xi Jinping in seiner Eröffnungsrede Krefeld als einzige Stadt Europas namentlich. Am Beispiel der Seidenstadt machte er die Handelsbeziehungen seines Landes deutlich (wir berichteten). Mit Spannung wird in Krefeld derzeit der Baubeginn für das Chinese Trade & Culture Center mit Platz für 50 Handelsunternehmen an der Hafelsstraße im früheren Praktiker-Baumarkt erwartet. Andere Firmen wie XCMG sind schon vor Jahren nach Krefeld gekommen und haben viele Millionen Euro investiert.

Weniger im Fokus der Öffentlichkeit und der Wirtschaftsverbände steht die Tatsache, dass Krefeld über eine chinesische Schule verfügt. In der Woche gehen sie normal in eine deutsche Schule, samstags jedoch steht bei ihnen nur "Chinesisch" auf dem Stundenplan: Die Kinder und Jugendlichen der chinesischen Sprachschule "Mingde" am Berufskolleg Glockenspitz lernen dann drei Stunden lang Chinesisch zu sprechen, zu schreiben und zu lesen. "Bei uns werden derzeit 83 Schüler unterrichtet. Die meisten sind im Alter zwischen fünf und 15 Jahren", erzählt Shichang Wang. Er ist Vorsitzender der "Fördergesellschaft für chinesische Kultur und Bildung am Niederrhein", einer Elterninitiative, die die Sprachschule betreibt. Damit ist der 53-Jährige, der sonst an der Hochschule Niederrhein als Professor lehrt, auch der Schulleiter.

Nach den Sommerferien lief in dem Flachdachbau am Berufskolleg der Betrieb wieder an. Ziel der Sprachschule sei es, den Kindern Chinesisch als "zweite Muttersprache" beizubringen. "Unsere Schüler sind meist in Deutschland geboren. In der Regel hat ein Elternteil chinesische Wurzeln", erklärt der "Mingde"-Schulleiter, der von einer sehr "speziellen Lerngruppe" spricht. Viele Kinder könnten bereits durch den Familien-Alltag Chinesisch verstehen und sprechen und lernten in der Schule das Lesen und Schreiben. Viele Eltern legen Wert darauf, dass sich ihre Kinder etwa mit ihren Verwandten verständigen können.

Angefangen hatte die Schule vor rund 15 Jahren mit gerade einmal acht Kindern. "Inzwischen unterrichten wir acht Klassen", sagt Professor Wang, der für den Erfolg der Schule eine einfache Erklärung hat: "China öffnet sich seit Jahren. Heute ist China ein wichtiger Wirtschaftspartner für Deutschland und NRW. Die Wirtschaftsbeziehungen explodieren förmlich. Das zieht viele Menschen mit chinesischem Ursprung in die Bundesrepublik - und dadurch kommen auch immer mehr Kinder zu uns."

Das Angebot der Schule richtet sich an Familien aus der ganzen Region. Deren Kinder lernen in den meisten Fällen gerne die Sprache des Landes, in denen ihre Familien ihre Wurzeln haben. Im Pubertätsalter sind jedoch häufig die Eltern die treibende Kraft, die ihre Kinder zum Lernen der Schriftzeichen motivieren müssen. Trotzdem: Die Schüler in den Klassen machen einen disziplinierten Eindruck. Je älter sie sind, desto eher können sie einordnen, wie vorteilhaft es sein kann, Chinesisch zu lernen - gerade in den Zeiten, in denen immer mehr Unternehmen im Rheinland auf wirtschaftliche Beziehungen mit China setzen. Das bestätigen auch die Eltern. "Wer Chinesisch als zusätzliche Fremdsprache lernt, hat im Berufsleben oft bessere Perspektiven", meint ein Vater, der am Laptop arbeitet, während er in einem Nebenraum gemeinsam mit anderen Eltern auf sein Kind wartet. Einen der größten Vorteile sieht Mutter Danjing Klodwig darin, dass ihre drei Töchter sich immer besser mit dem Land auskennen, aus dem sie vor 18 Jahren nach Deutschland kam. "Meine Töchter können sich inzwischen gut mit Verwandten in China unterhalten", berichtet sie. Ihre älteste Tochter ist 17 Jahre und zählt damit zu den ältesten Jugendlichen, die an der Sprachschule unterrichtet werden. "Viele Jugendliche hören auf, wenn sie in die Oberstufe kommen, weil die Belastung für sie durch den zunehmenden Druck vor dem Abitur zu groß wird", erzählt Shichang Wang. Die Schule will ihre Lernmethoden deshalb weiter verbessern, damit die Schüler früh eine Basismenge chinesischer Schriftzeichen lernen - zwischen 1600 und 2000 Zeichen.

Ähnlich wie bei diejenigen, die Deutsch oder Englisch lernen, baue der Stoff in der China-Schule aufeinander auf. Zuerst lernen die Schüler die Grundlagen, später geht es immer mehr ins Detail - und in Projektwochen lernen die Schüler auch etwas über die chinesische Kultur.

Quelle: RP
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