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Krefeld
Eiserner Rhein: 80.000 Krefelder wären von Lärm betroffen

Krefeld. Auf den ersten Blick könnten die Positionen von Stadt Krefeld und Industrie- und Handelskammer nicht unterschiedlicher sein: Der sogenannte Eiserne Rhein - eine Schienenverbindung für den Güterverkehr aus den Nordseehäfen über Viersen und Krefeld nach Duisburg - entzweit die Parteien. Während die Kammer eine solche Verbindung im Interesse der Wirtschaft begrüßt, äußert die Kommune Bedenken. 80.000 Krefelder wären täglich von Lärm rund um die Uhr betroffen. Die vorgeschlagenen Alternativen sind ebenfalls nicht deckungsgleich. Beide lehnen jedoch die Variante des Bundesministeriums für Verkehr ab. Von Norbert Stirken

Der Rat der Stadt hat den Entwurf des Bundesverkehrswegeplans 2030, in dem die Vorhaben der kommenden Jahrzehnte beschrieben und priorisiert sind - zur Kenntnis genommen und die Verwaltung beauftragt, eine Stellungnahme nach Berlin zu schicken.

Im Bereich des Schienenverkehrs lehnt die Stadt den vorgeschlagenen Streckenverlauf des Eisernen Rheins ab. Dieser führe durch das dicht besiedelte Stadtgebiet. Es bestehe hier keine rechtliche und technische Möglichkeit, die betroffenen Menschen vor diesem Lärm zu schützen. Weiterhin werde die Bevölkerung durch die mit dieser Maßnahme möglichen zusätzlichen Güterverkehre erheblich erhöhten Erschütterungen und Gefährdungen durch Gefahrstofftransporte ausgesetzt. Zusätzlich sei davon auszugehen, dass der Personenschienenverkehr wegen einer begrenzten Trassenkapazität noch zunehmend in Konflikt mit dem Schienengüterverkehr gerate. Nicht zuletzt hätte ein erhöhtes Güterverkehrsaufkommen auch erhebliche Konsequenzen für den innerstädtischen Verkehr, der an vielen Stellen die Schienentrasse ebenerdig quert. Hier müsse mit deutlich längeren gerechnet werden.

Bei der strategischen Umweltprüfung verlangt die Stadt die Bewertung der A 52-Variante über Mönchengladbach hinaus bis mindestens zum Anschluss an die Bahntrasse Köln-Krefeld-Duisburg (in Höhe Kaarst). Durch diese Variante könne die Anzahl der beeinträchtigen Anwohner in Krefeld deutlich reduziert werden. Für die Ortslagen Krefeld-Oppum, Krefeld-Linn und Krefeld-Uerdingen sei jedoch weiterhin von einer hohen Lärmbeeinträchtigung auszugehen. Deswegen erwarte die Stadt einen höchst möglichen Schutz vor Beeinträchtigung der betroffenen Anwohner. Die Industrie- und Handelskammer kritisiert, dass einige Grundannahmen des BVWP von der tatsächlichen Entwicklung bereits überholt worden seien. Als Beispiel nennt er das Verkehrsaufkommen in den ZARA-Häfen (Zeebrügge, Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam). "Wir können nicht nachvollziehen, warum nicht mit aktuellen Daten gearbeitet wird." Schließlich dürfe man die Herausforderung, die in den kommenden Jahrzehnten infolge der Binnenentwicklung und durch die Umschlagssteigerung in den ZARA-Häfen auf die Region zukommt, nicht unterschätzen. "Deshalb müssen die Seehäfen mit den Hinterlandhubs, vor allem auch mit den Niederrheinhäfen, besser verknüpft werden", erklärt Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz.

"Überhaupt nicht nachvollziehbar ist die einspurige 'Viersener Kurve', die in den Entwurf eingebracht wurde", so Steinmetz. Dieses Projekt ist aus Sicht der IHK wegen zu hoher Kosten, zu geringer Leistungsfähigkeit und zu großer Widerstände nicht realisierbar. Entsprechend plädiert die IHK dafür, die Viersener Kurve aus dem Entwurf zu streichen. Stattdessen spricht sie sich weiterhin für die Fortführung des Eisernen Rheins entlang der Autobahn 52 bis zum Kreuz Neersen aus. Von dort aus könnte die Strecke entlang der Autobahn 44 bis zu den rheinischen Binnenhäfen geführt werden.

Quelle: RP
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