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Krefeld
Eiserner Rhein und Hafen haben für Chempark existenzielle Bedeutung

Krefeld. Krefelds größter Arbeitgeber zog für 2015 eine positive Bilanz. Das Investitionsvolumen stieg auf 152 Millionen Euro, 7473 Menschen haben am Standort Uerdingen einen Arbeitsplatz. Von Joachim Niessen

Der Chempark ist und bleibt Krefelds größter Arbeitgeber. Dieses positive Fazit zog gestern Chempark-Leiter Ernst Grigat mit Blick auf das Jahr 2015. Dazu kommt ein Investitionsvolumen von 152 Millionen Euro, das sind 61 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Und auch bei den Mitarbeitern vermeldet Grigat einen Zuwachs. Um 300 neue Kollegen ist die Stammbelegschaft gewachsen, knapp 150 zusätzliche Beschäftigte kamen bei den Dienstleistern dazu. Derzeit arbeiten am Standort Uerdingen 7473 Menschen, davon 5181 Mitarbeiter bei Chempark-Firmen und weitere 2292 bei Partnerunternehmen.

"Mit dieser Bilanz bin ich sehr zufrieden", so Grigat weiter. "Das stimmt mich zuversichtlich für die Zukunft. Es zeigt, dass die Unternehmen hier attraktive Rahmenbedingungen vorfinden. Einer unserer Vorteile ist die breite Verteilung auf eine Vielzahl kleiner Firmen." Von dieser Aufwärtsentwicklung profitiert nicht nur Krefeld, sondern der ganze Wirtschaftsraum. Das Jahres-Nettoeinkommen aller Beschäftigten entspricht einer Kaufkraft von mehr als 200 Millionen Euro.

Bei aller Zuversicht gab's vom Chempark-Chef aber auch einen kräftigen Schuss Wasser in den Wein. Denn weitere langfristig angelegte Investitionen seien keine Selbstläufer. So kritisierte Grigat die unklaren Perspektiven für die industrielle Erzeugung und Nutzung von Strom und Dampf: "Wir sind auf Zuverlässigkeit angewiesen." Sichtbarer seien die Probleme durch die mangelhafte Instandhaltung öffentlicher Verkehrswege. "Eine gut funktionierende Infrastruktur ist wichtig für alle weiteren Geschäftsaktivitäten. Für die Chempark-Standorte hat sie sogar existenzielle Bedeutung. Dies gilt insbesondere für die Autobahn-Situation im westlichen Nordrhein-Westfalen", erklärte der Leiter. Ein Beispiel sei die A-40-Brücke in Duisburg. "Der Mitte März vorgestellte Bundesverkehrswegeplan und der hierin vorgestellte Schwerpunkt auf unsere Region sind ein ganz wichtiges Signal. Jetzt ist es entscheidend, dass die budgetierten Milliarden mit Hochdruck ,auf die Straße' gebracht werden."

Allerdings könnte der neue Verkehrswegeplan für Krefeld zum Problem werden. Während es - laut Grigat - bei den Autobahnen "gerade noch so geht", sieht er bei Schiene und Wasser mögliche Schwierigkeiten: "Für uns ist es erforderlich, dass der Eiserne Rhein und die Betuwe-Linie ausgebaut werden. Für den Chempark sind die Seehäfen in Rotterdam und Antwerpen zentrale Standorte." Massive Sorgen macht sich Grigat um den Krefelder Hafen. An den 3,3 Millionen Tonnen, die dort jährlich umgeschlagen werden, ist der Chempark mit 1,9 Millionen Tonnen beteiligt. "NRW hat inzwischen das Konzept des ,landesbedeutsamen Hafens' entwickelt", so Grigat. Doch nach Gesprächen zwischen Verwaltung und Bezirksregierung sei nur ein Teil des Hafens in dieses Konzept integriert worden. Nach Meinung des Unternehmers könnte das für die Stadt und den Chempark gravierende Auswirkungen haben: "Das komplette Hafengebiet muss zweckgebunden werden, sonst könnte das zu negativen Auswirkungen führen."

Ein wichtiger Produzent in Uerdingen ist Covestro - vormals Bayer MaterialScience -, der seit dem 1. September am alten Standort unter neuem Namen firmiert. Die AG gab im Oktober ihr Debüt am Aktienmarkt. Klaus Jäger, Leiter der Covestro-Standorte in NRW, beschrieb gestern eine positive Entwicklung und verwies auf moderne Herstellungsverfahren in Krefeld. So testet der Werkstoffhersteller umweltfreundliche Verfahren zur Wiederverwendung von salzhaltigem Abwasser. Eine Pilotanlage wurde zum Jahresanfang in Betrieb genommen, sie spart pro Jahr bis zu 30.000 Tonen Salz ein, die Umwelt wird mit rund 6200 Tonnen Kohlendioxid weniger belastet. Und auch in einem weiteren Bereich setzt Covestro Maßstäbe: Ein neues Verfahren in der Uerdinger Chlorfabrik ermöglicht 30 Prozent Energieeinsparung gegenüber der bisherigen Technik.

Quelle: RP
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