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Krefeld
Elfrather See: Erster Praxistest für die Supernasen

Krefeld: Elfrather See: Erster Praxistest für die Supernasen
Der Suchhund steht am Bug des Schiffes der Krefelder DLRG. Nach 20 Minuten wird er abgelöst. Die Suche nach Wasserleichen ist für das Tier sehr intensiv. FOTO: DLRG
Krefeld. Auf dem Elfrather See probten drei vierbeinige Supernasen aus Kleve mit den Rettern der DLRG aus Krefeld, verborgene Wasserleichen aufzuspüren. Nach vierjähriger Ausbildung war das für die Hunde der erste echte Praxistest. Sie mussten Geruchsproben in fünf Metern Tiefe erschnüffeln und ihren Fund diskret Hundeführern anzeigen - schließlich könnten im Ernstfall Angehörige des Vermissten die Aktion beobachten. Von Martin Heuchel

Die Szene ist aus zahlreichen Filmen bekannt: Ein Suchhund schnuppert an Kleidungsstücken vermisster Personen und nimmt die Fährte auf. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) aus Krefeld und International Search and Rescue (ISAR) aus Kleve haben auf dem Elfrather See ein ähnliches Szenario geprobt - allerdings auf dem Wasser und nicht wie üblich an Land. Suchhunde sollen - so die Theorie - von Booten aus Wasserleichen aufspüren und den Tauchern die Bergungsarbeit erleichtern.

Da es in Kleve bisher keine entsprechend ausgebildeten Tiere gab, entschied sich die ISAR-Gruppe, vier Hunde "dual" für Land und Wasser auszubilden. Damit ein Hund alle Voraussetzungen für die Spurensuche erfüllt, bedarf es einer etwa vierjährigen Trainingszeit mit ihren Hundeführern. "Dabei werden die Tiere bei Übungen mit Geruchsproben in Ufernähe oder auf dem Wasser - wie bei der Übung mit der Krefelder DLRG - schrittweise an den Geruch der Wasserleichen gewöhnt", erklärt die Hundeführerin Dinah Holtzkamp. Nach zweieinhalb bis dreieinhalb Jahren seien die Tiere dann einsatzfähig, ganz abhängig davon, wie "triebig" der Hund sei. "Für die Tiere ist das eine tolle Herausforderung; man merkt ihnen den Spaß bei den Übungen richtig an - obwohl im Ernstfall der Anlass für den Einsatz natürlich ein Trauriger ist", erläutert die Hundeführerin.

Der erste Test an Bord eines Schiffes wurde Anfang August mit synthetischen Ködern durchgeführt, die den typischen Geruch von Wasserleichen abgeben und von einer englischen Firma hergestellt werden. Die Hunde stehen bei der Aktion am Bug der Boote und halten ihre "Spürnase" einfach über Bord. "Die DLRG-Hochwasserboote sind für den Einsatz mit Suchhunden prädestiniert", meint Bruno Schoeppe von der DLRG. Wenn sie etwas wittern, würden sich die Tiere einfach umdrehen und ruhig bleiben, so Schoeppe. "Im Ernstfall verunsichern sie so auch keine Angehörigen, die am Ufer stehen könnten. An Land machen sich die Suchhunde dagegen durch unruhiges Verhalten bemerkbar", erklärt er.

Beim ersten Testanlauf der Krefelder DLRG waren drei Tiere im Einsatz, die jeweils drei flüssige Köder aufspüren mussten, die im Wasser beziehungsweise in einem Behälter in fünf Meter Tiefe verteilt wurden. Über GPS wurde das Suchgebiet auf einem Laptop abgebildet und die abgefahrene Strecke dokumentiert. Zuvor sollten sie auch vier Köder an Land bzw. im Uferbereich aufspüren, was die drei Hunde ausnahmslos erfolgreich bewältigten. Anschließend wurde der Ernstfall dann an Bord der DLRG-Hochwasserboote geprobt. Auch in diesem Fall fanden alle Suchhunde die entsprechenden Köder und stellten damit ihren fantastischen Geruchssinn unter Beweis. Die Tiere arbeiten dabei hochkonzentriert, weshalb die Suche auf etwa 20 Minuten begrenzt wird. Anschließend können sich die Hunde in Ruhezonen erholen und zu Kräften kommen. "Ich war davon total begeistert", erinnert sich Schoeppe, der als Taucher bei Bergungs- und Rettungsaktionen selbst aktiv ist. "Für uns ist die Suche ziemlich aufwendig - gerade bei den schlechten Sichtverhältnissen unter Wasser", erklärt er. Ohne den Spürsinn der Hunde gebe es kaum einen Anhaltspunkt, wo sich die Leiche befinden könnte.

Für Schoeppe steht fest, dass sowohl DLRG als auch die ISAR von der Kooperation profitieren. "Die Übung wird in Zukunft mit Sicherheit wiederholt", sagt er.

Quelle: RP
 
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