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Krefeld
Energieagentur NRW von Museum begeistert

Krefeld: Energieagentur NRW von Museum begeistert
Ganzheitliches Klimakonzept im Kaiser Wilhelm Museum. Das Schema verdeutlicht die dezentrale Klimatisierung. FOTO: Brenne Architekten
Krefeld. Späte Ehre für die Stadt Krefeld als Bauherr, das Berliner Architekturbüro Brenne und mehrere Handwerksbetriebe: Die "EnergieAgentur NRW" macht das Kaiser-Wilhelm-Museum wegen seiner Energieeffizienz zum Projekt des Monats Januar 2018. Dabei ist das für 17,7 Millionen Euro renovierte und sanierte Haus bereits seit Juli 2016 wieder für die Besucher zugänglich. Von Norbert Stirken

Das Gebäude selbst und die im Kaiser Wilhelm Museum (KWM) gezeigte Kunst sind offensichtlich. Anderes wirkt im Verborgenen - wie Handwerkskunst und Planungskompetenz. Die "EnergieAgentur NRW" rückt jetzt - 18 Monate nach dem Ende der 17,7 Millionen Euro teuren Sanierungsarbeiten - die neue Klimatechnik des 1897 als Kunstgewerbemuseums eröffneten Hauses am Westwall in den Fokus. 18 Monate nach der offiziellen Wiedereröffnung macht die Energieagentur NRW GmbH das KWM wegen seiner Energieeffizienz zum Projekt des Monats Januar 2018.

Die Energieagentur ist ein privates Unternehmen und arbeitet im Auftrag des Landes Nordrhein-Westfalen zu allen Fragen aus dem Themenkreis Energieeffizienz, erneuerbare Energie und Klimaschutz. Neben dem Sitz in Düsseldorf gibt es weitere Hauptstandorte in Wuppertal und im Wissenschaftspark Gelsenkirchen.

Erstmals vor rund 120 Jahren eröffnet, sollte bei der grundlegenden Kernsanierung des KWM der Spagat zwischen technischer Modernisierung und gleichzeitiger Bewahrung des gründerzeitlichen Charakters bewältigt werden. Die Sanierung des historischen Gebäudes war aufgrund des undichten Daches, veralteter Fenster und des mangelhaften Brandschutzes nötig. Ein weiterer Grund der Modernisierung waren die fehlenden klimatisierten Ausstellungsräume - ein Muss für ein Museum mit wertvollen und alten Werken, da die optimale Temperatur und Luftfeuchtigkeit ohne geregelte Klimaanlagen in heißen Sommern oder kalten Wintern oft nicht gehalten werden kann.

Nach einem von der Stadt Krefeld ausgeschriebenen Architektenwettbewerb, wurde das Büro Brenne Architekten aus Berlin mit der Instandsetzung des Museums im Mai 2005 beauftragt. Am 1. Januar 2010 wurde das Museum geschlossen, die Bauarbeiten begannen im Juli 2012. Nach der dreieinhalbjährigen Sanierung wurde es schließlich am 3. Juli 2016 wiedereröffnet.

Im Vorfeld der Generalsanierung griff die Stadt Krefeld auf die Expertise des Instituts für Gebäude- und Solartechnik der Technischen Universität Braunschweig zurück, die das Museum mit Hinblick auf die Möglichkeiten der Klimatisierung erforschte. So entwickelte das Forschungsteam ein ganzheitliches Energiekonzept, mit dem Ziel bei den Klimatisierungsmaßnahmen möglichst wenig in die Gebäudesubstanz einzugreifen. Im Zuge der Sanierung konnte das gesamte Gebäude schließlich modernisiert und auf die internationalen Museumsstandards für Klima und Sicherheit gebracht werden. Dabei wurde der gesamte Museumsbau grundlegend entkernt und teilweise von der Rohsubstanz wieder aufgebaut. In diesem Zuge wurden Lichtgestaltung, Brandschutzsituation und - mit Schwerpunkt Energiebilanz - Heizungstechnik und Klimatisierung auf den neuesten Stand gebracht. Die Gebäudebeheizung basiert auf dem Energieträger Gas mit Brennwertkessel, unterstützt durch Geothermie. So wurden eine Kombination aus Wärmepumpenanlage und Gasbrennwertkessel installiert sowie ein Klimaboden, der sowohl wärmen und kühlen kann, und eine spezielle Fensterkonstruktion für den Luftaustausch angebracht. Dafür wurde ein Erdsondenfeld angelegt, welches im Winter über eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe die Grundlast für die Beheizung sicherstellt. Im Sommer hingegen kommen die Sonden für die Kühlung des Gebäudes zum Einsatz.

Bei der Installation des Klimabodens wurde auf ein sehr flach aufbauendes Warmwasser-Fußbodenheizungssystem der Herotec GmbH aus Ahlen zurückgegriffen, welches die herkömmlichen Heizungskörper ersetzt. Auf etwa 2300 Quadratmetern Ausstellungs-, Durchgangs- und Foyerflächen konnte so eine umfassende Flächentemperierung eingebaut werden. Ohne den architektonischen Anspruch des alten Gebäudes einzuschränken, war es möglich, durch das dünnschichtige System vorhandene Trennfugen zu berücksichtigen und zusätzliche einzubauen. Die Fußbodenheizung besteht dabei aus 14 Millimeter dünnen Foliennoppenplatten, die auf dem jeweiligen Verlegeuntergrund verklebt wurden. Die wasserführenden Rohrleitungen wurden anschließend in diese Platten eingelegt und fixiert, bevor alles mit einer speziellen Fließspachtelmasse in eine Überdeckung von nur etwa fünf Millimetern verfüllt wurde.

Der große Vorteil an der Fußbodenheizung, mit einer Leistung von 98 kW, ist demnach der geringe Aufbau: Die Gesamtdicke des Systemaufbaus beträgt letztlich nur 22 Millimeter. So muss sehr wenig Material zur Temperaturanpassung konditioniert werden - die erforderliche Wärme oder Kühlung kann also schneller als eine Standard-Fußbodenheizung oder gar eine Betonkern-Aktivierung geregelt und angepasst werden. "Dass der Klimaboden schnell zu regulieren ist, ist für ein Museum sehr sinnvoll", erklärt Joachim Decker von der Energieagentur NRW.

Entscheidend ist auch, dass durch die große Heizfläche eine geringere Vorlauftemperatur von 35 Grad Celsius gewählt werden kann und sich so eine gleichmäßigere Raumtemperatur einstellt. Da die Vorlauftemperatur bezüglich der Energieeinsparungen einer Heizung ausschlaggebend ist, wird auch das Kaiser-Wilhelm-Museum von den energetischen Umbaumaßnahmen langfristig profitieren: "Durch das Zusammenspiel von Wärmepumpe und Klimaboden lassen sich künftige Heizungskosten auf ein Minimum reduzieren", erklärt Ulrich Goedecke von der Energieagentur NRW.

Zu den Modernisierungsmaßnahmen der Klimatisierung gehörte auch die Installation einer speziellen Fensterkonstruktion, die einen geregelten Luftaustausch ermöglicht. Als Klimapuffer wurden Kastendoppelfenster mit neuen wärmedämmenden und einbruchssicheren Innenfenstern eingefügt und gleichzeitig die originalen einfach verglasten Außenfenster erhalten. Außerdem erfolgt die Zulüftführung nun verdeckt an den Fenstern, die an den Seiten eine Wandverkleidung erhalten haben hinter der sich die Klimatisierungstechnik verbirgt. Im Dachbereich erfolgte außerdem eine Wärmedämmung auf den nicht verglasten Dachflächen. Zum ganzheitlichen Energiekonzept für das Museum gehört ebenfalls, dass die entstandene Abluft über den Wärmetauscher heruntergekühlt und der Wärmepumpe zugeführt wird und so eine Wärmerückgewinnung ermöglicht. Durch die klimaeffizienten Maßnahmen erfüllt das Kunstmuseum heute die internationalen Museumsstandards für Raumtemperatur und Luftfeuchte von etwa 20 bis 22 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von 50 bis 55 Prozent.

Quelle: RP
 
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