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Krefeld
Erfinder der Krefelder Promenade mahnt: Nicht die Idee zerreden

Krefeld. Herbert Gaspard hat 1999 als Architekt im Planungsamt den ersten Entwurf für die Krefelder Promenade vorgelegt. Umgesetzt wurde fast nichts. Er hat Sorge, dass die Idee weiter zerredet wird. Von Jens Voss

Während die jüngste Debatte um die Krefelder Promenade sich auf den Verlauf durch Uerdingen und die Anbindung an den geplanten Radschnellweg außerhalb Krefelds konzentriert, plädiert der Erfinder der Promenade, der frühere stellvertretende Planungsamtsleiter Herbert Gaspard, dafür, die Idee nicht zu zerreden. Er sieht zudem in der Verbindung von Promenade und Radschnellweg einen Bruch in der Konzeption. "Man sollte da oben eigentlich in parkähnlicher Manier Müßiggang pflegen. Die Verbindung mit dem Radschnellweg könnte Unruhe und sogar Gefahrensituationen mit sich bringen", sagt Gaspard im Gespräch mit unserer Redaktion.

Der Architekt Herbert Gaspard, der bis 2004 im Planungsamt den Entwurf für die Krefelder Promenade verantwortet hat. Er hat sich von einem Vorbild aus Paris inspirieren lassen. FOTO: Lothar Strücken

Die Pläne, die jetzt so heiß diskutiert werden, sind eigentlich komplett fertig in der Schublade. Gaspard hat im März 1999 als verantwortlicher Planer einen detaillierten Entwurf vorgelegt. Er macht keinen Hehl aus seiner Enttäuschung, dass bis heute so gut wie nichts von all dem umgesetzt wurde. Zudem befürchtet er, dass die neu aufgeflammte Debatte weitere Verzögerungen bringt: "Man hätte zumindest dort, wo Einigkeit besteht, anfangen können", sagt er und mahnt: "Macht es nicht so kompliziert."

Detail 1: So sollten Balkone als Ruhe- und Aussichtspunkte entlang der Promenade aussehen. FOTO: vo

Gaspard hat sich von der "Promenade Plantee" in Paris inspirieren lassen, die auf ehemaligen Gleisen angelegt wurde. Er war sogar in die französische Hauptstadt gereist, um dieses Projekt zu studieren. "Das Ziel dieser Promenade ist es, Müßiggang zu ermöglichen. Dort sind Menschen, in einem Buch lesend, spazierengegangen", erinnert er sich und ist heute noch sichtlich begeistert von diesem Bild. Diese Entschleunigung verträgt sich seiner Überzeugung nach nicht mit dem Radschnellweg-Ideal. Auch den Vorschlag des Grünen-Ratsherrn Daniel John, die Promenade in Uerdingen durch den Ortskern zu führen, hält Gaspard für abwegig. "Was wollen Sie denn durch die Fußgängerzone fahren?", fragt er. Ursprünglich war der Promenadengedanke Teil einer Modernisierungsoffensive für Flächen der Bahn; Leitbild war es, "Stadt- und Bahnperspektiven" zu eröffnen. "Es ging auch um den Gedanken, Landschaft und Stadt zusammenzuführen", berichtet Gaspard - 50 Prozent der Promenade sollte über Stadtgebiet führen, die andere Hälfte den Blick in die Landschaft eröffnen. Der Entwurf von 1999 war auch auf die Stadtteilkonzepte abgestimmt. "Wir waren sehr weit", resümiert der Architekt, der 2004 aus dem Dienst ausgeschieden ist. Wie euphorisch die Stimmung seinerzeit gewesen ist, zeigt das wohl ambitionierteste Projekt zur Promenade, das 2001 der Künstler Klaus Gärtner vorgelegt hat. Er wollte an neun Punkten der 13 Kilometer langen Strecke sogenannte "Museumsfragmente" anbringen - gemeint waren Strukturelemente der Häuser Lange und Esters, und zwar in voller Größe. Es wären begehbare Großskulpturen gewesen, die die langgestreckte Struktur der Promenade in einen künstlerischen Entwurf eingebunden und die Mies-van-der-Rohe-Tradition in Krefeld zum Ausdruck gebracht hätten. Ein schöner Traum, bislang.

Zu Gärtners Konzept: http://kultur-in-krefeld.de/ kulturhistorie/oeffentlicher-raum/museumsfragmente/

Quelle: RP
 
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