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Krefeld
Erfinder verteidigt das Zentrenkonzept

Krefeld. 13 Jahre war Diethard Ewald Leiter des Bauordnungsamtes und hat ein Konzept miterfunden, wonach der großflächige Einzelhandel nur in bestimmten City-Bereichen angesiedelt wird. Dieses Konzept verhindert jetzt eine Investition im Südbezirk. Von Sebastian Peters

Diethard Ewald kennt all die Argumente der Kritiker. Er hat sie immer wieder gehört: Das von ihm mit erdachte Zentrenkonzept würde Investitionen in Krefeld verhindern, es bremse die Stadtentwicklung mehr, als dass es sie stärke. Diethard Ewald, von 1981 bis 1993 Leiter des Bauordnungsamtes, aber entgegnet: "Das Zentrenkonzept war ein Segen für die Stadt. Die City hätte sich niemals so gut entwickelt wie sie sich jetzt entwickelt, wenn wir nicht damals das Zentrenkonzept erfunden hätten."

Vor wenigen Wochen stand das Zentrenkonzept in Krefeld mal wieder im Fokus der Kritik. Im Südbezirk will ein Kevelaerer Projektentwickler drei Millionen Euro in den Bau eines Supermarktes neben der Feuerwache investieren. Die Krefelder Stadtverwaltung hat ihm mitgeteilt, dass die Entscheidung über die Bauvoranfrage für zwölf Monate zurückgestellt worden sei.

Üblicherweise, so Jens Blix als zuständiger Projektentwickler von Schoofs Immobilien aus Kevelaer, würde auf diesen Bescheid eine Veränderungssperre erfolgen, so dass der Supermarkt nicht gebaut werden kann. Er fürchtet, dass das Zurückstellen der Bauvoranfrage dass Aus für sein Projekt bedeutet.

Die Politik im Südbezirk ist, gelinde gesagt, verwirrt. Sie würde eine Entwicklung an der Feuerwache begrüßen.

Diethard Ewald war von Anfang an dabei, als das Zentrenkonzept erdacht wurde, im kleinen Kreis von vier Leuten, mit Beteiligung des Einzelhandels. Bis in die Siebziger Jahre hinein hätten die großen vier, Möbelhäuser, Autohäuser, Gartencenter und Baumärkte, teilweise noch mitten in der Innenstadt ihre Filialen gehabt, berichtet Ewald. In der Innenstadt gab es beispielsweise die Möbelhäuser In der Elst und Bossems, am Ostwall gab es ein Autohaus, auch die ersten Baumärkte lagen in der City.

"Es kam aber in den Siebzigern eine Zeit, da wollten immer mehr große Einzelhändler auf die grüne Wiese. In der City gab es keinen Platz mehr für sie. Die wollten nach draußen, und wir in der Verwaltung fragten uns: Wohin?" Da habe sich in der Verwaltung eine "Denksportgruppe" gegründet, sagt Ewald. Der Gedanke damals: Es muss kanalisiert werden, es muss an Orte, wo es nicht zentrumsschädlich ist, und es muss an Orten konzentriert werden. "Dieses Zentrenkonzept war immer ein Ritt auf der Rasierklinge, denn immer wieder kamen die Investoren auf die Politik zu und nannten Investitionssumme und die Zahl der Arbeitsplätze als Argument." Die Verwaltung legte sich damals auf die beiden Entwicklungsgebiete Mevissenstraße und Hafelsstraße fest. An der Mevissenstraße siedelte sich auch der Allkauf an, an der Hafelsstraße Divi - beide sind heute Realmärkte. Neben diesen großen Gebieten gab es noch die Nebenzentren in den Stadtteilen - auch dort wurden Ansiedlungen erlaubt. Es gab Ausnahmen, wo mit begründeten Argumenten von diesem Konzept abgewichen wurde, sagt Ewald. Dessen müsse man sich bewusst sein. "Das Zentrenkonzept muss man als einen Handlungsrahmen verstehen, nicht als parzellenscharfes Regelwerk." Generell aber habe sich die Strategie bewährt.

Es gebe eben auch Entwicklungen, die nicht mit dem Zentrenkonzept vereinbar seien, merkt Diethard Ewald kritisch an. Dies sei im Südbezirk bei der neuen Planung der Fall. Problematisch ist aus seiner Sicht die neue Ansiedlung von neuen Discountern an Stellen, die nicht im Zentrenkonzept vorgesehen sind - also an nicht integrierten Standorten wie an der jetzt vorgeschlagenen Stelle im Südbezirk neben der Feuerwehr. "Man muss sich vor Augen halten, dass beispielsweise der Discounter Aldi der drittgrößte Textiler in Deutschland war." Insbesondere das Nebensortiment der Discounter würde die City schwächen. Laut Zentrenkonzept sind Ansiedlungen bis 700 Quadratmeter Verkaufsfläche für Discounter auch außerhalb der definierten Zentren erlaubt - allerdings würden viele Unternehmen zu einem Trick greifen. Der Rest der Fläche wird dann einfach als Lagerfläche ausgewiesen und erst nach und nach zur Verkaufsfläche. "Es ist ein Trend, dass die Unternehmen weniger Lagerfläche brauchen, weil heute mit einem Anruf neue Ware schnell angeliefert werden kann."

Ewald gibt auch zu bedenken, dass ein neuer Edeka-Markt nördlich der St.-Anton-Straße in der neuen Sparkasse nicht mit dem Zentrenkonzept vereinbar sein könnte. "Die St.-Anton-Straße ist nach diesem Konzept die nördliche Grenze für die City. Wenn es nur ein Lebensmittler ist, der nicht vom Nebensortiment lebt, dann ist das alles erträglich. Bei der Genehmigung muss man aber politisch sehr aufpassen."

Quelle: RP
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