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Krefeld
Erstmals Chefin an der Grotenburgschule

Krefeld: Erstmals Chefin an der Grotenburgschule
Zwei Wasserballerinnen: Sybille Kaisers (l.) und Tanja Vennemann. FOTO: bk
Krefeld. Mit viel Humor wurde gestern Tanja Vennemann als Schulleiterin der Grundschule an der Eichendorffstraße eingeführt. Von Bärbel Kleinelsen

Lange war die Grotenburgschule fest in männlicher Hand. Seit gestern ist es offiziell mit der Herr-schaft vorbei. Die erste Rektorin der Grundschule an der Eichendorffstraße, von Kollegin Sybille Kaisers als "Super-Schulleiterin" beschrieben, heißt Tanja Vennemann. Mit der Rektorenstelle hat sich für die zweifache Mutter ein Kindheitstraum erfüllt. "Ich habe ein für mich sehr wichtiges Lebensziel erreicht", sagte sie gestern bei der offiziellen Amtseinführung in der Sporthalle der Grotenburgschule.

Die gebürtige Uerdingerin hatte zu diesem offiziellen Akt eigentlich einen alten Schulfreund erwartet, der sein Kommen bereits vor Jahren bei einem Klassentreffen zugesagt hatte: Oberbürgermeister Frank Meyer. Nun wollte es das Schicksal jedoch anders. Als Vertretung für den an Grippe erkrankten Oberbürgermeister kam Beigeordneter Gregor Micus, dem der Termin offensichtlich viel Freude bereitete. "Ich bin immer wieder gerne hier, denn die Grotenburgschule strahlt besonders viel Energie und Lebensfreude aus."

Eine neue Ära beginnt: Mit Tanja Vennemann hat die Grotenburgschule zum ersten Mal eine Schulleiterin. Beigeordneter Gregor Micus gratulierte in Vertretung von Oberbürgermeister Frank Meyer. FOTO: Thomas Lammertz

Schon früh, so Micus, sei bei Tanja Vennemann der Wunsch gereift, Lehrerin zu werden. Für die ersten Versuche an einer kleinen Tafel im heimischen Kinderzimmer hätten der vier Jahre jüngere Bruder und eine Cousine herhalten müssen. Geprägt worden sei sie aber auch durch die besonnene und ruhige Art ihrer Klassenlehrerin am Uerdinger Stadtparkgymnasium.

Nach dem Abitur studierte Vennemann in Essen Mathematik, Deutsch und Sport auf Lehramt. "Ihr ist es nicht leicht gemacht worden. Katja Vennemann musste immer arbeiten, um ihr Studium zu finanzieren. Mal jobbte sie bei Bayer, gab Kindern Schwimmunterricht und vertrieb sogar Schnaps als Handelsvertreterin", erzählte Micus. Ihre ersten Erfahrungen als Lehrerin machte die Uerdingerin im Refrendariat in Rheinhausen, bevor sie nach Krefeld zurückkehrte und an der Heinrichs- und der Ter-Mer-Schule unterrichtete.

Nach der Elternzeit wechselte die junge Mutter an die Grotenburgschule und stellte sich der Herausforderung, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Unterstützt wurde sie dabei von Schulleiter Horst Mevißen, der die Kollegin von Anfang an ermutigte, ihr Lebensziel zu verwirklichen. Schon bald wurde Tanja Vennemann Konrektorin. Seit der Pensionierung ihres langjährigen Chefs hat die Pädagogin auch die kommissarische Leitung der Schule an der Eichendorffstraße übernommen.

Wer es bisher noch nicht wusste, weiß es spätestens seit gestern. Tanja Vennemann ist nicht nur "Super-Schulleiterin", sie ist auch erfolgreiche Wasserballerin - ebenso wie Kollegin Sybille Kaisers, die in dem für diese Sportart typischen Outfit, gehüllt in einen roten Bademantel, vors Rednerpult trat. Sie stellte fest, dass Tanja Vennemann einen Hang zu unbeliebten Dingen habe. So sei Wasserball nicht wirklich beliebt ("keiner möchte das spielen"), genauso wenig wie es der Lehrerberuf sei (Kein Mensch will mehr Lehrer werden"). Auch aus finanzieller Sicht sei die sportliche und berufliche Wahl nicht unbedingt als optimal zu bezeichnen, würde man daran denken, was Profi-Fußballer verdienten - oder aber auch Star-Anwälte.

"So mögen manche denken: Die arme Frau Vennemann, macht erst eine unbeliebte Sportart und wird dann auch noch Schulleiterin. Aber dem ist nicht so. Frau Vennemann ist eine tolle Kämpferin und eine faire Team-Playerin. Es beginnt mit ihr eine neue Ära, auf die wir uns sehr freuen", sagte Kaisers und die Kolleginnen skandierten den Wasserballer-Ruf: "Dreifach Gut Nass!"

Für die kommenden Jahre hat sich die neue Rektorin viel vorgenommen. Sie möchte die Digitalisierung an der Grotenburgschule vorantreiben, die tägliche Bewegung der Kinder im Unterricht fördern und vor allem die dringend notwendigen baulichen Maßnahmen anpacken.

Die Energie für all diese Projekte schöpft sie in der Familie. Ohne ihren Mann, so Tanja Vennemann, sei das alles nicht möglich gewesen. Bereits seit 26 Jahren ist er an ihrer Seite und unterstützt sie bei der Erreichung ihres Traums. Ein Traum, der gestern auch ganz offiziell in Erfüllung gegangen ist.

Quelle: RP
 
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