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Krefeld
Europas Videospiel-Elite trifft sich in Krefeld

Krefeld. Auf mehr als 2000 Quadratmetern hat die Firma "TakeTV" an der Alten Linner Straße ein Filmstudio für Videospiele eingerichtet. Zur Eröffnung kämpfen Teams aus Osteuropa, Dänemark und Deutschland um 40 000 US-Dollar Preisgeld. Von Ludwig Krause

Am Eingang heißt es für alle erst einmal: Schuhe ausziehen. "Wir wollen das Gefühl eines großen Wohnzimmers vermitteln. Da soll sich jeder so auf den Sofas und Sesseln hinsetzen können, wie er es möchte", sagt Dennis Gehlen. Der 29-Jährige hat an der Alten Linner Straße das geschaffen, wovon viele kleine Jungs wohl träumen. Zumindest solche, die schon einmal ein Videospiel in den Händen gehalten haben. Auf mehr als 2000 Quadratmetern hat Gehlen die "TakeTV Studios" eingerichtet.

Wo früher ein Sportartikel-Hersteller Schweißbänder und Fußbälle unter die Leute gebracht hat, weht heute ein Hauch vom Sillicon Valley durch die Räume. Bildschirme und Kameras wohin man schaut - vor allem aber Videospielkonsolen und Rechner der neuesten Generation. "Bei uns sollen regelmäßig die besten Computerspieler der Welt gegeneinander antreten. Die Spiele werden dann live über das Internet übertragen", sagt Gehlen.

Wenn der reguläre Betrieb am Montag, 10. August beginnt, sollen in erster Linie aber Gamer, wie sich Videospieler selbst nennen, eine Heimat an der Alten Linner Straße finden. Auf dem dunklen Parkett tummeln sich Lounge-Sessel und Sitzsäcke, daneben stehen Kicker-Tische, ein Flipper und eine Popcorn-Maschine. Sogar einen eigenen kleinen Kinosaal hat man bauen lassen. Erfrischungen gibt es an der grün leuchtenden Theke, die viel mehr in eine In-Bar passen mag, als zwischen Pizzadienste und einen Laden, der Flaggen aller Art anpreist. Vielleicht macht aber genau das die Atmosphäre aus. "Ich steh' auf so verrückte Sachen", meint Dennis Gehlen.

Zur großen Eröffnung der "TakeTV Studios" in Krefeld tritt bis zum kommenden Sonntag aber erst einmal die Videospiel-Elite Europas im Spiel "Counterstrike: Global Offensive" gegeneinander an. Über drei Monate haben zwölf Teams um die acht Finalplätze gekämpft. Sie stammen aus Deutschland, aber auch aus Dänemark oder Bulgarien. Die Partien können insgesamt bis zu drei Stunden dauern. Ein Team versammelt Spieler aus Russland, der Ukraine und Kasachstan. Schon längst werden sie von Sponsoren für das Spielen bezahlt.

Das Interesse am elektronischen Sport ist in den vergangenen Jahren explosionsartig gestiegen. Gehlens Unternehmen "TakeTV" verdient in erster Linie mit dem Produzieren, Kommentieren und Übertragen der Videospiele Geld. Mehrere Stunden pro Tag senden sie live im Internet, bis zu 20 Mitarbeiter sind in der Firma angestellt. Gehlen hat selbst als professioneller Gamer angefangen, entschied dann aber, die Seiten zu wechseln. "Mittlerweile kann man viel mehr Geld verdienen als zu meiner aktiven Zeit", sagt der 29-Jährige. Beim Turnier "The International" in Seattle spielen derzeit die besten Teams im Spiel "Dota 2" um Preisgelder von mehr als 17 Millionen US-Dollar.

Die Ähnlichkeit zu Spitzensport ist verblüffend. Die Sieger werden in der Szene zu Idolen, es gibt Manager, Trainer und Fanclubs. Und: Die meisten Spieler hören - ähnlich wie beim Fußball - im Alter zwischen 30 und 35 Jahren mit ihrer Spielerkarriere auf. "Die Reaktionszeit lässt irgendwann nach. Dann ist man immer die entscheidende tausendstel Sekunde langsamer, als die jungen Spieler", sagt Gehlen. Da ist auch Bürgermeister Frank Meyer, der zur Eröffnung vorbeischaut und nun auf Socken zwischen den surrenden Rechnern steht, längst raus. "Ich habe durchaus eine Beziehung zu Videospielen", sagt er. Wenn es die Zeit zulässt, könne er sich stundenlang in einen Fußballmanager vertiefen. "Bei den Spielen hier geht es mir beim Zusehen fast schon zu schnell", sagt er. Das sehen die mehreren Hundert Zuschauer, die sich für das Wochenende angemeldet haben, entschieden anders. "Schade nur, dass nach ein paar Tagen alles wieder vorbei ist", meint ein TakeTV-Mitarbeiter. Dann hält er inne und grinst. "Ach nee, ganz vergessen. Wir bleiben jetzt ja dauerhaft hier." Ein echter Jugendtraum eben.

Quelle: RP
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