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Krefeld
Evangelische Kirche verliert Pfarrstellen

Krefeld. Krefelds Gemeinden haben im letzten halben Jahr zweieinhalb Pfarrstellen verloren - Hintergrund: Die Landeskirche stellt sich auf einen dramatischen Pfarrermangel spätestens ab dem Jahr 2030 ein. Von Jens Voss

Der Wechsel von Pfarrerin Sylvia Pleger zur Friedenskirche machte vollends deutlich: Das evangelische Krefeld verliert Pfarrstellen. Hauptursache sind nicht so sehr sinkende Mitgliederzahlen, sondern ein sich abzeichnender Pfarrermangel, der nach der katholischen auch die evangelische Kirche erreicht hat. Die Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR) hat darauf reagiert und die Bemessungszahlen für eine Pfarrstelle verändert. An der Notwendigkeit besteht wenig Zweifel in den Gemeinden. "Gelobt sei der Weitblick der Landeskirche, und das meine ich ganz unironisch", sagt dazu Volker Hendricks, Pfarrer an der Pauluskirche und Gemeindeverbandsvorsitzender der sieben in dem Verband organisierten Gemeinden Krefelds, auf Anfrage.

Die Friedenskirche mit ihren 3800 Gemeindegliedern hatte bislang eineinhalb Pfarrstellen. Nach dem plötzlichen Tod von Pfarrer Michael Windhövel wird nun Pfarrerin Sylvia Pleger eine ganze Stelle an der Friedenskirche übernehmen; sie war bislang mit je einer halben Stelle an der Friedenskirche und in Forstwald tätig. Die halbe Stelle in Forstwald wird ebenso wegfallen wie ihre halbe Stelle an der Friedenskirche, die bislang eineinhalb Pfarrstellen hatte.

Auch der Krefelder Süden mit Luther- und Markuskirche verliert eine von bislang drei Stellen: Pfarrerin Sabina Busmann verlässt die Lutherkirche zum Jahresende - den letzten Gottesdienst leitet sie an Silvester. Ihre Stelle wird nicht wiederbesetzt - somit verbleiben die Pfarrer Gerd Maeggi und Marc-Albrecht Harms für den Süden.

Hintergrund: Die Landeskirche hat die Bemessungsgrundlage für Pfarrstellen geändert. Demnach werden Pfarrstellen künftig nach den Gemeindegrößen bemessen, die für 2030 erwartet werden. Demnach gibt es künftig in der Stadt ab 3800 und auf dem Land mit Blick auf die größeren Flächen ab 3200 Gemeindegliedern eine Pfarrstelle. Bislang lag die Zahl pro Stelle bei rund 2500 bis 2800 Mitgliedern je Gemeinde (je nach Fläche). "Für die Friedenskirche werden für 2030 rund 3200 Gemeindeglieder erwartet, so dass diese eine Stelle schon nur noch haarscharf zu rechtfertigen ist", erläutert Hendricks. Im Prinzip steht ab sofort jede freiwerdende Stelle auf dem Prüfstand der neuen Bemessungsgrundlagen.

Die Kirche steht zweifach unter Handlungsdruck: Schon aus demografischen Gründen sinken die Mitgliederzahlen; vor allem aber steht die Kirche vor einer Pensionierungswelle der geburtenstarken Jahrgänge. Gab es in den 80er Jahren noch sehr viele Theologiestudenten, sind die Zahlen nach und nach zurückgegangen - wohl auch deshalb, weil sich herumgesprochen hat, dass es für angehende Pfarrer extrem schwierig war, eine Pfarrstelle zu finden und in den Beruf einzusteigen. Dazu kommt zunehmendes Desinteresse an dem Studiumgang wie überhaupt an religiösen Fragen - hier teilt die evangelische das Schicksal der katholischen Kirche, wo der Zölibat zusätzlich manchen Interessenten vom Pfarrberuf abschrecken mag.

Für Krefeld hofft Hendricks, aus den bislang weggefallenen zwei Stellen langfristig eine zu behalten. "Wir hoffen, die Landeskirche davon überzeugen zu können, dass wir eine halbe Stelle für die Friedenskirche als Citykirche mit Kulturpunkt und eine halbe Stelle für die Gemeindearbeit in der Stadt gut brauchen können. Aber diese Gespräche stehen am Anfang."

Quelle: RP
 
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