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Krefeld
Ex-Box-Weltmeisterin trainiert Stadtverwaltungsangestellte

Krefeld: Ex-Box-Weltmeisterin trainiert Stadtverwaltungsangestellte
Die ehemalige Boxweltmeisterin Magdalena Dahlen schlägt mit dem Handballen in die Pratzen von Deeskalationstrainer Frank Szkakala. Diese Schlagtechniken zeigt sie auch den Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung, die an den Kursen zur Selbstverteidigung teilnehmen. FOTO: SINN
Krefeld. Bei Krefelds Stadtverwaltung geht die Angst vor Übergriffen um. Aus diesem Grund lernen jetzt Frauen, wie sie sich gegen Angreifer zur Wehr setzen können. Ihre Lehrerin muss es wissen: Magdalena Dahlen war mal Weltmeisterin im Boxen. Von Oliver Schaulandt

Der Griff ums rechte Handgelenk ist eigentlich ziemlich fest. Doch Magdalena Dahlen weiß, wie sie sich aus der Umklammerung mühelos lösen kann. Sie dreht ihren Unterarm leicht nach oben, windet sich so zwischen Daumen und Zeigefinger aus dem Griff ihres Angreifers und schiebt mit der flachen linken Hand die Hand ihres Angreifers scheinbar spielend leicht beiseite und hat wieder beide Hände zur Verfügung. "Zum Glück ist mir das selbst noch nicht passiert, dass ich mich auf diese Weise wehren musste", sagt die gelernte Stadtsekretärin bei der Stadt Krefeld.

Nun ist Magdalena Dahlen auch keine, die nicht weiß, wie sie sich wehren könnte. Vor sechs Jahren krönte sie sich selbst zur Box-Weltmeisterin, im Bantam-Gewicht gewann sie seinerzeit das Gefecht um den WM-Titel gegen Liliana Martinez aus der Dominikanischen Republik. "The Beast" war seinerzeit ihr Kampfname, als sie noch vom Krefelder Boxtrainer Manni Faber betreut wurde (der später mit Derya Saki eine zweite Boxerin zum Titel führen sollte) und im Sparring unter anderem auch die ehemalige Weltmeisterin Ina Menzer (die inzwischen ihre Karriere beendet hat) vor die Fäuste bekam. "Naja, eigentlich bin ich eher unter ihre Fäuste gekommen. Ina hat mich damals doch ziemlich vermöbelt", erzählt die 30-Jährige und lacht dabei.

Doch nach dem Titelgewinn wurde es allmählich ruhig ums Frauenboxen und auch um die gebürtige Solingerin mit den polnischen Wurzeln. Sie konzentrierte sich auf ihre Ausbildung bei der Stadtverwaltung Krefeld, die sie mittlerweile abgeschlossen hat. Mit Boxen hat sie inzwischen nur noch als Trainerin zu tun, und das macht sie nun sogar auch für ihre Kolleginnen: Zusammen mit Deeskalationstrainer Frank Szkakala vom Studieninstitut Niederrhein leitet sie Kurse zur Selbstverteidigung für ihre Kolleginnen. "Krav Maga" bringen die zwei den bis zu zwölf Kursusteilnehmerinnen bei.

Schön und schlagfertig: Box-Weltmeisterin Magdalena Dahlen FOTO: Thomas Lammertz

Der Begriff stammt aus dem Israelischen und bedeutet so viel wie Kontaktkampf. "Allerdings ist Krav Maga nicht auf den Wettkampfgedanken ausgerichtet, sondern dient hauptsächlich dem Selbstschutz", sagt Szkakala, der im Mönchengladbacher Stadtteil Giesenkirchen sogar einen Verein für diese Verteidigungsform gegründet hat und auch dort zusammen mit Magdalena Dahlen trainiert. "Im Grunde machen wir diesen Kursus unter dem Motto ,Wehret den Anfängen'. Wir hoffen, dass niemand der Teilnehmer die Techniken dazu anwenden muss", sagt Szkakala. Ziel sei, sich erst gar nicht auf mögliche Tumulte einzulassen - aber sich im Notfall eben auch wehren zu können. "Einige Teilnehmerinnen erzählen im Seminar auch von Ereignissen, die ihnen dabei schon einmal widerfahren sind, die sie aber dann verdrängt haben", erzählt der Trainer.

Entsprechende Vorfälle müssen dabei nicht immer gleich mit körperlicher Gewalt in Verbindung stehen. Manchmal reicht es schon, wenn die Besucher die Distanz unterschreiten. "Sie kommen einem dann zu nah", erläutert Magdalena Dahlen und erzählt selbst von einem Besucher, der plötzlich hinter ihren Schreibtisch gegangen sei und herumgebrüllt habe. In diesem Fall sei ein Kollege hinzugekommen, doch notfalls hätte sie sich eben auch durch entsprechende Techniken aus dem Boxen oder dem Krav Maga wehren können.

Für viele Frauen sei es eine ziemliche Überwindung, jemanden zu schlagen. "Wir trainieren das an Pratzen vom Boxen", erläutert Dahlen. Geschlagen werde in der Regel ohnehin nicht mit der Faust, sondern eher Stöße mit dem Handballen ausgeführt - wie, das zeigen die beiden ihren Schülern. Schließlich soll ein potenzieller Angreifer nicht verletzt, sondern lediglich abgewehrt werden - zum Beispiel, wenn ein Angreifer das Handgelenk mit ziemlich festem Griff umfasst.

Quelle: RP
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