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Krefeld
Ex-Pfarrer kündigt Erklärung zu Missbrauchsvorwürfen an

Krefeld: Pfarrer aus Willich wegen sexuellen Missbrauchs vor Gericht
Krefeld: Pfarrer aus Willich wegen sexuellen Missbrauchs vor Gericht FOTO: dpa, rwe lof
Krefeld. Der wegen sexuellen Missbrauchs angeklagte ehemalige Pfarrer Georg K. will sich jetzt offenbar doch zu den Vorwürfen äußern. Für Freitag sei eine "Erklärung oder Einlassung" angekündigt, sagte der Vorsitzende Richter am Landgericht Krefeld, Herbert Luczak, am zweiten Verhandlungstag am Dienstag. Damit würden sich voraussichtlich weitere Beweiserhebungen erübringen.

Zum Prozessauftakt am Freitag hatte der aus dem Bistum Aachen stammende Ex-Pfarrer noch auf Anraten seines Anwalts keine Angaben zu den Tatvorwürfen gemacht. K., der seit Mai 2010 vom Priesteramt suspendiert ist, werden 26 Missbrauchstaten zwischen 2001 und 2006 an zwei Brüdern vorgeworfen. Ein Prozess mit ähnlichen Anschuldigungen in Südafrika wurde Mitte 2014 eingestellt. Damit wurde eine Auslieferung nach Deutschland möglich. Seit 30. Juli sitzt K. in Untersuchungshaft.

Nachdem die beiden heute 21 und 24 Jahre jungen Männer unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgesagt hatten, wurden am Dienstag deren Eltern als Zeugen gehört. Sie seien schon Ende der 80er Jahre mit dem damaligen Pfarrer befreundet gewesen und hätten ihm absolut vertraut, sagte die Mutter. Daher hätten sie sich gefreut, dass sich der Freund der Familie "nett" um den Sohn gekümmert habe. "Wir dachten, wir würden Georg K. kennen. Leider haben wir nur eine Maske gekannt." Auch bei Einladungen übers Wochenende hätten sich die Eltern nichts Böses gedacht. K. sei als "Kumpel" und "väterlicher Freund" aufgetreten.

Als K. 2007 nach Südafrika ging, sei das Verhältnis etwas abgekühlt, berichtete die Mutter. Erst aus der Distanz habe sich zunächst ihr jüngerer Sohn 2007 und dann der Erstgeborene Anfang 2010 den Eltern anvertraut. Damals sei eine Welt für sie zusammengebrochen, so die Zeugin. "Die Schuldgefühle wischt mir keiner von meiner Seele bis an mein Lebensende."

Der Vater berichtete von massiven Belastungen für die Familie. Zudem habe K. durch sein Verhalten den Pfarrerberuf beschmutzt. "Dieser Mensch darf nie wieder die Chance haben, Kinder zu missbrauchen und vor der Gemeinde den Geistlichen zu geben", forderte er.

Der Sprecher des Bistums Aachen, Stefan Wieland, hatte vor dem Prozess die Hoffnung geäußert, K. möge ein "umfängliches Geständnis" ablegen, auch um damit den Opfern die Aussage zu ersparen. Erst nach dem zivilrechtlichen Urteil, das am 6. Februar gefällt werden soll, werde auch das kirchenrechtliche Verfahren gegen K. weitergehen.

(KNA)