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Krefeld
Experte plädiert für Erdwärme-Kraftwerk

Krefeld: Experte plädiert für Erdwärme-Kraftwerk
Diese Grafik zeigt, wie Fracking funktioniert: Ein Rohr wird horizontal in den Boden gebohrt, anschließend vertikal abgelenkt, durch Sprengungen entstehen Löcher, durch diese strömt dann Wasser ins Gestein. FOTO: BGR
Krefeld. Die neue Politik der Landesregierung beim Thema Fracking macht den Bau eines Erdwärme-Kraftwerkes in Krefeld wieder möglich. Investor Wolfgang Hoever hofft auf einen neuen Fracking-Erlass – und erhält Unterstützung von Experten. Von Sebastian Peters

Die Chancen für ein Krefelder Erdwärme-Kraftwerk, mit dem aus heißem Wasser aus 5000 Metern Tiefe Strom gewonnen werden soll, steigen wieder. Derzeit wartet der Investor Wolfgang K. Hoever auf ein Signal der Landesregierung. Zuletzt hatte er seine Pläne in einer breiten Runde im Umweltministerium vorgestellt und Bedenken bezüglich der umstrittenen "Fracking"-Methode auszuräumen versucht – Hoever hofft jetzt auf einen Erlass, der zwischen Bohrungen für Geothermie und Erdgasexplorationen unterscheidet. NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat zuletzt in Interviews in Aussicht gestellt, dass Fracking erlaubt wird, wenn der Nachweis erbracht wird, dass keine giftigen Chemikalien eingesetzt werden. Im Frühsommer soll im Land eine Entscheidung fallen. Man sei "verhalten optimistisch", teilte Hoevers Sprecher Patrick Poehler mit.

Der Direktor des Geologischen Dienstes NRW mit Sitz in Krefeld, Josef Klostermann, macht sich dafür stark, das Fracken unter bestimmten Bedingungen in NRW zu genehmigen, also auch die Tests für den Bau eines Erdwärmekraftwerks in Krefeld zu starten. "Das Geothermie-Kraftwerk wäre ein Pilotprojekt mit Signalwirkung für ganz NRW. Wir als Geologischer Dienst können die Arbeiten begleiten und Risiken ausschließen", sagte er auf Anfrage unserer Zeitung.

Hoever plant konkret, mit rund 170 Grad heißem Wasser in 5000 Metern Tiefe Strom zu erzeugen. Dafür werden Rohre in diese Tiefe in die Erde gestoßen, Wasser und Sand werden nun durch diese Rohre nach unten geleitet und sollen das Gestein aufbrechen – das ist die Fracking-Technik, die bei dem Krefelder Projekt ohne den Zusatz von Chemie erfolgen soll. Auf die Beimischung von chemischem Material werde aber bei der Geothermie verzichtet, betont Salvea-Sprecher Patrick Poehler.

Die Fracking-Methode ist deshalb in der Kritik, weil in den USA auch mit Bioziden gefrackt wird, also die Steine mit chemischen Substanzen porös gemacht werden. Die Chemie werde insbesondere deshalb eingesetzt, damit sich in den Rohren keine Algen absetzen, sagt Klostermann. Forscher arbeiten derzeit daran, Fracking ohne Chemie möglich zu machen. Die Risse im Gestein sorgen dafür dass das Wasser oder – wie im Fall von Fracking für die Gasgewinnung – das Gas besser fließen kann. Josef Klostermann fordert: "Man muss sich sachlich unterhalten. Für den Einsatz von Bioziden sind entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Seit 1975 haben wir in NRW 1000 Bohrungen in Tiefen von bis zu 1000 Metern gehabt. In den USA wird faktisch schon seit 1949 gefrackt." Klostermann begrüßt, dass es künftig vor der Genehmigung eines Fracking-Vorhabens eine Umweltverträglichkeitsprüfung gibt. "Die Unternehmen sollen jetzt angeben, mit welchen Substanzen konkret gefrackt wird."

Bei den Krefeldern gab es zuletzt die Sorge, dass durch die seismischen Tests und die spätere Bohrung Erdbeben ausgelöst werden können. Genau dies aber, so meint Klostermann, könne durch die wissenschaftliche Begleitung durch den Geologischen Dienst ausgeschlossen werden. Problematisch seien bei den Bohrungen nur jene Teile von Krefeld, in denen es durch tektonische Verschiebung Risse im Boden gibt. Wo diese liegen, könne nur mittels der seismischen Tests festgestellt werden. Lkw fahren mit Rüttelplatten durch Krefeld und senden Signale in den Boden – wenn ein Signal an zwei nahe beieinanderliegenden Stellen in unterschiedlichen Zeiten hoch kommt, ist dies ein Zeichen, dass hier Gesteinsschichten verschoben sind. Dort dürfe nicht gebohrt werden.

Josef Klostermann rechnet aber nicht damit, dass es in Krefeld viele solcher Boden-Risse gibt. Auch wenn tatsächlich gebohrt wird, müsse durch Experten und kontrolliert von seiner Behörde stets angrenzend an diese Bohrung das Verhalten im Boden beobachtet werden. Beginne die Erde minimal zu beben, müsse die Bohrung verpflichtend wieder abgebrochen werden. "Das Risiko trägt dann der Investor", sagt Josef Klostermann.

Quelle: RP
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