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Krefeld
Experten messen alles - sogar Kirschen

Krefeld: Experten messen alles - sogar Kirschen
Auch für die Wissenschaft interessant: Die Uni Hannover hat mithilfe einer Spezial-Anfertigung das Wachstum von Kirschen gemessen. FOTO: Jödden
Krefeld. Die Krefelder "a.b.jödden gmbh" misst alles, was man sich nur vorstellen kann. Mit dem Vertrieb ihrer Mess-Sensoren erwirtschaftet das Unternehmen zwei Millionen Euro Jahresumsatz. Grundlage dafür sind die rund 25.000 Produkte, die pro Jahr an Kunden in aller Welt ausgeliefert werden. Von Tim Kronner

Ein Auto hat immer gleich viel Leistung, vorausgesetzt es funktioniert richtig. Bei Straßenbahnen und Nahverkehrzügen sieht das überraschenderweise anders aus. Mitverantwortlich dafür ist die Krefelder A.B.Jödden GmbH, die zahlreiche Bahnen in NRW mit ihren sogenannte "induktiven Wegaufnehmern" bestückt. Dabei handelt es sich um eine Art Stoßdämpfer, der im Inneren mit hochmoderner Technik ausgestattet ist. "Der Wegaufnehmer merkt anhand der Belastung, wie viele Menschen sich im Zug aufhalten und gibt ein entsprechendes elektronisches Signal weiter. Je mehr Personen transportiert werden, desto mehr Leistung wird für das Beschleunigen und Bremsen zur Verfügung gestellt", erklärt Geschäftsführer Bernd Jödden.

Seit inzwischen 18 Jahren sitzt Jödden mit seinem Unternehmen in Krefeld und sorgt dafür, dass die verschiedensten Dinge und Prozesse messbar nachvollzogen und überprüft werden können. "Besser Messer" ist daher der Titel, den er sich und seinen Mitarbeitern mit einem Augenzwinkern gegeben hat. Nachdem Jödden sein Unternehmen 1999 mit einem weiteren Helfer gründete, arbeiten inzwischen fünf Menschen für den in der Seidenstadt ansässigen Vertrieb. Das soll sich jedoch perspektivisch ändern: Jödden möchte die Belegschaft hier vor Ort künftig ausbauen. 16 weitere Beschäftigte sind im bayrischen Oberhaching in der Produktion der technologischen Mess-Instrumente angesiedelt. Partner ist die Schreiber Messtechnik GmbH, die selbst keinen eigenen Vertrieb hat. "Der Kundenkontakt läuft komplett über uns", sagt Jödden.

Zu den Abnehmern der feinmotorischen Produkte gehören große Unternehmen, hauptsächlich aus der Industrie, die laut Jödden für etwa 95 Prozent des Umsatzes verantwortlich ist. Namen gibt der Diplom-Ingenieur aufgrund des Wettbewerbsdrucks nur ungern preis. Ein prominenter Kunde ist aber die Mönchengladbacher Trützschler GmbH & Co. KG, die spezielle Textilmaschinen herstellt und Marktführer in ihrem Bereich ist. Auch in vielen anderen Branchen sind die Produkte der A.B.Jödden GmbH gefragt. In diesem Jahr wurden bisher 24.270 Artikel verkauft - "das sind jetzt schon mehr als im vergangenen Jahr", freut sich Jödden über den Erfolg.

Praktisch für Fahrradwerkstätten: Mit der Messtechnik lässt sich herausfinden, ob das Rad einen Schlag hat und die Speichen gerade verlaufen. FOTO: Lammertz Thomas

Der Umsatz von zwei Millionen Euro jährlich fließt aus den verschiedensten Branchen in das Unternehmen. Von Messeinheiten in Testwagen der Automobilindustrie über Neigungssensoren in Schaufeln von Baggern bis hin zu Dichtigkeitsmessern für Joghurtbecher ist alles dabei. Auch in den niederrheinischen Kiesbaggern sind Sensoren des Unternehmens verbaut, die teilweise sogar unter Wasser arbeiten. Die Mess-Instrumente sind bei Kunden rund um den Globus in Gebrauch. Neben Lieferungen nach Deutschland, Belgien und in die Niederlanden, bestellen auch Inder und Abnehmer aus den Vereinigten Arabischen Emiraten bei Jödden. Insgesamt bietet das Unternehmen fünf verschiedene Technologien an, aus denen rund 150 Varianten entwickelt wurden. "Damit kann man so ziemlich alles messen und die gewonnenen Informationen weiterverwerten - egal, ob Wege, Winkel, Neigungen, Druck, Temperatur, Beschleunigung, Vibration oder Durchfluss", erläutert Jödden.

Neben den Standard-Produkten sind für ihn auch immer wieder ausgefallene Anwendungsgebiete interessant. So arbeiten beispielsweise in Munitionsbefüllmaschinen sogenannte "Taster", die sicherstellen, dass in jede Hülse genug Pulver gelangt. "Im Gegensatz zu vielen größeren Unternehmen, kommt es uns aber nicht auf die Abnahme-Menge an. Wir produzieren gerne auch Kleinserien", sagt Jödden. Das freue vor allem Wissenschaftler und Universitäten, die Spezial-Anfertigungen bestellen können. Die Leibniz Universität Hannover etwa untersuchte mithilfe eines Wegaufnehmers das Wachstum von Kirschen, um mehr über den Stofftransport herauszufinden. Die Ideen-Schmiede von Jödden designte dafür einen neuen Weg-Messer, der sich unterhalb eines Astes anbringen lässt und die Kirsche ohne Schaden umschließt. "Das Ergebnis: Kirschen wachsen in der Nacht und schrumpfen am Tag. Das wusste ich auch noch nicht", sagt Jödden.

Er weiß, wie man etwas richtig misst: Bernd Jödden ist seit 18 Jahren mit seinem Unternehmen für Messtechnik in Krefeld ansässig. Hier zeigt er einen "Wegaufnehmer", der als eine Art Stoßdämpfer in Straßenbahnen verbaut wird. So kann je nach Last die Kraft für Beschleunigung und Bremsen angepasst werden. FOTO: Lammertz
Quelle: RP
 
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