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Krefeld
"Fabrikgespräche" zu Spuren der Zukunft

Krefeld. Rund 80 Interessenten waren der Einladung des Stadtmarketings in die Shedhalle der Alten Samtweberei gefolgt. Experten stellten ihre Sicht auf Fragen nach Quartiers- und Stadtentwicklung dar. Von Anette Frieling

Wie kann sich eine Immobilie nützlich machen? Was macht eine Stadt von morgen aus? Wie lässt sich der "Donut-Effekt" vermeiden? Antworten auf diese Fragen gab es während der "Fabrikgespräche" in der sanierten Shedhalle der Alten Samtweberei. Etwa 80 Besucher waren am Donnerstagabend der Einladung des Krefelder Stadtmarketings gefolgt und hörten während der "Spätschicht" Impulsvorträge zum Thema "Spuren der Zukunft". Exemplarisch zum Thema der dreitägigen Veranstaltungsreihe machte Henry Beierlorzer, Geschäftsführer der gemeinnützigen GmbH "Urbane Nachbarschaft Samtweberei", die Einführung.

"Wie kann ein Quartier bei seiner Entwicklung unterstützt werden?", habe man sich gefragt, als man mit der Alten Samtweberei eine "Brache", aber auch einen "Ort der Geschichte" vorgefunden habe; und man sei zu dem Schluss gekommen "eine Immobilie darf sich nicht abschotten". Abgesehen von der Mischung durch seine Bewohner und seiner unterschiedlichen Nutzung habe man bereits mit dem Café "Lentz -Kultur und Kulinarik" einen spannenden Ort der Begegnung geschaffen, zu dem sich nun, mit Freigabe der Shedhalle, ein weiterer Baustein für die Quartiersentwicklung ergebe. Geschaffen als öffentlicher Raum sei es nun spannend zu beobachten, "welche Nutzungsspuren jetzt hier reinkommen". Schon jetzt sei eine ansehnliche Architektur entstanden. Gemeinsam mit den Quartiersbewohnern blicke man in die Zukunft und damit auf einen Ort, der tagsüber "ein öffentlicher Platz ist, der sich über Flaneure, Besucher und Menschen freut, die Nachbarschaft pflegen".

Den Stellenwert und Einfluss von Architektur auf das Leben von Menschen thematisierten auch die Referenten, wenngleich unterschiedlicher kaum denkbar. Während der Schriftsteller Burkhard Spinnen während einer dreiviertelstündigen Lesung in einer Einzelbetrachtung über seine "persönliche Reizbarkeit" durch Neubauten berichtete ("Sie sind weiß und sie sind eckig. Eine universelle Sterilität im Lego-ismus"), spannte Reiner Nagel, Stadtplaner und Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur in Potsdam, den Bogen weiter. Man müsse die großen Themen Demografie, Bevölkerungswachstum und Klimawandel betrachten. Die Frage müsse lauten "Was macht unsere Stadt morgen aus?". Zumeist fehle es den Städten an einem Gesamtkonzept. Zwar gebe es täglich durch Neubauten einen bundesweiten Flächenverbrauch im Umfang von einhundert Fußballfeldern, aber häufig werde am Bedarf vorbei geplant, so zum Beispiel durch die "Ausweisung von Neubaugebieten am Außenrand bei gleichzeitigem Leerstand der Innenstadt". Es bestehe die Gefahr des "Donut-Effektes", und das "ist eine besondere Falle. Denn wenn Sie in der Mitte hohl sind, dann nutzt es Ihnen auch nichts, wenn Sie am Rand wachsen". Von den Kommunen gern aus Steuergründen geschaffen aber dauerhaft wenig attraktiv bilde sich dort kein wahrer Wert und deshalb laute sein Rat "alle Kraft in die Mitte".

Neben stadtplanerischen Aspekten mahnte Nagel zum sorgsamen Umgang mit den verwendeten Materialien (Holz, Recyceltes) und zur Schonung der Ressourcen an. Weil vielerorts eine finanzielle und personelle Unterausstattung eine gute Planungskultur und Prozessqualität erschwert, ist es nach Ansicht des Experten umso wichtiger, die Beteiligung der Bevölkerung und die Mitwirkung externer Experten als konstruktive Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Quelle: RP
 
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